Lade Login-Box.
Gemeinsam handeln zum Digital-Abo
Topthemen: #GemeinsamHandelnCoronavirus in ThüringenCorona-HilfsbörseFreies Wort hilft

Schmalkalden

Kleine Geschenke und liebe Worte als Brücke

Corona hat alles verändert. Schwerstkranken, Sterbenden und deren Angehörigen können die zahlreichen Helfer nun nicht mehr die Hand halten. Alleine sind die Betroffenen dennoch nicht.



Püppchen, Herzen oder Täschchen werden als liebe Grüße verschickt. Foto: privat
Püppchen, Herzen oder Täschchen werden als liebe Grüße verschickt. Foto: privat   » zu den Bildern

Schmalkalden - Heike Heckmann und Kristin Günther haben in diesen Tagen immer wieder den Telefonhörer in der Hand. Telefoniert haben sie sonst auch oft, aber jetzt ist es ihre Hauptarbeit. Beide sind die Koordinatorinnen des Ambulanten Hospiz- und Palliativ-Beratungsdienstes in Schmalkalden, der auf 50 ehrenamtliche Helfer bauen kann. Einige von ihnen arbeiten in einer Alten- oder Behinderteneinrichtung vor Ort, andere in der ambulanten Diakoniestation Schmalkalden oder auch im Team der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung - sie sind sozusagen eine Brücke in diesen Tagen.

Normalerweise sind alle Helfer tagein, tagaus in der Region unterwegs, um Schwerkranke und Sterbende zu begleiten, aber auch, um Angehörigen oder Trauernden beizustehen. Doch jetzt ist alles anders: In Corona-Zeiten gehen die Kontakte zu Menschen außerhalb der eigenen Familie gen null - Besuche zu Hause, in Kliniken oder in Pflegeheimen sind untersagt. Die Familien sind unter sich. "Für uns alle ist das eine neue Situation", sagt Heike Heckmann, die Leiterin des Beratungsdienstes der Diakonie. Doch an Resignation ist nicht zu denken - im Gegenteil. "Wir sind gerade auch jetzt für Sie da!", heißt es auf der Homepage.

Von 8 bis 22 Uhr ist für Betroffene täglich immer jemand am anderen Ende der Telefonleitung erreichbar. Doch Heike Heckmann und Kristin Günther warten nicht bis jemand anruft, um aktiv zu werden. Sie haben zu vielen Betroffenen und auch zu den Pflegeeinrichtungen längst Kontakt aufgenommen, um ihre Hilfe anzubieten. Und die Leitungen der Häuser seien dankbar für das Angebot. Sie wüssten jede helfende Hand in diesen schweren Zeiten zu schätzen.

"Unter unseren ehrenamtlichen Helfern sind auch Mitarbeiterinnen, die in Kliniken und in der Pflege tätig sind. Sie dürfen ja täglich in die Einrichtungen, um ihrem Beruf nachzugehen - und wollen hier über ihre Arbeit hinaus noch ihr Engagement verstärken", berichtet Kristin Günther. Die Kreativgruppe des Beratungsdienstes um die beiden Ansprechpartnerinnen Heidi Reumschüssel und Doris Schiller aus Steinbach-Hallenberg, die sich normalerweise einmal im Monat trifft, macht weiter und tut ebenso noch mehr als sonst. "Jetzt arbeitet aber jeder für sich zu Hause - Fußdecken, Strümpfe, Täschchen, Püppchen oder Herzen werden gehäkelt, die dann über uns an Schwerstkranke vermittelt werden - verbunden mit einem lieben Gruß und einer Karte", erzählt Kristin Günther.

Und Heike Heckmann hat jetzt schon den Dank verspürt, der aus den Altenhilfeeinrichtungen der Region zurückkommt. "Diesen Dank gebe ich an die vielen kreativen Helfer weiter, mit denen ich telefonisch die gewünschten Geschenke absprechen und die Übergabe an unseren Dienst organisieren konnte", sagt sie. "Ohne sie alle würde es diese Möglichkeit der Solidarität nicht gegeben." Jeder Bewohner also, der in den Ambulanten Hospizdienst aufgenommen ist, bekam über das Personal der Einrichtungen bereits eine kleine Aufmerksamkeit. "Diese Art der Kommunikation berührt auch mich sehr, weil ja niemand weiß, wie lange diese Corona-Pandemie anhält - es ist nicht leicht, im Alter oder in Krankheit ohne Besuch auszukommen."

So will man kleine Momente der Freude verschenken. Symbole der Nächstenliebe gelangen so von außen nach innen. Und immer wieder werde auch in den Einrichtungen nach Wegen gesucht, um den alten und schwerkranken Menschen wenigstens den Blickkontakt zu den Lieben zu ermöglichen. Vielen tut es schon gut, wenigstens übers Fenster oder den Balkon die Angehörigen aus der Ferne zu sehen und zuzuwinken.

