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Thüringen

Altenfeld: Rechtsaufsicht prüft Vorwürfe gegen Jugendamt

Nach dem mutmaßlichen Doppelmord von Altenfeld befasst sich nun auch das Landesverwaltungsamt mit den Vorwürfen gegen das zuständige Jugendamt. Zudem will das Landesjugendamt Fortbildungen zum Thema Kinderschutz organisieren.



Die Betroffenheit in Altenfeld und im Ilm-Kreis reicht tief, bis heute. Kurz nach der Tat legten Nachbarn und Bekannte Blumen auf die Treppe zur Eingangstür des Tatortes. Die eine, große Frage indes ist nicht beantwortet.	Archiv-Foto: B-fritz.de.
Die Betroffenheit in Altenfeld und im Ilm-Kreis reicht tief, bis heute. Kurz nach der Tat legten Nachbarn und Bekannte Blumen auf die Treppe zur Eingangstür des Tatortes. Die eine, große Frage indes ist nicht beantwortet. Archiv-Foto: B-fritz.de.  

Weimar/Erfurt - Im Zusammenhang mit den Vorwürfen gegen das Jugendamt des Ilm-Kreises, dort seien Hinweise auf Kindeswohlgefährdung nicht ernst genug genommen worden, schaltet sich nun die für die Behörde zuständige Rechtsaufsicht ein. Die liegt beim Thüringer Landesverwaltungsamt in Weimar, das wiederum dem Innenministerium untersteht. Bislang sei das Landesverwaltungsamt zwar nicht mit diesen Vorhalten befasst gewesen, sagte ein Sprecher der Behörde unserer Zeitung. Nun allerdings wolle man sich mit dem Landesjugendamt fachlich abstimmen und "prüfen, ob und gegebenenfalls welche rechtsaufsichtlichen Maßnahmen gegenüber dem Landkreis angezeigt sind".

Das Landesjugendamt untersteht dem Bildungsministerium. Dort sitzen zwar Fachleute, die das Handeln der Mitarbeiter des Jugendamtes des Ilm-Kreises analysieren und bewerten können. Qua Gesetzeslage haben sie aber nach Angaben einer Sprecherin des Bildungsministeriums keinerlei aufsichtsrechtliche Instrumente, um bei etwaigen Fehlern in kommunalen Jugendämtern selbst aktiv werden zu können. Deshalb müssen in solchen Fällen das Landesverwaltungs- und das Landesjugendamt gemeinsam handeln. Zuletzt hieß es bereits, der Jugendhilfeausschuss des Kreistages werde sich in seiner nächsten Sitzung mit den Vorwürfen befassen.

Unsere Zeitung hatte berichtet, dass die Kritik am Jugendamt des Ilm-Kreises im Zusammenhang mit dem mutmaßlichen Doppelmord von Altenfeld im Sommer 2017 nicht abreißt. Zahlreiche Menschen, die immer wieder Kontakt mit diesem Jugendamt hatten, sagen, die Behörde habe auch im Umgang mit anderen Familien ganz ähnliche vermeintliche Fehler gemacht.

In Altenfeld hatte vor etwa einem Jahr ein Vater zwei seiner Kinder getötet. Sein drittes Kind verletzte er schwer. Zwei Tage vor der Tat hatte er seine Frau krankenhausreif geprügelt. Das Jugendamt sah trotz des Übergriffs auf die Mutter keine Notwendigkeit, sie von ihrem Vater zu trennen. Das Landgericht Erfurt verurteilte den Vater wegen der Taten zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe unter anderem wegen Mordes. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Mann hat die Taten vor Gericht aber gestanden.

Gleichzeitig erklärte die Sprecherin des Bildungsministeriums, auch unabhängig von aufsichtsrechtlichen Prüfungen werde man sich beim Landesjugendamt weiter mit dem Fall Altenfeld befassen. Nicht nur, dass sich das Landesjugendamt bereits mit den Vorwürfen beschäftigt habe, um eine Kleine Anfrage aus den Reihen der Abgeordneten des Landtages zu beantworten. Auch auf einer Kinderschutztagung im Oktober werde es um den Fall gehen. Diese Tagung werde unter der Überschrift "Kinderschutzfälle mit anschließend schwierigem Verlauf" stehen. "Darüber hinaus werden in der aktuellen Fortbildungsplanung des Landesjugendamtes weitere beziehungsweise vertiefende Angebote für Träger der öffentlichen Jugendhilfe sowie für freie Träger zur Verbesserung des Verfahrens bei dem Verdacht auf Kindeswohlgefährdung organisiert werden", so die Sprecherin.

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Sebastian Haak

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Veröffentlicht am:
13. 08. 2018
08:57 Uhr

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Sebastian Haak

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13. 08. 2018
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