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Ilmenau

Kampf der Ausgrenzung

Seit zwölf Jahren gibt es den Kindernothilfefonds in Arnstadt. Mittlerweile kommen auch vermehrt Anträge aus dem Raum Ilmenau.



Annekathrein Schlegel (links) und Thomas Kratzer freuen sich über die Spende von Kati Amberg. Foto: Richter
Annekathrein Schlegel (links) und Thomas Kratzer freuen sich über die Spende von Kati Amberg. Foto: Richter   Foto: Richter

Arnstadt - Prall gefüllt war die rote Spendenbox, die Annekathrein Schlegel von der Kreisdiakoniestelle am Donnerstagvormittag aus den Händen von Kati Amberg erhielt. Tausend Euro betrug die Spende der Steuerberaterin, angesammelt zur Einzugsparty in ihr neues Domizil in der Plaueschen Straße. "Ich wollte aus dem Anlass etwas Gutes tun, etwas, was auch in der Region bleibt und wo die Spenden direkt den Betroffenen zugute kommen und nicht erst ein großer Verwaltungsapparat dranhängt", erklärte sie.

Das Jugendamt des Ilm-Kreises gab dann den entscheidenden Tipp mit dem Kindernothilfefonds. "Eine gute Idee", fanden Kati Amberg und ihre sechs Mitarbeiter. Und so baten sie ihre Kunden und Geschäftspartner, die gelungene Sanierung des neuen Domizils nicht mit Blumengeschenken, sondern mit einer Geldspende zu würdigen. "Unsere Gäste haben sich über die Idee gefreut", erzählte Kati Amberg. "Wir haben die Spendensumme dann noch etwas aufgerundet."

Annekathrein Schlegel und Pfarrer Thomas Kratzer dankten für das Engagement, denn der Kindernothilfefonds wird ausschließlich über Spenden finanziert. 2007 hatten die Kirchgemeinde Arnstadt, die Kreisdiakoniestelle und der Kirchenkreis den Kindernothilfefonds ins Leben gerufen. Er soll Kindern und Jugendlichen helfen, die von Armut, Benachteiligung und Ausgrenzung betroffen sind - schnell und unbürokratisch. Vor zwei Jahren wurde sein Tätigkeitsfeld dann auf den gesamten Kirchenkreis Arnstadt-Ilmenau ausgeweitet.

"In Ilmenau gibt es die gleichen Probleme wie in Arnstadt", hat Annekathrein Schlegel seitdem erfahren. Auch wenn von den 31 Anträgen auf Hilfe, die bisher in diesem Jahr gestellt wurden, mit 23 die Mehrheit aus dem nördlichen Ilm-Kreis kommt, auch in und um Ilmenau wenden sich Eltern in Notlagen an die Diakoniestelle.

"Es kann schnell passieren, dass man in Not kommt", weiß Annekathrein Schlegel. Besonders Alleinerziehende seien betroffen, Mütter wie Väter. Wenn jemand krank werde oder die Arbeit verliere, gehe es oft schnell. "Aber auch bei Trennung und Scheidung", so Schlegel. Da dauere es häufig, bis alles geregelt und beantragt sei. "Oder wenn man einen Umzug hat oder einen Trauerfall in der Familie und dann steht die Abschlussfahrt der 16-jährigen Zwillinge an, die auf dem Gymnasium ja nicht an die Lütsche, sondern ins Ausland geht."

Bis zu 200 Euro pro Familie und Jahr stellt der Fonds zur Verfügung. Annekathrein Schlegel prüft die Bedürftigkeit genau, bevor sie den anonymisierten Antrag dem Spendenbeirat vorlegt, der über die Mittelvergabe entscheidet. Aktuell gehören diesem drei Personen an. "Wir würden uns gern verdoppeln", sagte Thomas Kratzer. "Jetzt sind die Gemeindekirchenratswahlen durch. Da hoffen wir, dass sich noch weitere Mitstreiter finden." Vor allem in Ilmenau müsse der Kindernothilfefonds noch bekannter werden.

In Arnstadt wirbt die Kirchgemeinde in ihrem Gemeindebrief um Spenden für ihn. "Wir haben auch einen Spender aus der Schweiz, der uns regelmäßig unterstützt", erzählte Thomas Kratzer. Der Mann habe sich vor einem Arnstadt-Besuch im Internet informiert, sei auf den Fonds gestoßen und finde diesen eine super Sache. Auch vom Arnstädter Buchladen konnte Annekathrein Schlegel vor Kurzem wieder eine Spende über 1450 Euro entgegennehmen. Seit vielen Jahren veranstalten die Besitzerinnen zum Stadtfest einen Bücherflohmarkt und spenden das Geld. "Da steckt viel Aufwand drin", dankte Annekathrein Schlegel.

Etwa 6 000 Euro gibt der Fonds pro Jahr an Bedürftige aus. Mal fehlt das Geld für die Teilnahme an der Klassenfahrt, mal werden Mittel für die Schule benötigt oder Kleidung. "Jetzt im Winter sind es vor allem warme Schuhe und Jacken", so Schlegel. Auch wenn jemand auf eine Mutter-Kind-Kur fährt, gibt es Hilfe, "damit das Kind mal ein Eis bekommt, an einem Ausflug oder an einem Bastelnachmittag teilnehmen kann".

"Wir helfen dann, wenn andere Hilfen nicht greifen", betonte Thomas Kratzer. Mindestens genauso wichtig wie das Finanzielle sei aber die Tatsache, das jemand zuhöre, die Probleme ernst nehme. Wenn jemand zu Annekathrein Schlegel in Arnstadt oder ihrer Kollegin Ivonne Bamberg in Ilmenau kommt, dann tun beide genau das: Zuhören, Tipps geben, Kontakte zu anderen Hilfsangeboten vermitteln.

"Wir wollen verhindern, dass Kinder und Jugendliche benachteiligt und ausgegrenzt werden", erklärte Schlegel das Ziel. Darüber hinaus wird sie nicht müde, immer wieder auf das Problem der Kinderarmut in Deutschland aufmerksam zu machen. Zwar käme dies zunehmend bei der Politik an, noch reiche das Getane aber nicht aus. "Wir sind für jede Spende dankbar und brauchen auch weiterhin jedwede Unterstützung", betonte Annekathrein Schlegel. Der Fonds spreche sich herum, zudem sei das Angebot niederschwellig, werde deshalb eher angenommen als Hilfe vom Amt.

Wer Hilfe braucht, kann sich einfach in der Diakoniestelle in der Rosenstraße 11 in Arnstadt ( 03628/76192) oder am Homburger Platz 14 in Ilmenau ( 03677/840733) melden.

Spendenkonto: Evangelische Bank, Verwendungszweck: Kindernothilfefonds Kirchenkreis Arnstadt-Ilmenau, IBAN: DE 11520604100008013268, BIC: GENODEF1EK1.

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Berit Richter
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Veröffentlicht am:
21. 11. 2019
15:18 Uhr

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Autor

Berit Richter

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Veröffentlicht am:
21. 11. 2019
15:18 Uhr



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