Intensiv läuft derzeit die Telefonberatung. Solch ein Gespräch kann zwischen zehn Minuten oder einer Stunde und länger dauern. Das ist nicht nur bei den beiden Koordinatorinnen des Beratungsdienstes so. Gerade die ehrenamtlichen Hospizhelfer haben oft schon einen engen Draht zu den Familien aufgebaut, der nun telefonisch intensiv aufrechterhalten wird. "Natürlich ist das anders, als wenn man den Menschen gegenübersitzt und ihn anschauen kann", erzählt Kristin Günther. Kein Bild, keine Mimik und keine Gestik. Dennoch könne man das Gefühl vermitteln, dass der andere - egal ob Schwerkranker oder Angehöriger - nicht alleine ist. "Für viele ist es wichtig, sich auch mal Außenstehenden mitteilen zu können und ehrlich zu sagen, wie es ihnen geht." Vielen Menschen würde auch ein Stück Normalität ganz einfach guttun. Kristin Günther weiß, dass ein Ehrenamtler schon selbst musiziert hat und so seine lieben Grüße mit Johann-Sebastian-Bach telefonisch ans Krankenbett geschickt hat.

"Wir hatten auch schon die Idee, Tablets einzusetzen", berichtet Heike Heckmann. Heute sei ja viel möglich, doch noch ist es nicht soweit. Dabei soll es nicht nur um Grüße oder Gespräche mit Bildkontakt gehen. Für Angehörige könne dies auch eine Verschnaufpause bedeuten, denn sie sind in diesen Tagen ohne Kontakte zu Verwandten, Nachbarn oder Freunden, die sonst mal aushelfen konnten. Über eine Kamera und ein Tablet könne man von außen den Pflegebedürftigen durchgängig im Blick haben. "Unsere ehrenamtlichen Helfer könnten so ein, zwei Stunden die Betreuung übernehmen, in denen die Angehörigen ohne Sorge mal ein Stück spazieren oder in den Garten gehen könnten, um Kraft zu tanken."

—————

www.hospiz-schmalkalden.de

Autor

Birgitt Schunk
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
30. 03. 2020
20:10 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Ambulanz Behindertenorganisationen Diakonie Einrichtungen im Pflegebereich Hospize Johann Sebastian Bach Nächstenliebe Pflegebedürftige Pflegeheime Schwerkranke Solidarität
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Die Koordinatorinnen für den ambulanten Hospizdienst, Kristin Günther und Heike Heckmann freuen sich über alle Ehrenamtlichen.	Archivfoto: Annett Recknagel

28.04.2020

Herzenszeit in der Coronakrise: Hospizbegleiter gesucht

Neue Ehrenamtlerinnen werden derzeit vom ambulanten Hospiz- und Palliativ-Beratungsdienst Schmalkalden gesucht - ein neuer Kurs könnte Ende August starten. » mehr

Die Senioren-Assistentin Sabrina Loyal aus Steinbach-Hallenberg engagiert sich seit Jahren ehrenamtlich für pflegende Angehörige.	Archiv-Foto: Sascha Willms

15.04.2020

Petition für vergessene Helden des Alltags

Schon vor Corona erfuhren pflegende Angehörige kaum eine Entlastung in der häuslichen Pflege. Jetzt gebe es gar keine mehr, kritisiert die Senioren-Assistentin Sabrina Loyal. Mit einer Petition will sie ihnen Gehör versc... » mehr

Steffen Eck und Martina Petter dankten allen Mitarbeitern und wünschten den Patienten einen unterhaltsamen Nachmittag. Die Kinder aus der Wernshäuser Tagesstätte hatten einiges einstudiert und trugen Lieder und Gedichte vor. Foto: Erik Hande

09.12.2019

Für die Menschen da sein, die Hilfe brauchen

Pflegedienste haben in der immer älter werdenden Gesellschaft volle Auftragsbücher. Ohne Herz und Leidenschaft lässt sich aber keine gute Pflege realisieren. Deshalb liegen "Petter & Tischer" zum Beispiel Sommer- oder We... » mehr

Am 1. November 1999 wurde die Seniorenpark Schmalkalden gGmbH in der Krötengasse eröffnet. Fotos (3): fotoart-af.de

22.11.2019

20 Geburtstagskerzen

Seit 20 Jahren besteht die Seniorenpark Schmalkalden gGmbH in der Krötengasse. Das wurde eine Woche lang ausgiebig gefeiert. » mehr

Palliativmediziner, Fachärzte, Seelsorger und Psychologen, Kliniken, Apotheker und ehrenamtliche Hospizbegleiter: Viele Hände kümmern sich um den Patienten und seine Angehörigen. Foto: ari

04.10.2018

Von vielen Händen getragen

Viele Menschen wollen zu Hause sterben. In ihrem vertrauten Heim, umgeben von der Familie. Das Palliativ Netzwerk Thüringen und seine Kooperationspartner machen das möglich. » mehr

Wibke Raßbach, Lydia Utendörffer und Yaki Teame (von links) zeigen ihr Plakat.

02.03.2020

Schmalkalder setzen Zeichen für Mitgefühl und Menschlichkeit

Mehr als 100 Menschen bildeten in der Schmalkalder Innenstadt eine Kette. Sie gedachten damit den Opfern von rechter Gewalt und wünschen sich mehr Solidarität. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Brennender Lkw A73 Eisfeld-Nord

Lkw-Brand A73 Eisfeld | 26.05.2020 Eisfeld-Nord
» 28 Bilder ansehen

Unfall Schleusingen Schleusingen

Unfall Schleusingen | 25.05.2020 Schleusingen
» 7 Bilder ansehen

Autokonzert mit Radio Doria Erfurt

Autokonzert mit Radio Doria | 24.05.2020 Erfurt
» 36 Bilder ansehen

Autor

Birgitt Schunk

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
30. 03. 2020
20:10 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.