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Thüringer helfen

Ein Glocken-Oldie sucht seine Retter

Die letzte von einem Hildburghäuser Glockengießer gegossene Glocke soll im Museum einen Ehrenplatz erhalten. Dafür gibt es Hilfe aus der Bürgerschaft - mit einer Spendenaktion.



Die Glocke trägt deutlich sichtbar die Inschrift "Hilperhausen" - eine alte Schreibweise für Hildburghausen. Die Glocke wurde im Jahr 1565 von Christoph Heyder in der Stadt an der Werra gegossen.
Die Glocke trägt deutlich sichtbar die Inschrift "Hilperhausen" - eine alte Schreibweise für Hildburghausen. Die Glocke wurde im Jahr 1565 von Christoph Heyder in der Stadt an der Werra gegossen.   » zu den Bildern

Noch hängt die Glocke im Turm des Gemeindehauses Albingshausen, einem winzigen Ortsteil von Hellingen ganz im Süden des Landkreises Hildburghausen an der Grenze zu Bayern.

Info

Für den Rückkauf der letzten in Hildburghausen gegossenen Glocke hat die Stadt Hildburghausen ein Spendenkonto eingerichtet. Insgesamt werden rund 6000 Euro benötigt, um die Glocke von der Gemeinde Hellingen abzukaufen.

Wer einen Beitrag - egal in welcher Höhe - dazu leisten möchte, kann dies unter dem Stichwort "Glocke" n tun. Der finanzielle Aufwand lässt sich mithilfe des Finanzamtes minimieren: Es werden Spendenquittungen ausgegeben.

Im Stadtmuseum Hildburghausen und in der Touristinformation sind Spendenboxen aufgestellt.

Spendenkonto: IBAN DE10 8405

4040 1100 0056 64.

 

Was lange währt, wird endlich gut - hoffentlich! Immerhin ist es ein Jahr her, als ein Treffen zwischen Vertretern der Gemeinde Hellingen und der Stadt Hildburghausen vor Ort stattfand. Vereinbart wurde, dass die Stadt Hildburghausen die Glocke zurückkauft und das Gemeindehaus in Albingshausen dafür eine neue Glocke erhält.

 

Die neue Glocke nebst Demontage und Montage hatte die Gemeinde Hellingen ausgeschrieben. Drei Firmen hatten Angebote eingereicht. Man entschied sich für das günstigste Angebot. Die Firma Turmuhren und Glocken Willing aus Gräfenhain bei Ohrdruf soll sowohl die Hildburghäuser Glocke abhängen und eine neue Glocke gießen.

Die "Neue" wird 60 Kilogramm wiegen, einen Durchmesser von etwa 450 Millimeter haben und die Inschrift "Albingshausen - Anno 2018, Heimatverein Albingshausen" tragen. Das ganze Unterfangen kostet 6000 Euro.

Mehr als 450 Jahre alt

Schon vor rund 20 Jahren hatte der inzwischen verstorbene Glockenforscher Werner Scholz aus Wasungen, der beste Kenner aller Südthüringer Glocken, den Leiter des Stadtmuseums und Heimatforscher Michael Römhild darauf hingewiesen, dass in Albingshausen noch eine Glocke eines Hildburghäuser Glockengießers hängt. Diese Glocke war von einem Christoph Heyder im Jahr 1565 als Schlagglocke gegossen worden. Es handelt sich möglicherweise nicht nur um die letzte verbliebene Glocke aus Hildburghausen, sondern aus ganz Südthüringen.

Ein Paul Heyder, wahrscheinlich der Vater dieses Christoph, hatte 1514 für das Rathaus Hildburghausen eine Glocke gefertigt. Diese ist jedoch leider ein Opfer der Glockeneinschmelzungen im Zweiten Weltkrieg geworden.

Die Glocke in Albingshausen ist nur etwas jünger. Das kleine Dorf mit gerade einmal 100 Einwohnern ist für seine denkmalgeschützten fränkischen Fachwerkhäuser bekannt - und dafür, dass hier im Jahr 1859 der bis vor Kurzem letzte Wolf auf dem Gebiet des heutigen Thüringens abgeschossen worden war.

Glockenexperte Scholz hatte vorgeschlagen, doch zu probieren, die Albingshäuser Glocke, die wegen eines Sprungs nicht mehr geläutet werden darf, ins Museum zu holen und der Gemeinde dafür eine andere zu beschaffen.

Die Landes-Denkmalschutzbehörde in Erfurt hat auf Anfrage diesen Glockentausch befürwortet, da dabei beide Seiten gewinnen würden. Die wertvolle Glocke mit der Aufschrift "Hilperhausen" ist dann endlich auch sichtbar (sie soll im Stadtmuseum natürlich ausgestellt werden), und das Dorf Albingshausen kann trotzdem wieder läuten.

Sicher wird nach der Rückführung der Glocke ins Hildburghäuser Stadtmuseum erst eine Restaurierung notwendig sein, deren Umfang aber erst nach genauer Sichtung der Glocke festgelegt werden kann.

Jeder Euro zählt

So oder so muss erst einmal Geld aufgetrieben werden. Das Hildburghäuser Stadtmuseum hat offiziell eine Spendenaktion für die Heimkehr der Glocke ins Leben gerufen. Die Hoffnung der Museumsleute: Nicht nur Hildburghäuser, sondern auch andere an der Südthüringer Geschichte interessierte Bürger mögen mit ihrer Spende dazu beitragen, dass die 1565 gegossene Glocke für das Stadtmuseum erworben werden kann.

Eigentlich ist die Rechnung einfach: Schon wenn jeder Hildburghäuser nur einen Euro spendet, kann das Unternehmen "Glocke" geschafft werden. In der Hildburghäuser Touristinformation und im Stadtmuseum am Marktplatz sind Spendenbüchsen aufgestellt. Natürlich kann auch auf das Spendenkonto eingezahlt werden. Spendenquittungen gibt es auf Wunsch auch.

Hildburghausens Bürgermeister Holger Obst (CDU) unterstützt die Spendensammlung und sagt: "Wenn das klappt, wäre es eine super Aktion. Natürlich werde auch ich einen finanziellen Beitrag leisten."

Zünftiges Glockenfest

Wenn die Glocke ihren Heimweg antritt und in Hildburghausen angekommen ist, wird soll ein zünftiges Glockenfest im Innenhof des Stadtmuseums gefeiert werden. Dann kann die letzte Hildburghäuser Glocke auch der Öffentlichkeit präsentiert werden. Die Initiatoren setzen darauf, dass dieses Fest mit historischer Bedeutung im Frühjahr 2019 stattfinden könnte.

Weiterführende Informationen zur Bedeutung von Glocken für die Kultur Europas findet man auf einer speziellen Internetseite der Evangelischen Kirche Deutschlands.

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www.glocken-online.de

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Gabi Bertram
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Veröffentlicht am:
06. 09. 2018
14:39 Uhr

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06. 09. 2018
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