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Schmalkalden

Vom Gefühl, etwas Gutes zu tun

Höschen, Mützchen, Söckchen, Oberteile und Strampelsäcke im S-Format wurden im Familienzentrum genäht - für die 15 Damen war das eine "Herzenssache".



Gehen voll in ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit auf: Carmen Gutberlet aus Borken, Simone Huhn aus Schnellbach und Nicole Graichen aus Waldenburg bei Zwickau (von links). Foto: Annett Recknagel
Gehen voll in ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit auf: Carmen Gutberlet aus Borken, Simone Huhn aus Schnellbach und Nicole Graichen aus Waldenburg bei Zwickau (von links). Foto: Annett Recknagel  

Schmalkalden - Nähmaschine reiht sich an Nähmaschine. Die Motoren surren. Auf den Tischen liegen Garne und Nadeln. Kartons mit Tüten voller bunter Stoffe stehen bereit. Auf den ersten Blick scheint das ein ganz normaler Nähworkshop zu sein. Schaut man genauer hin, sieht man, dass die Höschen und Jüppchen Puppenformat haben. Denn hier wird für die ganz Kleinen genäht.

Der einladende Verein nennt sich "Herzenssache - Nähen für Sternchen und Frühchen e. V.". Seinen Sitz hat er in Berlin. Aus der Taufe gehoben wurde er von Muttis, die Gutes tun möchten. Bevor man sich die Gemeinnützigkeit bescheinigen ließ, nähten die jungen Frauen natürlich auch schon. "Als Gruppe haben wir im Juni 2015 begonnen", berichtet Simone Huhn aus Schnellbach, die via Facebook zur Herzenssache fand. Über die Geburt ihres Sohnes Raphael vor zwei Jahren war sie so glücklich und dankbar, dass sie einen Teil davon jetzt an Muttis weitergeben will, die es mit dem Nachwuchs nicht ganz so einfach haben. "Ich habe ein gesundes Kind, doch sieht man die Schicksale von anderen Müttern, wird einem das erst so richtig bewusst und gerade deshalb erfüllt mich diese Arbeit, weil man etwas vom eigenen Glück weitergeben kann", sagt die junge Frau.

Genäht hat sie schon immer gern. Und so war es ihr eine Herzenssache, einen Nähtreff in Schmalkalden zu organisieren. Das Familienzentrum bot sich an - 15 Frauen sagten zu. Die weiteste Anreise hatte eine Frau aus Karlsruhe. Aus Waldenburg bei Zwickau kam Nicole Graichen, mehr als zwei Stunden war sie unterwegs. Sie ist noch keine Mutti, braucht das Nähen als Ausgleich zum Beruf und freut sich, "dass die von uns hergestellten Sachen Eltern in schwierigen Zeiten glücklich machen."

Jede Teilnehmerin kam mit ihrer eigenen Nähmaschine. Simone Huhn sorgte für die Zuschnitte. Die Sets enthalten Höschen, Jüppchen und Mützchen in verschiedenen Größen - ab 30 aufwärts. Gerade die ganz kleinen Teile sind nicht so leicht zusammenzunähen. Man muss genau aufpassen, Fingerspitzengefühl haben. "Manches passt kaum unter den Nähmaschinenfuß, weil es so winzig ist", erläutert Anika Lauberbach aus Gotha. Die Frauen wissen, dass die Größe 30 für Sternchenkinder bestimmt ist. Traurigkeit gesellt sich zum Rattern der Maschinen. Auch Sternchen brauchen etwas zum Anziehen. Das gehört dazu, ist allen bewusst. Genäht werden auch Abschiedsbötchen, die zwei Perlenengel einschließen. Einer kommt zum Kind ins Boot, den anderen behalten die Eltern als Erinnerung. Häufig gebraucht werden auch Kleider für Nottaufen. Ebenso wie Einschlagdecken für Sternchenkinder entstehen sie aus Teilen von Brautkleidern. All das garantiert einen würdevollen Abschied und hilft den Eltern, den Schmerz über den Verlust des Kindes ein kleines Stück besser zu verarbeiten. Ergänzt wird ein Bekleidungsset durch ein Paar gestrickter Söckchen. Das beginnt bei sechseinhalb Zentimeter Fußlänge. Spezialistin auf diesem Gebiet ist Carmen Gutberlet aus Borken bei Kassel. Ob Stricken, Nähen oder Häkeln - sie macht alles gern. "Das ist ein Hobby, das ausfüllt", sagt sie und freut sich, Eltern auf diese Weise helfen zu dürfen. Die Söckchen sind farbenfroh und ganz akkurat gestrickt. Die kleinsten werden mit zwei Nadeln gefertigt, die größeren mit fünf. Was Mützchen, Höschen, Jüppchen und Decken gemein haben, ist die Farbigkeit. Schließlich sollen die Frühchen hoffnungsfroh wachsen und gedeihen. Dunkle Farben sind verpönt.

Der Verein arbeitet bundesweit mit 50 Kliniken zusammen. Simone Huhn hat einen besonders guten Draht zur Frühchenstation in Suhl. Das Zentrallager der fertig gestellten Sets befindet sich bei der Vorsitzenden des Vereins, Dana Waschinsky, in Mühlenbeck bei Berlin. Sie rief den Verein ins Leben, weil ihre beiden Kinder Max und Moritz Frühchen waren. Der Erstgeborene kam mit einem Gewicht von 2020 Gramm auf die Welt und "es gab nichts für ihn zum Anziehen", berichtet Waschinsky am Telefon. Weil sie ohnehin gern nähte, fielen Reste ab, aus denen sie kurzerhand Höschen und Jüppchen schneiderte. Ihr Engagement ist längst über die eigenen Belange hinausgewachsen. Stoffspenden bekommt der Verein von Privatpersonen und Firmen. Nebenher wird auch fleißig gebastelt. Geschenkkarten zu Feiertagen kommen immer gut an und sind im Falle der Sternchenkinder eine ganz spezielle Erinnerung.

Daniela Köhler aus Schmalkalden war auch zum Nähtreff gekommen und verschönerte Teelichter für die Sternchenkinder. "Ich kenne auch ein derartiges Schicksal", sagt sie und ist froh, mithelfen zu können. "Heute gibt es Nähtreffs in München, Hamburg, Oberbayern und in Schmalkalden - das ist ein sehr produktives Wochenende", sagen Simone Huhn und Nicole Graichen. Die Geburtsstunde war übrigens im Zwickauer Land. "Beteiligt waren wir zwei", erzählen die beiden jungen Frauen. Längst haben sich die Treffs ausgeweitet und der Zusammenhalt in der Gruppe wurde gestärkt. "Das ist wie in einer großen Familie", steht für Graichen fest. Ihr Ziel ist es, den Nähtreff im Familienzentrum regelmäßig anzubieten. "Unsere Arbeit wird gebraucht."

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www.herzenssache-nfsuf.de

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Annett Recknagel
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Veröffentlicht am:
13. 02. 2017
17:51 Uhr

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Autor

Annett Recknagel

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Veröffentlicht am:
13. 02. 2017
17:51 Uhr



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