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Sonneberg/Neuhaus

Das tägliche Fitnessstudio kommt mit der frühen Arbeit daher

Allein im Landkreis Sonneberg sind 240 Männer und Frauen jeden Alters unterwegs, um im Dienst der Suhler Verlagsgesellschaft Freies Wort und Wochenspiegel zuzustellen. Der 4. September ist ihr Ehrentag.



Ute Wöhner versorgt die Neufanger täglich mit druckfrischen Neuigkeiten. Sie trägt Freies Wort in Sonnebergs höchstgelegenem Stadtteil aus. F.: chz
Ute Wöhner versorgt die Neufanger täglich mit druckfrischen Neuigkeiten. Sie trägt Freies Wort in Sonnebergs höchstgelegenem Stadtteil aus. F.: chz  

Sonneberg - "Im Sommer kann das natürlich jeder machen, im Herbst und Frühjahr fast jeder. Aber im Winter? Da würden die meisten die Segel streichen", sagt Ute Wöhner mit einem breiten Schmunzeln im Gesicht. Seit drei Jahren dreht sie nun als Zustellerin in Diensten von Freies Wort die nächtliche Runde. Ihr Wirkungskreis ist der Sonneberger Ortsteil Neufang, wobei die Tour bis weit hinunter in die Alte Neufanger Straße bis auf Höhe der Stadtkirche reicht. Kurz nach vier Uhr macht sich die 56-Jährige auf den Weg, exakt 10,8 Kilometer sind mal unter die Räder ihres Autos, mal unter die Füße zu nehmen. Abgeschaut hat sich Wöhner den Job bei ihrem Mann, der schon eine ganze Weile Werbung austrägt, Prospekte und ab und an die neuen Telefonbücher - "die ganz dicken Schwarten halt".

Bei jedem Wetter und immer unter Zeitdruck

Fast 2000 Zustellerinnen und Zusteller sind in Südthüringen Tag für Tag frühmorgens unterwegs, um die Zeitung in die Briefkästen zu liefern - bei jedem Wetter und immer unter Zeitdruck. Schließlich sollen Ereignisse vom späten Abend noch in die Zeitung vom nächsten Morgen, muss das Blatt technisch hergestellt und gedruckt und schließlich in die Region gefahren werden, wo der Zusteller seine Zeitungen in Empfang nimmt. Ein ausgeklügeltes und präzise geplantes System, in dem viele Räder ineinandergreifen, damit, unter Einschluss von Wochenblättern, Briefen uns Prospekten weit mehr als 110 Millionen Stücke pro Jahr ihren Weg zum Kunden finden.

Heute ist Tag der Zusteller - eine Tätigkeit mit Tradition: Vor 184 Jahren hatte ein Zehnjähriger eine zündende Idee, die ihn bis heute unvergessen macht: Barney Flaherty, irischer Immigrant in den USA, wollte nicht nur zur Schule gehen. Er wollte auch eigenes Geld verdienen. So antwortete der Junge im September 1833 ganz frech auf eine Anzeige der New York Sun, mit der Herausgeber Benjamin Day eigentlich Arbeitslose suchte, die seine Zeitung an den Mann bringen sollten. Schuljunge Barney bekam den Job - und wurde zum ersten Zusteller weltweit. Jedes Jahr wird ihm und allen anderen Austrägern zu Ehren am 4. September der Tag des Zustellers gefeiert.

 

Der Nachtarbeit hat sie seither die Treue gehalten. Und das, obwohl gerade diese Arbeit ihre ganz besonderen Herausforderungen hat. Nicht nur Aufsteh-Vermögen braucht‘s zu früher Stunde, sondern auch Kondition, vor allem in den Beinen. Schließlich wollen all die Bergstraßen in Sonnebergs höchstgelegenem Ortsteil erklommen sein. Normalerweise benötige sie zwei Stunden, bis alle Tageszeitungen im Briefkasten versenkt sind. Nur im Winter, da läuft‘s anders, dauere das Zustellen mal gerne seine drei Stunden.

 

Ein schmerzhafter Fehltritt ist ihre bisher erspart geblieben auf ihren Wegen: "Keine Unfälle - aber dass es einen bei Glatteis auf den Hintern setzt, das ist mir auch schon passiert." Ohne festes Schuhwerk geht daher gar nichts, "die Eis-Spikes sind immer mit an Bord". Als Neufanger wisse man ja, mit welchem Wetter man es vor der Haustür zu tun hat, "da kann man sich drauf einstellen".

So kommt es regelmäßig vor, dass Wöhner frühmorgens durch den knöcheltiefen Schnee zu stapfen hat, die steilen Straßen und Gässchen abgeklappert hat, "und wenn ich dann heimlaufe, fährt mir der Schneepflugfahrer entgegen und grüßt recht freundlich. Der fängt immer erst mit dem ‚Schippen‘ an, wenn ich schon fertig bin". Begegnungen gehören bei Wöhner zur Arbeitsplatzbeschreibung ansonsten dazu. Da kommt’s vor, dass die Leute in der Haustür stehen und sich freuen, wenn die Zeitung passgenau so geliefert wird, dass sie gleich mit auf die Arbeit genommen werden kann. Und zur Weihnachtszeit vergoldet der eine oder andere freundliche Leser sein Dankeschön für die täglich verlässliche Belieferung mit Neuigkeiten mit einem Päckchen Kaffee. Mit der Besatzung des Bäckerei-Autos wird noch geflachst, wer nun eigentlich der frühere Vogel ist. Den Stich macht Wöhner - mit dem munteren Satz, dass sie ihr persönliches Fitnessstudio zur Arbeit gleich mit absolviert hat. Wer kann da noch mithalten - bei 10,8 Kilometern

Dann gibt’s da natürlich ebenso die stillen Momente zum Genießen. Wenn das letzte Freie Wort verteilt ist, nimmt sich Ute Wöhner gerne ein Minütchen Zeit, ein wenig in die Natur hineinzuhorchen. Die Vögel beginnen zu zwitschern, der Morgen graut, das prächtige Landschaftspanorama, das sich von Neufang aus hinüber zum Mupperg darbietet, entfaltet seine Reize. "Einfach schön. Diese Stille im Ort. Da denke ich mir manchmal, dass diese Arbeit ihre Freiheiten hat. Wer in einem Industriebetrieb zur Frühschicht muss, der bekommt das alles so jedenfalls nicht jeden morgen zu sehen." anb

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Veröffentlicht am:
03. 09. 2019
15:46 Uhr

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Veröffentlicht am:
03. 09. 2019
15:46 Uhr



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