Topthemen: Gebietsreform: Das ändert sich in SüdthüringenMobilität und EnergieFußball-Tabellen

Thüringen

Festakt in Weimar: Politiker rufen zum Einsatz für Demokratie auf

Das heutige Grundgesetz wäre ohne sie wohl nicht denkbar: Die Weimarer Verfassung machte ganz offiziell aus dem monarchischen Deutschen Reich eine parlamentarische Republik.



Festakt 100 Jahre Weimarer Verfassung
P. Kleine (l-r), B. Ramelow, A. Voßkuhle, A. Merkel, E. Büdenbender, F.-W. Steinmeier, W. Schäuble, D. Günther, B. Diezel.   Foto: Martin Schutt » zu den Bildern

100 Jahre nach Eröffnung der Nationalversammlung in Weimar haben führende Politiker die Bürger zu mehr Engagement für die Demokratie aufgerufen. «Jede Generation muss wieder für Demokratie kämpfen», betonte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Ähnlich äußerte sich auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Mittwoch in Weimar, wo das Jubiläum mit einem Festakt, einem ökumenischen Gottesdienst und einem Bürgerfest gefeiert wurde.

Merkel und Steinmeier würdigten die Weimarer Verfassung als Grundlage für das heutige Grundgesetz. Der Bundespräsident beklagte, dass bisher zu sehr das Scheitern der Weimarer Republik gesehen wurde, deren Ablösung durch den Nationalsozialismus und nicht so sehr die Bedeutung als erste demokratische Republik.

Die Nationalversammlung war nach der Novemberrevolution 1918 und dem Sturz der Monarchie in Weimar am 6. Februar 1919 erstmals zusammengekommen, um eine Verfassung für die erste demokratische Republik auf deutschem Boden - die Weimarer Republik - auszuarbeiten.

In seiner Festrede mahnte Steinmeier, trotz des Grundgesetzes als beste aller Verfassungen gebe es keinen Grund, «dass wir uns zurücklehnen könnten», solange Parlamente als «Quatschbuden» verunglimpft, politisch Engagierte mit Worten oder gar mit Gewalt angegriffen würden und solange Menschen den Glauben an den Wert der Demokratie verlören.

Ein demokratischer Patriotismus brauche Symbole, die verbinden, erklärte Steinmeier. Eines sei die schwarz-rot-goldene Staatsflagge. Und es sei historisch geradezu absurd, wenn heute diese schwarz-rot-goldene Flagge am auffälligsten von denen geschwungen werde, «die einen neuen nationalistischen Hass entfachen wollten», so der Bundespräsident. Schwarz-Rot-Gold seien immer die Farben von Einigkeit und Recht und Freiheit gewesen. «Überlassen wir sie nicht den Verächtern der Freiheit», sagte er unter Beifall.

«Wir sollten die Weimarer Republik nicht länger nur von ihrem Ende her betrachten», erinnerte Steinmeier an deren Zerstörung durch die Nationalsozialisten. «Sie war mehr als nur die Vorgeschichte des Nationalsozialismus und sie war keine Einbahnstraße in die Barbarei.»

Damals seien wichtige Bürgerrechte wie das Wahlrecht für Frauen umgesetzt worden, sagte Merkel. Das heutige Grundgesetz, das in diesem Jahr 70 Jahre alt wird, sei auf der Grundlage der Weimarer Verfassung aufgebaut worden. Auch das heutige Europa sei als eine Lehre aus der Weimarer Republik und «der schrecklichen Periode des Nationalsozialismus und des Holocausts» entstanden.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) betonte, die Essenz der Weimarer Verfassung präge Deutschland heute noch und werde auch die Weichenstellungen der nächsten Jahrzehnte beeinflussen. Thüringens Landtagspräsidentin Birgit Diezel (CDU) hob die Bedeutung des Föderalismus für das heutige demokratische Deutschland hervor. Länder und Regionen blieben eine «Kraftquelle unserer Entwicklung», sagte sie.

In einem ökumenischen Gottesdienst mit mehreren hundert Menschen in der evangelischen Herderkirche – in die 1919 auch Abgeordnete der Nationalversammlung zum Gottesdienst kamen – kritisierte der Bischof des Bistums Erfurt, Ulrich Neymeyr, eine Verschärfung der Debattenkultur in den Parlamenten. «Im Herzen der Demokratie, in den Parlamenten, wird der Ton aggressiv und polemisch», sagte der katholische Geistliche. Ein demokratisches Miteinander sei mitunter mühsam, sagte die Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Ilse Junkermann. Dazu gehöre auch fairer Streit.

Zu der Jubiläumsfeier waren auch Regierungschefs mehrerer Bundesländer und der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Andreas Voßkuhle, gekommen. Die sonst von Touristen bevölkerte historische Altstadt und der Theaterplatz waren abgesperrt. Die Polizei war eigenen Angaben zufolge über mehrere Tage mit 1000 Beamten im Einsatz. Es sei aber alles friedlich verlaufen, sagte ein Polizeisprecher.

