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Schmalkalden

Mit denen die Wolff tanzt

1995 erfüllt sich Elviera Wolff einen Traum - sie reist zu den Ureinwohnern Nordamerikas in die USA. Sieben Reisen später sind aus Bekannten Freunde geworden. Jetzt zeigt sie erstmals Fotos in einer Ausstellung im Heimathof.



Ab Samstag zeigt die Steinbach-Hallenbergerin erstmals Fotos ihrer USA-Reisen in einer Ausstellung im Heimathof. Darunter auch solche von indianischen "Pow Wow-Tänzen". Was das ist, erklärt sie zur Vernissage ab 19 Uhr.
Ab Samstag zeigt die Steinbach-Hallenbergerin erstmals Fotos ihrer USA-Reisen in einer Ausstellung im Heimathof. Darunter auch solche von indianischen "Pow Wow-Tänzen". Was das ist, erklärt sie zur Vernissage ab 19 Uhr.   » zu den Bildern

Steinbach-Hallenberg - Als Kind verschlingt die Steinbach-Hallenbergerin die einschlägige Indianerliteratur, die der Arbeiter- und Bauernstaat zu bieten hat. In den Geschichten von Liselotte Welskopf-Henrich und Eva Lips träumt sie sich aus dem Steinbacher Grund in die Jagdgründe der Apachen und der Sioux, die für die Steinbach-Hallenbergerin unerreichbar sind. Als sie nach der politischen Wende eine alte Freundin wiedertrifft, deren Mann in den Vereinigten Staaten lebt, ergreift sie die Chance beim Schopf.

" 1995 habe ich mir den Kindheitstraum erfüllt und bin mit ihr gemeinsam zum ersten Mal dorthin gefahren", erzählt Elviera Wolff. Aus vielen Bekanntschaften sind während mehrerer Aufenthalte Freundschaften entstanden. Immer wieder fliegt sie über den Atlantik, lebt mit in den Familien, lernt Medizinmänner kennen und darf an Zeremonien teilnehmen, die für Fremde normalerweise tabu sind. Nach rund einem Vierteljahrhundert eröffnet sie am Samstag im Heimathof nun ihre erste Fotoausstellung zum Thema.

Wolff fühlt sich von Anfang an mit den Menschen verbunden und die offenbar mit ihr. Eines nachts, im "Monument Valley" im Süden Utahs, träumt sie dreimal hintereinander denselben Traum, in dem ihr ein Indianer erscheint - ein Ergebnis der vielen Eindrücke vom Tage? Weil an Schlaf ohnehin nicht mehr zu denken ist, fährt sie kurzerhand mutterseelenallein mit dem Mietwagen ins Tal. Und macht dort eine spirituelle Erfahrung, über die sie aus Angst, als Exzentrikerin abgetan zu werden, eigentlich nicht so gerne spricht.

"Ich habe Menschen kennen gelernt, die mich auf meinem persönlichen Weg geleitet und begleitet haben. Das alles hat mein Leben sehr beeinflusst", erzählt die heute 65-Jährige. Nach ihrer ersten Reise vergeht einige Zeit mit viel Arbeit. Erst fünf Jahre später bricht sie zum zweiten Mal auf, dann immer öfter.

Sie besucht Apachen und Navajo, lebt mit Sioux und ist zu Gast bei den Crow-Indianern. "In den ersten Jahren ließ mein Englisch noch arg zu wünschen übrig", erinnert sie sich. Das habe nicht selten für Erheiterung gesorgt, bis sie ein alter Häuptling tröstet: "Wenn du mit dem Herzen sprichst, wirst du immer verstanden".

Diese und viele andere Geschichten kann sie am Samstag erzählen. In ihrer Ausstellung "3000 Meilen von den Oglala Sioux zu den Navajo" sind Landschaftsaufnahmen von South Dakota, Nebraska, Colorado, New Mexiko bis Arizona zu sehen. Sie zeigt "Pow Wow-Tänzer" und alte Rituale der Oglala, einem der Stämme der "Tatanka Ojate" - die untergegangene Bisonnation. In einem Reisebericht führt sie die Gäste einmal durch das "Pine Ridge-Reservat" in South Dakota und gibt Einblicke in das Leben in den Reservaten, über Entwicklungen und Veränderungen, die sie in 25 Jahren beobachtet hat.

"Mit dem Vortrag und der kleinen Ausstellung möchte ich meine große Dankbarkeit ausdrücken und all die Menschen ehren, die mir meine Reisen zu den verschiedenen Stämmen Nordamerikas ermöglicht haben. Und ich möchte mich beim Volk der "Tatanka Ojate" bedanken, die mich aufnahmen, mir Lehrer waren und meinen Weg begleiteten", schreibt Wolff im Begleittext.

An deren Seite kämpft sie für die Rechte der Ureinwohner, für bessere Wasseraufbereitung in den Reservaten, für mehr Schulen und gegen die Öl-Pipelines durch heiliges Land der Stämme im Norden. Die Eintrittsgelder für die Ausstellung gehen dementsprechend als Spende an die "Sieben Ratsfeuer", die regionalen Dialekt- und Stammesgruppen der Sioux am "Standing Rock".

Ihre bislang letzte Reise liegt mittlerweile vier Jahre zurück. Derzeit spart sie für nächstes, spätestens übernächstes Jahr, gesteht die frischgebackene Rentnerin, die nun mehr Zeit mit über den Teich nehmen will. Ganz ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten umzusiedeln, kann sie sich aber nicht vorstellen. Dafür seien die Kulturen einfach zu verschieden. "Ich bin sehr dankbar, dass ich die dortige so nah erleben darf und fühle mich sehr geborgen. Aber ich liebe auch mein Thüringen", bekennt Wolff.

Die Ausstellung ist bis zum 10. Januar im Heimathof, Steinbach-Hallenberg zu sehen, (Eintritt: 3 Euro).

 

Vortrag und Ausstellungseröffnung "3000 Meilen von den Oglala Sioux zu den Navajo" beginnen am Samstag, 30. November, 19 Uhr (Einlass ab 18 Uhr). Der Eintritt kostet an diesem Tag sechs Euro. Am 11. und am 14. Dezember, 17 bis 19 Uhr, steht Elviera Wolff in ihrer Ausstellung für Fragen zur Verfügung.

Autor

Sascha Willms
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Veröffentlicht am:
26. 11. 2019
17:50 Uhr

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Autor

Sascha Willms

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Veröffentlicht am:
26. 11. 2019
17:50 Uhr



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