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Sonneberg/Neuhaus

Der Lulatsch aus Lauscha: Vor Armut schützt nur Reichtum

Jonas Greier witzelt wie ein Comedian und beißt zu wie ein Kabarettist. Im Coburger Jugendzentrum stellte der Lulatsch aus Lauscha sich erstmals "In voller Länge" vor. Die Premiere in Lauscha folgt.



Herz und Hirn am rechten Fleck: Jonas Greiner. Foto: Ungelenk
Herz und Hirn am rechten Fleck: Jonas Greiner. Foto: Ungelenk  

Coburg - Natürlich spielt er Basketball. "Ich bin der Torwart" erklärt Jonas Greiner trocken. Mit Zweimetersieben ist er blöde Fragen gewohnt - und hat die passenden Antworten parat. Wer sich ganz originell nach der "Luft da oben" erkundigt, kriegt zu hören: "Es stinkt nach Zwergen", erfährt aber auch von den Vorzügen der Überlänge: "Man kann aus der Dachrinne saufen".

Premiere in Lauscha

In Coburg hat sich Jonas Greiner warmgelaufen. Die offizielle Premiere seines Programms ist am Samstag, 19. Oktober, im Kulturhaus Lauscha. Einlass ist ab 19 Uhr. Achtung: Die Premiere in Lauscha ist bereits ausverkauft. Die nächsten Jonas-Greiner-Auftritte können dafür ohne Ticketlimit im Fernsehen verfolgt werden:

Auftritt auf dem "Riverboat" im MDR-Fernsehen am Freitag, 1. November, 22 Uhr.

"Olafs Klub", Mittwoch, 13. November, 23.35 Uhr, MDR-Fernsehen.

Samstag, 7. März 2020, CCS Saal Simson, Suhl.

 

Weil die Natur ihm nicht nur einen langen Leib mitgegeben hat, sondern auch einen hellen Geist, ein flottes Mundwerk und ein offenes Wesen, geht der Lulatsch aus Lauscha in die Offensive und vermarktet sich keck als "größter Kabarettist Deutschlands". Mit Häppchen seines Humors hat er das Stammpublikum von "Quatsch & Co im Domino" schon mehrfach als "Vorband" angefüttert, recht groß ist folglich die Neugierde auf das erste abendfüllende Programm des Newcomers, der schon überregional gut unterwegs ist und - wie er ganz diskret einflicht - auch schon TV-Erfahrung gesammelt hat.

 

Ein Publikum zehn Minuten lang zum Lachen zu bringen, ist eine Sache, es für die Dauer eines Fußballspiels bei Laune zu halten, eine andere: Vorsichtshalber testet Jonas sein Debüt "In voller Länge" vor der Weltpremiere am ....in Lauscha ("das Matchu Picchu des Thüringer Waldes") darum in sicherer Distanz auf der Coburger Bühne. Durchaus erfolgreich, wie der heftige Schlussapplaus am Freitagabend im Jugendzentrum beweist. Für Szenenapplaus bleibt kaum die Zeit, denn der Junge gibt Gas.

Hohe Pointenfrequenz

Als Hybridkomiker zwischen Comedy und Kabarett zieht er rasant durch, was er Stand-Up-Kabarett nennt: Einen kühnen Mix aus Scherz und Satire, Kalauer und Gesellschaftskritik mit hoher Pointenfrequenz und sportlichem Tempo. Nicht jeder Gag zündet, mancher Joke wirkt noch ein wenig bemüht, das Ganze etwas überladen. Aber der 22-Jährige beweist mit seiner Sprachkraft und seiner souveränen Performance, dass er gut daran getan hat, den Empfehlungen der Berufsberatung zu widerstehen und sein Glück auf der Bühne zu suchen.

Zum Warm-up kokettiert Jonas mit seiner überragenden Erscheinung und seiner Herkunft aus der Provinz, die besser sei als ihr Ruf: "Die Jugendlichen fühlen sich wohl in Thüringen. Alle vier!". Was auch an den Lebenshaltungskosten liegen dürfte: "Der Erfurter Mietpreisspiegel bringt Münchner Studenten zum Weinen." Über ein munteres Bundesländer-Bashing ("Brandenburg ist so spannend wie eine Reiswaffel") arbeitet sich der Kabarettist auf Bundesebene vor und blickt herab auf ein überreguliertes Land, in dem selbst Panzer Nummernschilder tragen und die Höchstgeschwindigkeit von Kassenbändern gesetzlich genormt ist. Überaus alltagsrelevant und beruhigend findet er auch seinen Lieblingsparagrafen 307 im Strafgesetzbuch, der das Herbeiführen von Explosionen durch Kernenergie untersagt.

Je später der Abend, desto politischer die Pointen: Zur sozialen Gerechtigkeit in Deutschland merkt er an "vor Armut schützt nicht Arbeit, sondern nur Reichtum", Kohls Versprechen blühender Landschaften sieht er erfüllt ("im Osten ist jedes dritte Haus eine blühende Landschaft"), und der AfD bescheinigt er, die weltoffene Atmosphäre im Sommermärchen-Deutschland zerstört zu haben und Hass und Misstrauen zu säen: "Das sind die Leute, die dafür gesorgt haben, dass wir uns im Biergarten nicht mehr in die Augen schauen."

Spürbar in seinem Element ist der 22-Jährige, wenn er auf das Bildungssystem eines Landes zu sprechen kommt, in dem ein Berliner Abitur kaum dem Bayerischen Grundschulabschluss entspricht, Menschen mit Hochschulreife Mussolini für ein italienisches Dessert halten und die neuen Dichter und Denker Mario Barth und Pietro Lombardi heißen. "Nicht Schulen sind die Paläste dieser Gesellschaft, sondern Banken, die auf die Armut in der Welt spekulieren", klagt Greiner an.

Schmelzende Polkappen

Und er schaut in die Zukunft, ins Jahr 2090, in dem er den ahnungslosen jungen Leuten vorhalten wird: "Wir haben noch die Polkappen geschmolzen. Ihr wisst ja gar nicht mehr, was das ist!"

Vom Zynismus ist Jonas Greiner aber noch weit entfernt. Er weiß, dass "wir auf einem Berg aus Wohlstand sitzen, während die ganze Welt zerbricht". Aber er hat die Hoffnung nicht aufgegeben, dass die Menschheit die Kurve kriegt, wenn sie nur lernt, zusammenzuhalten.

Und so schlüpft er am Ende des Abend aus der Comedianrolle und beschwört sein Publikum, die Chancen zu sehen und zu erkennen, dass der Einzelne nichts ausrichten kann - "aber dass wir zusammen alles können".

Autor

Dieter Ungelenk
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
13. 10. 2019
15:48 Uhr

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Autor

Dieter Ungelenk

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Veröffentlicht am:
13. 10. 2019
15:48 Uhr



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