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Häftlingsflucht in Suhl-Goldlauter - nun soll Kommission aufklären

Es klingt wie ein Krimi: Ein Häftling versteckt sich in einer Pappkiste und lässt sich im Transporter aus dem Gefängnis fahren. Die Flucht beschäftigt Ermittler und Landespolitik in Thüringen. Der Geflohene ist immer noch verschwunden.




Erfurt/Suhl - Eine Expertenkommission soll die Umstände der Häftlingsflucht Mitte Oktober aus dem Gefängnis Suhl-Goldlauter aufklären. Justizminister Dieter Lauinger (Grüne) räumte am Dienstag Versäumnisse bei dem Vorfall ein, bei dem ein 35 Jahre alter Untersuchungshäftling aus der Justizvollzugsanstalt (JVA) geflohen war.

«Es ist klar, dass Fehler passiert sind», sagte Lauinger. Es handle sich um individuelle Fehler. Disziplinarrechtliche Ermittlungen seien eingeleitet worden. Ob auch die organisatorischen Abläufe bei der Flucht eine Rolle spielten, solle nun die Kommission klären.

Dem Mann, der wegen Drogendelikten seit Anfang Juni in Untersuchungshaft saß, war am 17. Oktober bei einem Transport der JVA-Werkstatt die Flucht gelungen. Er soll sich in einer Pappkiste versteckt haben, die abtransportiert wurde. Bei einer Kontrolle war das nicht aufgefallen.

Nach ihm wird gefahndet. Das Landeskriminalamt (LKA) hat vor ihm als gefährlichen Straftäter gewarnt. Er war bei Ermittlungen im Drogenmilieu im Juni festgenommen worden. Damals hatte die Polizei sechs Verdächtige festgenommen, die laut LKA mindestens seit 2016 als lose Gruppe im Drogenhandel zusammengearbeitet hatten.

Lauinger sprach am Dienstag von einer oberflächlichen Kontrolle, die dazu geführt habe, dass die Flucht gelang. Inzwischen seien konkrete Maßnahmen zur Verstärkung von Sicherheit und Ordnung im Thüringer Strafvollzug ergriffen, die Bestimmungen für den Warentransport aus den Werkstätten nochmals verschärft worden. Eine Besichtigung der Werkstatt in Suhl-Goldlauter habe «Handlungsbedarf in verschiedener Hinsicht aufgedeckt», so das Ministerium, ohne Details zu nennen.

Für die Mitarbeit des Geflohenen in der Werkstatt lag laut Justizministerium eine richterliche Genehmigung vor. In der Vergangenheit war der Mann, der mit mehreren Alias-Namen unterwegs war, mehrmals zu Geld- und kurzfristigen Freiheitsstrafen auf Bewährung verurteilt worden. Er sei noch nie in Strafhaft gewesen. Im bislang letzten Verfahren gegen ihn wegen Körperverletzung sei ihm eine positive Sozialprognose gestellt worden.

Die Kommission unter Vorsitz des ehemaligen Referatsleiters Sicherheit im Justizministerium Mecklenburg-Vorpommern, Wolfgang Suhrbier, soll den gesamten Zeitraum von der Inhaftierung des Mannes bis zur Flucht beleuchten und die in diesem Zusammenhang gefallenen Entscheidungen prüfen. Um eine unabhängige und unbeeinflusste Untersuchung zu gewährleisten, würden für die Zeit der Untersuchung die Leitungen der Gefängnisse in Suhl-Goldlauter und Tonna ausgetauscht. dpa

 
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Veröffentlicht am:
07. 11. 2017
20:21 Uhr

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07. 11. 2017
20:21 Uhr



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