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Schmalkalden

Ein Asbacher macht im Norden Karriere

Ein mehr 50 Jahre alter faltbarer Strandkorb stellt Fachleute auf der Insel Usedom vor ein Rätsel. Auf der Suche nach seinen Wurzeln wurde die Heimatzeitung fündig - im thüringischen Asbach.



Sammler Jürgen Kraft zeigt vor der Seebrücke von Ahlbeck einen historischen faltbaren Strandkorb aus der Tischlerei Weyrauch in Asbach. Das gute Stück für zwei Personen passt in einen ·Trabant und wurde damals für 250 Mark verkauft. Foto: Stefan Sauer/dpa
Sammler Jürgen Kraft zeigt vor der Seebrücke von Ahlbeck einen historischen faltbaren Strandkorb aus der Tischlerei Weyrauch in Asbach. Das gute Stück für zwei Personen passt in einen ·Trabant und wurde damals für 250 Mark verkauft. Foto: Stefan Sauer/dpa  

Schmalkalden - Ein Hauch des vergangenen Sommers wehte am Dienstag unerwartet in die Redaktionsstube. Ausgelöst durch einen Anruf von Jürgen Kraft aus dem Seebad Ahlbeck. Seit mehr als 25 Jahren sammle er Dinge rund um die Bademode, begann er zu erzählen. Bedingt durch seinen Wohnort in Seebad Ahlbeck auf der schönsten Insel Deutschlands, der Insel Usedom, habe er sich schon frühzeitig und intensiv mit der Badekultur an den Stränden Usedoms beschäftigt. Denn die Badekultur gehöre genauso wie der Strandkorb und die Bäderarchitektur einfach zur Ostseeküste. Seit Jahren sucht Kraft auf Flohmärkten, in Internet-Auktionshäusern und in Trödler-Geschäften nach alten Badeanzügen, Bikinis, Badehosen, Ansichtskarten und allerlei Dingen rund um die Badekultur.

In der Sammlung von Jürgen Kraft befindet sich auch ein historisches Stück aus Thüringen. Vor drei Jahren hatte die Meiningerin Renate Pfützner dem Bewahrer alter Dinge ihren weiß-roten Badeanzug mit Rüschenröcken aus dem Jahr 1957 vermacht. Seinerzeit gefertigt von der Firma Heizelmann aus Reutlingen. Ein Geschenk des spät aus der Gefangenschaft heimgekehrten Bruders an das "Nesthäkchen". In diesem Jahr war der Badeanzug, den die 80-Jährige begeisterte und erfolgreiche Schwimmerin wie ihren Augapfel hütete, im "Museum der Westküste" in Wyk (Schleswig-Holstein) ausgestellt, als Teil einer Ausstellung "200 x Badesaison Seebad Wyk auf Föhr, 1819-2019".

Strandkorb aus Thüringen

Doch zurück zu dem Anruf: Aus Usedom seit kürzlich ein faltbarere Strandkorb aufgetaucht, dessen Herkunft sich niemand erklären könne, erzählte Kraft. Der NDR berichtete darüber, wie dpa und sogar die Süddeutsche Zeitung. Das mehr als 50 Jahre alte Stück sei bei einer Haushaltsauflösung in Parketin bei Rostock gefunden und zum Korbwerk nach Heringsdorf gebracht worden. Auch dort wisse man nicht, wo das Sitzmöbel, das, zusammengefaltet in einen Zeltsack und damit in einen Trabant passte, produziert worden ist. Alles deutet darauf hin, dass der Strandkorb vermutlich aus den 1960er Jahren stammt und in der DDR gefertigt wurde. In den Versandhauskatalogen Karl-Marx-Stadt und Leipzig wurde der "Duett" für 250 Mark angepriesenen. Nach der Ausstrahlung eines Beitrages bei NDR Radio MV hatten sich Hörer gemeldet, welche die Vorzüge des Sitzmöbels, einer Hollywoodschaukel ähnlich, selbst genossen haben. Ein Anrufer meinte sich zu erinnern, dass der Strandkorb aus einer Produktionsgenossenschaft in Thüringen stammt. Genauer gesagt aus dem Schmalkalder Ortsteil Asbach. Nach Recherchen der Heimatzeitung wurde der faltbare Strandkorb ab Mitte der 1960er Jahre bis Anfang der 1970er Jahre in der Tischlerei Weyrauch, zu dieser Zeit eine PGH, nicht nur gebaut, sondern sogar entwickelt. Im Betrieb seines Vaters Walter Weyrauch mit 42 Beschäftigten seien damals Holzschlitten hergestellt worden, erinnert sich Rolf Weyrauch. Beim Tüfteln und Experimentieren mit dem Sportgerät habe der Vater unter anderem die Kufen verbogen und - die Idee vom faltbaren Konstrukt war geboren. Die vom Volksmund geschätzte "Liebeslaube", die komplett die Tischlerei, verließ, ließ sich Walter Weyrauch später patentieren. Vernäht wurden verschiedene Stoffe, kann sich der Sohn noch entsinnen, von blau über orange, von uni bis Blumenmuster. Wie viele Strandkörbe in den sieben bis acht Jahren hergestellt wurden, weiß er allerdings nicht. Eingestellt wurde die Produktion wohl 1973, als an der Asbacher Straße das neue Werksgebäude des damaligen Hachelstein in Betrieb ging.

Haben Sie, liebe Leserinnen und Leser, noch Erinnerungen oder gar Fotos an den in Asbach hergestellten faltbaren Strandkorb? Dann schreiben Sie an die Lokalredaktion, Hoffnung 26, 98574 Schmalkalden, oder rufen an unter (03683)6979-13.

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Susann Schönewald

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Veröffentlicht am:
08. 10. 2019
15:36 Uhr

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Susann Schönewald

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Veröffentlicht am:
08. 10. 2019
15:36 Uhr



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