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Meiningen

Getanzte Bilder eines Jahrhunderts

Zur Matinee vor der Premiere des Ballettabends "Verschwundenes Bild" wird am morgigen Sonntag, 13. Januar, um 11.15 Uhr ins Foyer des Großes Haus eingeladen.



"Verschwundenes Bild" titelt der neue Ballettabend von Andris Plucis und seine Eisenacher Compagnie. Foto: Hoelting
"Verschwundenes Bild" titelt der neue Ballettabend von Andris Plucis und seine Eisenacher Compagnie. Foto: Hoelting  

Meiningen - Die Matinee bietet Einblicke in den neuen Ballettabend "Verschwundenes Bild" der Eisenacher Ballettcompagnie unter der Leitung ihres Chefchoreografen Andris Plucis. Den musikalischen Part übernimmt die Meininger Hofkapelle unterm Dirigat von GMD Philippe Bach. Kompositionen von Johannes Brahms und Anton Webern werden mit Fotografien von Ulrich Kneise verbunden. Die Premiere findet am Freitag, 25. Januar, um 19. 30 Uhr im Großen Haus statt.

Andris Plucis’ choreografische Sprache trifft auf die Bilderwelt des renommierten Eisenacher Fotografen Ulrich Kneise. Dessen sensible und erzählerisch angelegten Fotografien erlangten durch zahlreiche Publikationen und deutschlandweit gezeigte Ausstellungen große Bekanntheit. Die Kostüme von Danielle Jost übertragen die Stimmungen seiner Bilderwelt auf die Körperlichkeit der Tänzerinnen und Tänzer. Mit den unterschiedlichen Ausdrucksmitteln des Tanzes und der Fotografie entsteht ein abstrahierender Rückblick auf die jüngere deutsche Vergangenheit, ausgehend von den letzten Jahren der DDR.

Zur Matinee vor der Premiere am morgigen Sonntag ist neben dem Choreografen Andris Pluics auch der Fotograf Ulrich Kneise anwesend. Seine begleitende Foto-Ausstellung "EinWerkWird" wird in der Alten Dramaturgie, oberhalb des Foyers, eröffnet. In ausdrucksstarken Fotografien dokumentierte Kneise den Arbeitsprozess der jungen Tänzerinnen und Tänzer.

"Wenn ein Bild aus dem Blick gerät, wird es zur Erinnerung. In der Erinnerung vermischt es sich mit anderen Bildern, mit Gefühlen und Deutungen. So wird jedes Bild unterschiedlich verarbeitet", erklärt der Choreograf. Er selbst habe ein unzuverlässiges Gedächtnis, wenn es um Namen oder negative Erlebnisse gehe. Bei den Proben arbeite er mit der Videokamera, um sich die Schrittfolge der Tänzer zu merken. "Dafür habe ich aber ein Gespür, eine Ahnung für bestimmte Bilder entwickelt. Damit ich mit diesen Bildern arbeiten kann, müssen sie flüchtig sein", verrät Plucis. Hierzu passten Anton Weberns flüchtige Miniaturen. "Es wirkte auf mich befreiend, danach zu choreographieren, denn hier bekommt der Zufall Raum. Jedes Bild kann, aber es muss nicht sein."

Ursprünglich angelegt als tänzerische Auseinandersetzung zur friedlichen Revolution und Wiedervereinigung, habe sich im Arbeitsprozess sein Blickwinkel geweitet. "Es geht um Bilder, die das 20. Jahrhundert hervorbrachte, die in die Erinnerung herabsanken und uns bis in die Gegenwart beschäftigen." Der Spannungsbogen von Johannes Brahms‘ spätromantischer 4. Sinfonie bis zu Anton Weberns Passacaglia und Symphonie Op. 21 zeichne klanglich das künstlerische Überschreiten von Epochengrenzen nach. "Als der sogenannte Eiserne Vorhang im Herbst 1989 niedergerissen wurde, konnte die Globalisierung ihre rasante Fahrt aufnehmen. Und während wir damit beschäftigt sind, uns in der unübersichtlich gewordenen Gegenwart einen bequemen Platz zu sichern, blenden wir aus, dass derzeit ganze Lebenswelten verschwinden. Exemplarisch dafür stehen die Insekten, deren Zahl in den letzten Jahren dramatisch abgenommen hat", vergleicht der Choreograf.

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12. 01. 2019
00:00 Uhr

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