Hinter den Absperrungen drängelten sich Schaulustige, Merkel wurde von ihnen mit Beifall begrüßt. «Ich bin stolz, dass die Stadt so in aller Munde ist», sagte die Weimarerin Ingrid Menzel, die mit anderen auf die Kanzlerin wartete.

Die Weimarer Verfassung schrieb ein freies und gleiches Wahlrecht unabhängig von Geschlecht und Stand fest, sowie die Trennung von Staat und Kirche. Auch betriebliche Mitbestimmung, Schulpflicht, Gleichberechtigung von Mann und Frau waren dort verankert sowie eine Wirtschaftsordnung, die der Grundsätze der Gerechtigkeit entsprach. dpa

Lesen Sie dazu auch:

100 Jahre Weimarer Verfassung: Merkel und Steinmeier kommen

Warum ausgerechnet Weimar?

Veröffentlicht am:
06. 02. 2019
19:14 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Andreas Voßkuhle Birgit Diezel Bodo Ramelow Bundeskanzlerin Angela Merkel Bundesverfassungsgericht CDU Demokratie Deutsche Presseagentur Deutsches Reich Evangelische Kirche Frank-Walter Steinmeier Gottesdienste Grundgesetz Monarchie Parlamente und Volksvertretungen Polizei Republik Wahlrecht Weimarer Republik Ökumene
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Fast nur Männer: Das Foto stammt von der Eröffnung der Nationalversammlung in Weimar 1919 - also vor genau 100 Jahren. Foto: akg-images/epd

Aktualisiert am 06.02.2019

100 Jahre Weimarer Verfassung: Merkel und Steinmeier kommen

Die Weimarer Republik war die erste deutsche parlamentarische Demokratie. Ihre Verfassung wurde in Weimar geschrieben. Daran wird am Mittwoch am historischen Ort erinnert. » mehr

Sieht seine Partei in den Umfragen wieder klar im Aufwind: CDU-Landeschef Mike Mohring.

04.01.2019

"Wir haben aus unseren Fehlern gelernt"

Nach der Wahl der neuen CDU-Bundesvorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer hofft auch die Thüringer CDU, aus dem Umfragetief wieder herauszukommen. » mehr

ACAB steht für "All Cops Are Bastards" ("Alle Bullen sind Bastarde"). Wie hier in Erfurt nehmen solche Schmierereien in Thüringen zu. Allein im ersten Halbjahr 2018 sind 203 Fälle registriert worden.	Archivfoto: Carsten Koall/dpa

24.10.2018

Beleidigung von Polizisten auf neuem Höchststand

Die Schmiererei "ACAB" findet sich immer häufiger im öffentlichen Raum. Dahinter versteckt sich eine üble Beschimpfung der Polizei. Nun will auch die CDU ein Zeichen dagegen setzen. » mehr

Bodo Ramelow

06.01.2019

Ramelow sauer: Kompetenz des Ostens scheint nicht zu interessieren

Ostdeutschland kann nach Ansicht von Thüringens Ministerpräsidenten Bodo Ramelow (Linke) auch 30 Jahre nach dem Mauerfall nicht auf eine eigene Interessenvertretung verzichten. Noch immer gebe es auf zahlreichen Gebieten... » mehr

Frank-Walter Steinmeier vor Erfurts Wahrzeichen, der Krämerbrücke. Foto: dpa

05.12.2017

Bin nicht nur zum Schulterklopfen hier

In Zeiten einer schwierigen Regierungsbildung besucht der Bundespräsident Thüringen. Frank-Walter Steinmeier sieht hier den "Geburtsort der Demokratie in Deutschland". » mehr

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender sind Ehrengäste - in die Kirche geladen waren aber viele Ehrenamtler.

22.12.2018

Weihnachten schon Tage vor dem Fest

Das traditionelle Konzert "Weihnachten mit dem Bundespräsidenten" wurde in diesem Jahr in der Eisenacher Georgenkirche aufgezeichnet - und damit zum zweiten Mal in Thüringen überhaupt. 250 Ehrenamtliche aus dem gesamten ... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Unfall Veilsdorf Veilsdorf

Unfall B89 Veilsdorf | 18.03.2019 Veilsdorf
» 16 Bilder ansehen

Flutmulden Oberlind Unterlind Oberlind/Unterlind

Flutmulden Oberlind/Unterlind | 16.03.2019 Oberlind/Unterlind
» 10 Bilder ansehen

Große Partynacht Suhl JUMP Suhl

Jump-Party Suhl | 16.03.2019 Suhl
» 62 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
06. 02. 2019
19:14 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".