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Thüringen

"Die Waldbrandgefahr wird tendenziell steigen"

Thüringen ist bei Waldbränden in diesem Sommer bislang glimpflich davon gekommen. Doch andernorts in Europa wüten gewaltige Feuer. Solche seien im Freistaat kaum möglich, sagt der Thüringen-Forst, mahnt aber zur Vorbereitung.



Suhl/Athen/Stockholm - Dramatische Bilder gehen in diesen Tagen aus Schweden und Griechenland um die Welt. In dem skandinavischen Land lodern so viele Waldbrände, wie sie das Land noch nie zuvor gesehen hat. Und in Griechenland starben vor den Toren Athens mehrere Dutzend Menschen in den Flammen eines gewaltigen Waldbrandes.

Die griechische Regierung spricht von einer „nationalen Tragödie“, Polizei und Feuerwehr nennen es das „schlimmste mögliche Szenario“. Selbst diese dramatischen Worte können das Grauen kaum fassen nach den verheerenden Waldbränden im dicht bewohnten Feriengebiet im Osten und Westen Athens. Ein riesiges Gebiet von gut 40 Quadratkilometern wurde zerstört. Doch es gibt auch eine gute Nachricht: Die meisten Brände konnten am Dienstag unter Kontrolle gebracht werden.

Szenarien, wie sie in Thüringen wohl kaum denkbar sind, räumt Thomas Sproßmann, Sprecher beim Thüringen-Forst ein. Der Freistaat sei kein klassisches Waldbrandland. Anders als Griechenland. Großfeuer wie in Schweden – oder im vergangenen Jahr in Portugal – seien in Thüringen kaum denkbar. Anders auch als in Brandenburg, Niedersachsen, Sachsen oder Sachsen-Anhalt. Dort gebe es die „kritische Kombination von sandigen, wärmespeichernden und gleichzeitig trockenen Böden mit aufstockender harzreicher Kiefer“, erklärt Sproßmann. Diese Kombination finde sich nur in Ostthüringen.

Trotzdem warnt Sproßmann vor zu viel Gelassenheit: „Unsere Waldbrandexperten gehen davon aus, dass sich diese Woche die Waldbrandgefahr im Freistaat deutlich erhöht. Die Waldböden verfügen, insbesondere in den unteren und mittleren Lagen, größtenteils über eine völlig unzureichende Wasserversorgung. Eine trockene Bodenvegetation sowie Bäume unter Wasserstress sind die Folge.“ Teilweise biete der Wald schon ein Bild wie im Herbst: Bäume würden ihre Blätter abwerfen. „Insgesamt eine kritische Situation“, so der Sprecher.

Angesichts des Bildes, das der Wald vielerorts abgibt, sind die Zahlen der Waldbrände in diesem Jahr bisher überschaubar. Ende Juni waren laut Thüringen-Forst erst sieben Waldbrände gezählt worden. 2017 seien es zum gleichen Zeitpunkt schon zwölf gewesen, im Jahrhundert-Trockenjahr 2003 waren es sogar 37. Für die Experten sei es verwunderlich, dass es trotz der seit Mitte April anhaltenden Trockenheit in Thüringen bislang keine größeren Waldbrände gab. Einzig der Waldbrand in Rittersdorf (Weimarer Land) vorletzte Woche, habe mit fünf Hektar Brandfläche nahezu alle Rekorde in Thüringen gebrochen.

Sproßmann rechnet damit, dass das Thema Waldbrände in Zukunft an Bedeutung gewinnen werden. Wegen des Klimawandels. Die Tendenz auch in Thüringen heißen, sehr trockenen Sommern werde Auswirkungen haben. „Die Waldbrandgefahr wird also tendenziell steigen“, sagt Sproßmann. Daher sei es klug, wenn sich die Feuerwehren mittelfristig technisch darauf einstellen. „Waldbrände unterscheiden sich von Hausbränden durch ihre teils extrem schnelle Ausbreitung und die Tatsache, dass im Wald oft kein oder nicht genügend Löschwasser in kurzer Zeit verfügbar ist.“ Die technische Ausrüstung müsse eventuell angepasst werden. So habe zum Beispiel in Rittersdorf kein Löschhubschrauber zur Verfügung gestanden, um die Feuerwehrleute am Boden zu unterstützen.

Moderne Technik, vor allem aber die Tatsache, dass die meisten Menschen ein Handy dabei hätten, sorge dafür, dass Waldbrände heutzutage schnell gemeldet würden. Das hervorragende Waldwegesystem in Thüringens Wäldern sei ebenfalls ein wichtiger Aspekt einer erfolgreichen Brandbekämpfung. „Ob künftig kamerabasierte Waldbrandfrüherkennungssysteme wie in Brandenburg oder Sachsen auch in Thüringen erforderlich werden, ist in den nächsten Jahrzehnten zu prüfen“, so Sproßmann.

Bis dahin setzt der Thüringen-Forst auf einen Ausbau seiner bestehenden Waldbrandvorbeugung. Dazu gehören die enge Zusammenarbeit mit dem Deutschen Wetterdienst und tagesaktuelle Online-Waldbrand-Gefahrenkarten. Und Aufklärung in der Bevölkerung. Schließlich sind viele Feuer nach wie vor vom Menschen gemacht. Oft aus Unachtsamkeit.

In Griechenland jedoch konnten all die Thüringer Überlegungen den Menschen nicht helfen. Wer Glück hatte, konnte den Strand erreichen. Dort ist man sicher vor der Feuersbrunst. Viele gehen ins Wasser. Fischer holen sie am Dienstagmorgen aus den Fluten und aus schwer zugänglichen Küstenabschnitten.

In Schweden begann unterdessen der Hilfseinsatz niedersächsischer Feuerwehrleute. Sie sollen ihre schwedischen Kollegen dabei unterstützen, die mehrere Hundert Feuer unter Kontrolle zu bekämpfen, die in den riesigen Wäldern lodern.

Autor

Jolf Schneider
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Veröffentlicht am:
24. 07. 2018
23:08 Uhr

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Jolf Schneider

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24. 07. 2018
23:08 Uhr



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