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Thüringer helfen

"Der packt's. Wenn wir ihm helfen"

Nach unglaublichem Pech bei einer Bruch-Behandlung kommt Thomas Scheler wieder auf die Beine - mit vereinten Kräften von Ärzten, Lesern und der Willenskraft des Handwerkers aus dem Sonneberger Land.



"Jetzt wird's spannend", sagt Thomas Scheler, als ihm Schwester Barbara Weidl die Fäden zieht. Professor Suckel (Mitte) macht ihm Mut: Die zerbröckelten Beinknochen können entfernt, ein künstliches Knie kann eingesetzt werden.	Foto: uhu
"Jetzt wird's spannend", sagt Thomas Scheler, als ihm Schwester Barbara Weidl die Fäden zieht. Professor Suckel (Mitte) macht ihm Mut: Die zerbröckelten Beinknochen können entfernt, ein künstliches Knie kann eingesetzt werden. Foto: uhu   » zu den Bildern

Neustadt bei Coburg - Dieser neblige Dauerregentag am ersten Mittwoch des neuen Jahres: Er ist eigentlich so gar nicht dafür geschaffen, bei Thomas Scheler ein ganz, ganz vorsichtiges optimistisches Lächeln hervorzurufen. Aber für den selbstständigen Handwerker aus Mengersgereuth-Hämmern bei Sonneberg beginnt 2018 tatsächlich mit einem Lichtblick.

Bei einem Arbeitsunfall im Mai hatte er sich Knie und Oberschenkel gebrochen, was schwerste Komplikationen nach sich zog. Seitdem hat Scheler keinerlei Einnahmen mehr. Aber laufende Kosten für seinen Ein-Mann-Betrieb. Längst hat er bereut, dass er nie eine - von ihm für unerschwinglich gehaltene - freiwillige berufsgenossenschaftliche Krankenversicherung abgeschlossen hatte.

Verzweiflung überlagerte da aber längst seine endlosen Schmerzen im mehrfach gebrochenen und vor allem gefährlich infizierten rechten Bein. Verzweiflung, die man bei dem stets tatkräftigen und gefragten Handwerker so nie erwartet hatte. Doch dann, so erzählt er nun im neuen Jahr, sei "kurz vor Weihnachten, die breite südthüringische Lesersolidarität meiner Zeitung spürbar" geworden.

Kurz darauf, am Vorweihnachtstag im Regiomed-Klinikum Neustadt bei Coburg dann die buchstäblich tiefgreifende, alles entscheidende Operation: Sämtliches seit Monaten infizierte, buchstäblich vor Schmerzen glühende, teilweise abgestorbene Gewebe in den andernorts zuvor mehrfach operierten Bruchstellen wurden entfernt.

"Gesundes Neues"

Und nun? So wie Thomas Scheler heute, gleich am dritten Tag des neuen Jahres die Klinik-Ambulanz in Neustadt betritt, sieht man ihm seine hohen Erwartungen an. Vor allem der oft zu hörende Wunsch "Gesundes Neues!" könnte ab heute Konturen annehmen.

Mit Hilfe seiner Frau Petra und auf Krücken gestützt betritt Thomas das Klinikum, wird von Oberschwester Barbara Weid fast schon wie ein alter Bekannter begrüßt. Als die den endlosen Verband entfernt, sagt Thomas: "Da kann ich nach meiner monatelangen schmerzenden Therapie seit diesem Unfall am 30. Mai nur millionenfach Dank sagen!" Dafür, dass er "hier endlich bei Dr. med. Professor Andreas Suckel und seinem OP- sowie Ambulanzteam in so gute Hände gekommen" sei. Und dass "mir die Leser der Heimatzeitung mit ihrer Unterstützung so viel Mut machen", sagt Thomas.

Seine plötzlich feuchten Augen kommen dabei nicht vom leichten Zwicken, als die Schwester nun Schere und Pinzette ansetzt. Heute ist Fäden-Ziehen angesagt. Aus rund 40 Stichen mehrerer fußlanger Narben seines rechten Beins. Die Stunde der Wahrheit.

Ein wenig auch so, als wenn Thomas früher einen frisch gefliesten und verfugten Badezimmerboden oder einen großflächig aufgetragenen Wunschfarbton eines Kunden am Tag nach dem Durchtrocknen begutachtet. Ein wenig.

"Spannender Moment jetzt", sagt der Patient. Mit Nachsorgebehandlungen hat er Erfahrung - aus offenbar nicht so gelungenen Operationen im Vorjahr. "Da schoss schon beim Entfernen der OP-Klammern Eiter und Wundsekret aus meinem Bein - es war durch Keime infiziert".

So erinnert sich der Thüringer an diesem bayerischen, eigentlich so trist-grauen Vormittag. Dann kommt, wie Thomas Scheler ihn nennt, "mein Professor" rein, betrachtet die sichtlich gut verheilten Wundränder der Weihnachtsoperation, vergleicht CT-Bilder aus vielen Positionen. Sozusagen eine Vorher-nachher-Schau in Auswertung der jüngsten OP.

Die Großbaustelle an Thomas Schelers Knie ist übersichtlich geworden: Hier massenhaft tote Knochenteile und abgestorbenes Gewebe ausgegraben , die lange "zusätzliche Bruchstelle vom Oberschenkel bis hinunter ins Knie saniert , da die zerbröckelten Gelenkflächen reduziert und als Abstandshalter Knochenzement rein", beschreibt es der Arzt.

