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"Da rollt ein dickes Ding auf uns zu!"

Trockenheit, Windbruch, Borkenkäfer-Befall: Die Wälder Thüringens sind in Not. Auf der Frühjahrsversammlung der Waldbesitzer wurde Bilanz gezogen - und Lösungsansätze diskutiert.



Der Borkenkäfer hat viele Fichten des Thüringer Waldes zerstört. Das Foto zeigt ihn stark vergrößert, er ist in der Regel weniger als einen Zentimeter lang.	Foto: Roland Weihrauch/dpa
Der Borkenkäfer hat viele Fichten des Thüringer Waldes zerstört. Das Foto zeigt ihn stark vergrößert, er ist in der Regel weniger als einen Zentimeter lang. Foto: Roland Weihrauch/dpa   » zu den Bildern

Wasungen - "2018 war ein Jahr, wie wir es noch nie erlebt haben", sagt Matthias Marbach laut. Er muss seine Stimme erheben, damit er in den dicht besetzten Reihen des großen Speisesaals Gehör findet. Aber seine Aussage kommt an. Der Leiter des Forstamtes Kaltennordheim blickt in die ernsten Mienen der Thüringer Waldbesitzer. "Wir werden alle Kapazitäten brauchen", warnt er. "Da rollt ein dickes Ding auf uns zu."

Schadensbilanz der Thüringer Waldflächen

Durch die Sommer- und Herbststürme wurden insgesamt 1,1 Mio Festmeter (Fm) beschädigt. Es entstanden 1300 Hektar (ha) Kahlflächen, rund 2000 ha stark aufgelichtete Bestände und 5000 ha Bestände mit Einzelbrüchen.

Im Jahr 2018 wurde ein Borkenkäferbefall auf 800.000 Fm gemessen. Die in jüngerer Zeit höchste Schadholzmenge pro Jahr im Problemjahr 2003 belief sich der Befall des Käfers auf 330.000 Fm.

Aufgrund von Dürreschäden sind etwa 70 Prozent aller in den letzten drei Jahren gepflanzten Bäumen zerstört worden.

Schätzungen zufolge belaufen sich die Kosten für die Aufforstung auf rund 11 Millionen Euro.

Quelle: Forstamt Kaltennordheim

 

Am Donnerstagabend hat sich der Waldbesitzerverband für Thüringen in der Wasunger Gaststätte Maienluft zur Frühjahrsversammlung getroffen. Marbach klärte in seinem Vortrag mit drastischen Worten über das Waldsterben auf: "Die Kombination von großer Trockenheit, Hitze, Windbruch und Borkenkäfer-Befall hat den Wald stark geschädigt. Wir müssen mit dem Schlimmsten rechnen."

 

Der Borkenkäfer-Bestand habe sich in den vergangenen Jahren explosionsartig vervielfacht. Aufgrund der günstigen Bedingungen kam es bei der Tierart im letzten Jahr zu der Ausbildung einer dritten Generation. Da die Käfer auch bei Temperaturen unter Null nicht sterben, ist selbst bei einem harten Winter nicht mit hohem Rückgang zu rechnen. "Wir zählen in unseren Fallen aktuell 50 mal so viele Tiere wie früher", berichtet Marbach. Dennoch könne nur ein Teil der Insekten so von Bäumen ferngehalten werden. Der Rest fresse sich unaufhaltsam in das Fichtenholz. "Die Nadelbäume können sich nicht mehr so gut wehren, da sie wegen der Hitze sehr ausgetrocknet sind." Die Bodenfeuchte sei aktuell auf einem so niedrigen Level, wie es sonst im August zu erwarten ist.

Durch die Borkenkäferplage habe sich der Schadholz-Bestand massiv vergrößert, machte der Förster besorgt deutlich. "Nun gilt es zu retten, was zu retten ist." 1300 Hektar mussten in Thüringen kahlgeschlagen werden. Das entspricht einer etwa doppelt so großen Fläche als die des Zwergstaates Gibraltar. ,"Steckt so viel Fichtenholz in den Ofen, wie ihr könnt", riet Marbach.

Keine Sparkasse mehr

Ein wirtschaftliches Problem durch den Borkenkäfer-Befall ist der drastische Sturz des Holzpreises, insbesondere beim Fichtenholz. "Der Wald ist keine Sparkasse mehr", sagte Marbach. Der Wert eines Festmeters (Fm) ist auf acht Euro gesunken - auch weil das Aufsuchen verstreuter Bäume mehr Aufwand bedeutet.

Zwar sei Thüringen etwas weniger schlimm betroffen als andere Bundesländer, dennoch gebe es viel Arbeit, die man nur gemeinsam schaffen könne. Ein weiteres Problem: Um Fördermittel zur Aufforstung der privaten Wälder zu erhalten, müsse man bei der Landesregierung weiterhin Druck machen. Marbach rät dazu, die umfangreichen Kahlflächen systematisch aufzuforsten, um den Waldbestand wieder zu vergrößern. Außerdem werden intensiv Maßnahmen gegen den Borkenkäfer-Befall gesucht. "Ich wollte euch keine Angst machen", sagte Marbach abschließend, "aber wir müssen das grüne Herz Thüringens retten".

Autor

Markus Kilian
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Veröffentlicht am:
17. 05. 2019
17:32 Uhr

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Autor

Markus Kilian

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Veröffentlicht am:
17. 05. 2019
17:32 Uhr



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