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Thüringen

Corona sorgt bislang nicht für mehr häusliche Gewalt

Befürchtungen, wegen der Corona-Pandemie könnten mehr Frauen und Kinder von häuslicher Gewalt betroffen sein, scheinen sich bislang nicht zu bestätigen. Laut Experten ist dies allerdings nur ein Zwischenfazit.



Ob die Pandemie zu mehr häuslicher Gewalt führt, steht noch nicht fest	. Foto: dpa
Ob die Pandemie zu mehr häuslicher Gewalt führt, steht noch nicht fest . Foto: dpa  

Für Frauen und Kinder stehen in Thüringen insgesamt 142 Plätze in Frauenhäusern bereit. Im Meininger Frauenhaus, das der Verein "Frauen helfen Frauen" betreibt, suchten bisher nicht mehr Frauen Schutz. "Das heißt aber nicht, dass dies auch nach der Pandemie so bleiben muss", erklärt Leiterin Heike Born. Beim Jugendamt des Wartburgkreises gingen zwölf Anzeigen wegen Kindeswohlgefährdung ein, erklärt die Pressestelle der Kreisverwaltung, genauso viele wie vor der Corona-Krise.

Viele Experten haben zu Beginn der Corona-Pandemie mehr Fälle häuslicher Gewalt befürchtet. Beim bundesweiten Notruftelefon, Gewalt gegen Frauen, gingen bisher 17,5 Prozent mehr Anrufe ein als im Vorjahr.

Ein anderes Bild zeigt sich beim Thüringer Sozialministerium. "Bei einer Bund-Länder-Telefonkonferenz am 30. April bestand Übereinstimmung darin, dass die befürchtete Zunahme häuslicher Gewalt bislang ausgeblieben oder zumindest aktuell nicht sichtbar ist", sagt Silke Fließ vom Thüringer Sozialministerium. Das Ministerium hatte zuvor eine Umfrage bei den zwölf Frauenhäusern durchgeführt. "Es gibt keinen signifikanten Anstieg von Zufluchtssuchenden oder bei den Beratungsanfragen. Dieses Ergebnis deckt sich mit den Zahlen der Polizei", so Fließ.

Für Heike Herold, Geschäftsführerin der Frauenhauskoordinierung Deutschland, ist dies allerdings kein Grund zur Entwarnung. Für ein genaues Bild sei es noch zu früh. Die Geschäftsführerin befürchtet, dass mehr Frauen von häuslicher Gewalt betroffen sind. "Die Erfahrungen aus anderen Ländern und Zahlen von telefonischen Beratungsangeboten lassen den Schluss bereits jetzt zu", sagt sie. Herold warnt, dass viele Fälle von häuslicher Gewalt erst nach Ende der Pandemie sichtbar werden.

Auch der Kinderschutzbund in Thüringen vermutet, dass die Zahl häuslicher Gewalt zunimmt. "Es gibt einen großen emotionalen Druck auf die Familien", sagt Kinderschutzbund-Geschäftsführer Carsten Nöthling. Er befürchtet, dass Betroffene aus Angst keine Anzeige bei der Polizei stellen. Wegen der Krise hätten nicht nur Kitas und Schulen, sondern auch Beratungsstellen und andere Hilfsangebote die Arbeit vorübergehend eingestellt. "Schulen und Kitas sind wichtig, weil dort häusliche Gewalt erkannt wird", stellt Nöthling fest.

Nöthling fordert, dass die Öffentlichkeit genau hinschaut. "Beispielsweise können Nachbarn eine Familie ansprechen, sich durchaus bei Beratungseinrichtungen oder dem Jugendamt Hilfe holen. Wenn jemand Ohren- oder Augenzeuge von häuslicher Gewalt wird, sollte dringend die Polizei verständigt werden. Spielplätze sind ein kostenfreies und wohnortnahes Freizeitangebot und sorgten bei Familien für mehr Ruhe.

Besonders telefonische und digitale Hilfsangebote werden in der Corona-Pandemie verstärkt genutzt. Mehr Anrufe erreichten beispielsweise die Telefonseelsorge. Im April zählte die Telefonseelsorgestelle in Erfurt 745 Anrufe. Durchaus spielte das Thema häusliche Gewalt dort nur eine Nebenrolle, wie die Leiterin Uta Milosevic erklärt. Allerdings stellt auch Milosevic fest, dass "sich Probleme durch Isolation und fehlende Hilfsangebote verstärken". Themen der Ratsuchenden seien Einsamkeit, Überforderung und Probleme bei der Kindererziehung.

Die Nummer gegen Kummer, die sich an Kinder und Eltern richtet, baut ihr Beratungsangebot wegen der Pandemie aus, wie Sprecherin Anna Zacharias sagte. Über 20 Prozent mehr Betroffene nutzten die telefonische Hilfe, online stieg die Zahl der Nutzer um mehr als 25 Prozent. Deutlich mehr Beratungen wegen häuslicher Gewalt verzeichnet die Hotline bislang nicht, allerdings würden sich mehr Personen wegen Spannungen innerhalb der Familie an die Hotline wenden, so Zacharias. Sie stellt fest, dass die Schließung von Kitas, Schulen und Freizeitangeboten zu mehr Problemen innerhalb der Familien führt.

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Matthias Braun
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Veröffentlicht am:
27. 05. 2020
07:30 Uhr

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Matthias Braun

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Veröffentlicht am:
27. 05. 2020
07:30 Uhr



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