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Thüringen

Die Südthüringer sind nicht ganz so arg überschuldet

Die Menschen in Südthüringen halten ihr Geld offenbar besser zusammen als anderswo: Laut aktuellem Schuldneratlas liegt der Anteil derjenigen, die auf absehbare Zeit ihre Rechnungen nicht bezahlen können, unter dem bundesweiten Durchschnitt. Auch Thüringen insgesamt schneidet gut ab.



Erfurt/Düsseldorf - In ländlicheren Regionen wird offenbar sorgsamer mit dem Geld umgegangen als in den größeren Städten - auch in Südthüringen. Diese Erkenntnis liefert der aktuelle Schuldneratlas der Wirtschaftsauskunftei Creditreform, der am Donnerstag in Düsseldorf vorgestellt wurde. Während bundesweit die sogenannte Überschuldungsquote bei genau 10 Prozent liegt, rangieren die Kreise der Region darunter: der  Wartburgkreis bis 7,95 Prozent, der Kreis Sonneberg bei 8,83, der Kreis Hildburghausen bei 8,84, der Ilm-Kreis bei 9,04 und Schmalkalden-Meiningen bei 9,34 Prozent. Lediglich Suhl (11,19) und Eisenach (11,93 Prozent) weisen mehr überschuldete Privatleute auf als der Bundesdurchschnitt.   

In Thüringen insgesamt gelten den Daten zufolge rund 170 000 Privatleute als überschuldet – das seien etwa 3000 weniger als vor einem Jahr, so der Schuldneratlas. Das entspricht einem Anteil von 9,21 Prozent im Thüringen-Durchschnitt. Das ist der niedrigste Wert in Ostdeutschland und der drittbeste bundesweit hinter Bayern und Baden-Württemberg. Im deutschlandweiten Vergleich der Landkreise und kreisfreien Städte stechen Erfurt, Weimar und das Weimarer Land mit besonders starken Rückgängen bei der Überschuldung hervor. In den vergangenen 15 Jahren konnte das Weimarer Land 135 Plätze (Rang 197) gutmachen, Weimar 100 Plätze (Rang 283) und Erfurt 92 Plätze (Rang 298). Den geringsten Anteil an Schuldnern in Thüringen haben das Eichsfeld und die Stadt Jena.

Der am Donnerstag in Düsseldorf veröffentlichte Schuldneratlas weist vor allem einen deutlichen Anstieg der Altersarmut bundesweit aus, während die Gesamtzahl der Menschen in der Schuldenfalle erstmals seit mehreren Jahren leicht sank. Unter den rund 6,92 Millionen von Überschuldung Betroffenen seien immer mehr Ältere, so zum Beispiel 380 000 über-70-Jährige. Seit 2013 sei die Zahl der überschuldeten Senioren um fast das Zweieinhalbfache gestiegen.

Als Gründe für die wachsende Altersarmut gelten den Experten zufolge die Rentenreformen der vergangenen Jahrzehnte, bei denen fast durchweg das Sicherungsniveau der gesetzlichen Rente gesenkt wurde. Außerdem wirkten sich die wachsende Zahl unsteter Erwerbsbiografien und das Anwachsen des Niedriglohnsektors aus. Auch der zum Teil dramatische Anstieg der Mieten spiele eine Rolle, so die Experten.

Georg Eickel vom Paritätischen Wohlfahrtsverband in Nordrhein-Westfalen schlug ebenfalls Alarm. „Die Altersarmut nimmt seit 10 Jahren zu und wir befürchten, dass das Thema in zehn oder zwanzig Jahren die ganze Gesellschaft überrollen wird. Spätestens dann, wenn all die 40- oder 50-Jährigen ins Rentenalter kommen, die wir heute beraten, weil sie in der Langzeitarbeitslosenfalle oder in prekären Beschäftigungsverhältnissen mit niedrigen Einkommen stecken“, warnte er.

Auch regional zeigten sich deutliche Unterschiede: Die niedrigste Überschuldungsquote hat der Kreis Eichstätt in Bayern mit 3,98 Prozent, die höchste ist in der Liste mit 21,67 Prozent für Bremerhaven ausgewiesen. Auf den letzten 36 Plätzen der Creditreform-Liste finden sich ausschließlich kreisfreie Städte wie Mannheim, Essen, Kassel, Flensburg, Halle (Saale), Gelsenkirchen oder Wuppertal.

Creditreform spricht von Überschuldung, wenn ein Schuldner seine Zahlungsverpflichtungen mit hoher Wahrscheinlichkeit über einen längeren Zeitraum nicht begleichen kann. Das gelte ab mindestens zwei vergeblichen Mahnungen mehrerer Gläubiger.            jwe/dpa

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Veröffentlicht am:
15. 11. 2019
08:20 Uhr

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15. 11. 2019
08:20 Uhr



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