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Thüringen

Firmen werden für etwas bestraft, für das sie gar nichts können

Der Handelskrieg zwischen Deutschland und den USA bleibt nicht ohne Folgen auch für die Firmen in der Region. Das zeigt auch die jüngste Konjunkturumfrage der IHK Südthüringen.



Der Geschäftsführer von Rennsteig-Werkzeuge, Sascha Zmiskol. Foto: ari
Der Geschäftsführer von Rennsteig-Werkzeuge, Sascha Zmiskol. Foto: ari   Foto: ari

Suhl - Sascha Zmiskol hat zur Pressekonferenz bei der IHK die Liste der US-Zoll-Nummern mitgebracht, auf der die Artikel aufgelistet sind, die seit dem 18. Oktober mit zusätzlichen 25 Prozent Zoll in den USA belastet werden. Zwischen "Kaffee/Kaffee entkoffeiniert" und "Waffeln" finden sich da auch "Schraubenzieher" und sonstige "Handwerkzeuge". Solche, etwa Zangen für das Verarbeiten von Kabeln, liefert Zmiskols Firma, die Rennsteig-Werkzeuge GmbH aus Steinbach-Hallenberg, eben auch in die USA.

Den Strafzoll einfach an die Kunden weiterzureichen, ist keine Lösung. Denn angesichts der neuen Strafzölle reiben sich Konkurrenten aus anderen Teilen der Welt, ob Schweden oder Florida, nun die Hände. Auslöser für die von US-Präsident Donald Trump verhängte Zoll-Liste waren Subventionen der Europäer für den Flugzeughersteller Airbus, die laut Welthandels-Organisation WTA unzulässig gewesen seien. Eine ähnliche Entscheidung über US-Subventionen für Boeing wird erst im Frühjahr 2020 erwartet - die EU kann dann mit ähnlichen Strafzöllen für US-Produkte antworten.

Spielball der Politik

Folge des Hin und Her: "Wir werden für etwas bestraft, wofür wir nichts können", sagt Geschäftsführer Zmiskol. Sein Unternehmen sei zum Glück breiter aufgestellt, so dass es die Strafzölle eine Zeit lang aushalten könne, ohne in Gefahr zu geraten. "Aber wir finden das höchst ungerecht." Und der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Südthüringen, Ralf Pieterwas, pflichtet ihm bei: "Hier wird die Wirtschaft zum Spielball der Politik gemacht." Denn am Ende hätten auch die Unternehmen hier nichts davon, wenn Europa auf die Boeing-Subventionen mit Strafzöllen auf US-Produkte antworte und am Ende nur die Zölle in die Kasse stecke.

Gerade die Unwägbarkeiten des Welthandels - zu denen auch der Brexit gehört - erweisen sich in der aktuellen Konjunkturumfrage der IHK als Hemmnis für die Wirtschaft. So berichtet fast ein Drittel der Betriebe der Region (32,5 Prozent) von rückläufigen Auslands-Aufträgen. "Am Auslandsgeschäft liegt es, wenn hier der Haussegen beginnt schief zu hängen", beschreibt Pieterwas die Lage. Befragt, was die größten Risiken für die weitere Entwicklung des Unternehmens seien, nannten denn auch 20,1 Prozent der Unternehmen in der Region die Auslandsnachfrage. Vor einem Jahr lag diese Rate nur bei 9,7 Prozent. Mehr als das beschäftigen nach wie vor die Unternehmen freilich Dinge wie der Fachkräfteengpass (66 Prozent), Arbeitskosten (52,1 Prozent) oder auch die Energiepreise (42,3 Prozent).

Beim Fachkräfte-Thema gelte es angesichts einer möglichen Konjunktur-Eintrübung jetzt Vorkehrungen zu treffen, sagte Pieterwas. Und hier sei die Politik gefragt, etwa mit Regelungen für ein Kurzarbeiter-Geld. "Im Bereich der spezialisierten Fachkräfte rechnen wir nicht mit Freisetzungen." Denn das habe auch die Finanzkrise 2008/9 gezeigt: Wer damals gut qualifizierte Mitarbeiter entlassen hatte, bekam hinterher große Probleme wieder Leute zu finden.

Für Ende der Sanktionen

Laut Pieterwas liegt im Bereich der IHK der Anteil der Fachkräfte an den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten bei 80 Prozent - während ihr Anteil bundesweit eher zwischen 50 und 60 Prozent liege. Und so ist auch für Zmiskol das Ausweichen auf einen anderen Produktionsstandort wie etwa Tschechien - denn die sind nicht von den US-Strafzöllen betroffen, hier soll gleich noch ein Spaltpilz in die EU gebracht werden - kein Thema: "Wir schreiben voller Stolz ‚Made in Germany‘ auf unsere Produkte."

Die Politik könnte demgegenüber mit einer anderen Entspannung durchaus für einen Zehn-Prozent-Schub in der Wirtschaft sorgen, sagt Pieterwas: Er plädiert für ein Ende der Russland-Sanktionen. Diese seien nicht nur ohnehin wirkungslos, sondern schadeten auch noch einseitig der Wirtschaft in Deutschland.

Autor

Jens Wenzel

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Veröffentlicht am:
26. 10. 2019
07:47 Uhr

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Jens Wenzel

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26. 10. 2019
07:47 Uhr



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