Nun wartet er, dass man ganz sicher sein kann, dass der Infekt, der sich so verheerend auf den Knochen ausgewirkt hat, endlich ausgeheilt ist. Und dann?"Künstliches Kniegelenk, Endoprothetik", sagt Andreas Suckel.

Dass mit ihm vor anderthalb Jahren ein ausgewiesener Experte auf die Sonnebergisch-Coburgische Provinz gekommen war, wusste auch Neustadts Oberbürgermeister Frank Rebhan. Er nennt Suckel "einen, der hier noch viel vor hat".

OB Rebhan sah dies unter dem Aspekt, hier eine Zentralisierung für Unfallchirurgie, wohnortnahe Versorgung auch für Patienten mit Rücken- und Schulterschmerzen bis hin zur modernen Endoprothetik wachsen zu sehen. Rebhan bot Suckel damals an: "Also, wenn ich Ihnen mal irgendwie Unterstützung geben kann, rechnen Sie bitte mit mir."

Als der Mediziner im vergangene Jahr 2017 Thomas Scheler nicht nur als extrem komplexen medizinischen, sondern auch sozialen Fall diagnostiziert und sein Schicksal kennen gelernt hatte, kam er auf Rebhans Angebot dankend zurück.

Keine Floskel mehr

Seine Frage, "was wir vielleicht - eben auch nicht nur rein medizinisch - zusammen mit meinem Amtskollegen aus dem Nachbarort Frankenblick, Jürgen Köpper, für den verzweifelten Mann aus Meng-Hämm tun könnten", war da schon keine Floskel mehr. Sie wurde zur Initialzündung fürs Engagement von "Freies Wort hilft". Und so erklärte das Hilfswerk alles - zufällig zum Zeitpunkt der kurz vor Weihnachten pressierenden OP - auch zur Weihnachts-Hilfsaktion 2017 dieser Zeitung.

Viel erlebt hat der Mediziner Andreas Suckel während seiner zehn Jahre an der Uni-Klinik Tübingen und deren Akademischen Lehrkrankenhaus, dem Katharinenhospital in Stuttgart. "Katastrophen- und Komplikationschirurgie und Unfälle mit schlimmen komplexen Verletzungen waren mir ja wirklich lange vertraut", sagt Suckel. Er legt seine Hand dezent auf Schelers linke Schulter, der mit dem Kopf nickt und immer noch sein nicht mehr eiterndes, langsam abschwellendes Bein auf der Behandlungsliege bewundert. Uns sagt in Richtung seines Patienten: "Aber so geballt, wie Sie Komplikationen einer vergleichsweise harmlosen Fraktur eingesammelt haben. Unglaublich!"

Wichtige Überbrückung

Langsam abschwellend sind auch die wirtschaftlichen Existenzsorgen des Handwerkers, der ja seit dem Unfall ohne jegliche Einnahmen dasteht. Allen voran haben die Leser dieser Zeitung spontane und großzügige Solidarität gezeigt: Mehr als 8000 Spenden-Euro sind über den Jahreswechsel eingegangen. Der Hilfsverein kann zu den als Soforthilfe gezahlten 3000 Euro weitere 6000 obendrauf legen.

Der engagierten Intervention des Frankenblick-Bürgermeisters Jürgen Köpper ist es zudem zu verdanken, dass die Kreissparkasse Sonneberg dem vom Pech verfolgen Handwerker nun auch noch einen Überbrückungskredit in Aussicht stellt.

Darlehen und Spenden sollen demnächst dazu beitragen, dass Thomas Schelers Existenzgrundlage nicht doch noch infolge des langen Krankheits-Ausfalls vernichtet wird. Es drohte nämlich sonst die Privatinsolvenz angesichts der absehbar niederschmetternden Jahresabschlussrechnung des Minibetriebes samt Steuererklärung, laufenden Kosten- und Ratenbelastungen. Nun hat Thomas Scheler wieder etwas Luft zum Atmen.

Das alles entscheidende, wörtlich zu nehmende Steh- und Gehvermögen des gefragten Handwerkers wird nun hoffentlich bald Fortschritte machen, sagt der Mediziner.

Froh sind auch die Bürgermeister der Nachbarorte Frankenblick und Neustadt. "Fleißige Leutchen wie Thomas - die sind unser Mittelstand, unser Rückgrat in der hiesigen Wirtschaft", betont Jürgen Köpper für seine 6200-Einwohner-Gemeinde Frankenblick. Mengersgereuth-Hämmern ist einer von neun Ortsteilen.

Der Mediziner: "So viel Pech dieses armen Mannes! Nach seiner Knieverletzung und Behandlungs-Odyssee durch mehrere Kliniken unverschuldet über Monate zum Nichtstun verdammt. Aber nun sollte Herr Scheler wieder nach vorn schauen können", sagt Andreas Suckel und begründet denn auch gleich seinen Optimismus: "Einer, der so sehr auf baldige Genesung und Arbeitsfähigkeit drängt. Einer, der sich mit einem solch zerstörten Bein sogar schon wieder leichte Arbeiten zutraute - der packt's. Wenn wir ihm helfen."

Autor

Klaus-Ulrich Hubert
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
12. 01. 2018
00:00 Uhr

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Klaus-Ulrich Hubert

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12. 01. 2018
00:00 Uhr



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