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Robin Hood gespielt: Krimineller Verwalter verschenkt Nachlässe

Ein Nachlassverwalter veruntreute 350 000 Euro im Raum Sonneberg, Coburg und Haßfurt. Unter anderem beschenkte er damit vermeintlich arme Menschen. Nun wurde er verurteilt.



Coburg/Sonneberg - Trotz eines hohen Schadens von über 350 000 Euro ist ein Betreuer und Nachlassverwalter, der unter anderem wegen Veruntreuung von Geldern vor Gericht stand, mit einer Bewährungsstrafe davongekommen.

Der Mann aus dem Landkreis Coburg war als ehrenamtlicher Betreuer und Nachlassverwalter im Raum Coburg, Sonneberg und Haßfurt eingesetzt. In dieser Funktion hob der Mann von 2011 bis 2015 hohe Summen von den Konten seiner Klienten ab, buchte Geld um, verteilte es oder kaufte damit Medikamente oder sogar Kuchen für ärmere Menschen.

Rechtsanwalt Jens Petzold führte in seinem Plädoyer noch einmal die besondere Situation vor Augen. Demnach konnte der Beschuldigte die soziale Ungerechtigkeit nicht ertragen. "Er konnte nicht sehen, dass die Reichen besser behandelt werden als die Armen. Er konnte nicht anders handeln." Petzold betonte, dass sein Mandant den größten Teil des Geldes nicht für sich, sondern für andere verwendet habe. Der Beschuldigte hingegen habe sehr spartanisch gelebt.

Das Motiv, so der Vorsitzende Richter Ingo Knecht-Günther, lasse sich nicht vollständig klären. Aber: "Für das Gericht ist es irrelevant, ob es nun Robin-Hood-Gelder waren oder ob es auf sein Konto geflossen ist." So sah das Gericht den Tatbestand der Untreue in 315 Fällen gegeben, in zwei Fällen ging das Gericht von Betrug aus. Die Kammer stützte sich bei der Strafbemessung auf das Gutachten des Psychiaters Christoph Mattern. Demnach ist der Mann an einem hirnorganischen Leiden erkrankt und deshalb nur eingeschränkt schuldfähig. Von einem sogenannten Helfersyndrom war die Rede gewesen.

Nach Ausführungen von Richter Knecht-Günther war der Beschuldigte lange Zeit überfordert. Er habe trotz schwerer Erkrankung auch weiterhin schwierige Fälle angenommen. Die Verwaltung und Buchführung habe er unbürokratisch abgewickelt. Er habe Geld umgebucht, abgehoben, alles in einen Topf geworfen und für sich verwendet und verteilt. Den Verbleib der hohen Summen konnte die Kammer letztendlich aber nicht klären. "Wir wissen nicht, was mit dem Geld passiert ist", so Richter Ingo Knecht-Günther.

Die Kammer verurteilte den Mann schließlich zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren, die zu drei Jahren auf Bewährung ausgesetzt ist. Außerdem muss der Beschuldigte 120 Stunden an gemeinnütziger Arbeit leisten.

Betreuungen und Nachlassverwaltungen darf er künftig nicht mehr übernehmen. Außerdem wurde die Einziehung von Wertersatz in der Höhe des Schadens angeordnet.

Autor

Gabi Arnold
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Veröffentlicht am:
11. 01. 2019
00:00 Uhr

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11. 01. 2019
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