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Ilmenau

Erneute Tätersuche nach fast 30 Jahren

Vor 30 Jahren wurde die 19-Jährige Cornelia G. in Ilmenau vergewaltigt und ermordet. Vom Täter fehlt noch immer jede Spur. Nun gibt es neue Zeugenhinweise. Der Fall wird am Mittwochabend auch bei Aktenzeichen Y vorgestellt.



Kriminalhauptkommissar Lars Fabig stellte den Mordfall Cornelia G. bereits in der MDR-Sendung Kripo Live vor. Heute Abend ist er zudem bei der ZDF-Sendung Aktenzeichen Y ungelöst zu Gast und erhofft sich neue Hinweise zum Fall. Foto: Volker Pöhl
Kriminalhauptkommissar Lars Fabig stellte den Mordfall Cornelia G. bereits in der MDR-Sendung Kripo Live vor. Heute Abend ist er zudem bei der ZDF-Sendung Aktenzeichen Y ungelöst zu Gast und erhofft sich neue Hinweise zum Fall. Foto: Volker Pöhl   » zu den Bildern

Ilmenau - Es war Ende November vor 30 Jahren. Die 19-jährige Cornelia G. ist mit ihrer Freundin in der Ilmenauer Schwimmhalle "Am Stollen". Von dort gehen beide in Richtung Weimarer Straße/Rudolf-Breitscheid-Straße. Dann verabschiedet sich Cornelia G. von ihrer Freundin. Es ist das letzte Mal, dass die junge Frau lebend gesehen wurde. Eigentlich, so geht es aus Angaben der Polizei hervor, will die 19-Jährige nach Hause in die Humboldtstraße auf der Pörlitzer Höhe. Dort aber kommt sie nie an.

Die Polizei sucht fieberhaft nach Cornelia G. Auch in Freies Wort gibt es ein Mithilfeersuchen. In der Ausgabe vom 1. Dezember 1990 heißt es: "Seit 27. November 1990, 20.45 Uhr, wird die 19-jährige Cornelia G. aus Ilmenau vermisst." Die Vermisste war 1,80 Meter groß, schlank, hatte blonde kurze Haare, braune Augen und war Brillenträgerin. Unterwegs war sie mit einem hellen Anorak, einer blauen Jeans, braunen Lederstiefeln und einem gemischt-braunen Pullover. Doch die Polizei bat vergebens um Mithilfe.

Über einen Monat später, am 31. Dezember 1990, wurden alle schlimmen Befürchtungen zur traurigen Gewissheit. Der Leichnam Cornelia G.s wurde im Gebiet einer Waldlichtung im Bereich Ilmenau nahe Bücheloh gefunden. Dort getötet wurde die junge Frau aber wohl nicht. Die Polizei geht davon aus, dass der Tatort die Pörlitzer Höhe gewesen sein muss, also in unmittelbarer Umgebung ihres Zuhauses lag. Dafür sprechen Erdanhaftungen an der Leiche.

Die Leiche Cornelia G.s am Fundort war unbekleidet und mit Messerstichen übersät. "Der Täter ging äußerst brutal vor, selbst im Gesichtsbereich gab es Stichverletzungen", schildert Kriminalhauptkommissar Lars Fabig, der den Fall im Jahr 2018 übernommen hat, im Gespräch mit Freies Wort . "Das war sehr erschreckend." Die Kleidung der Getöteten wurde erst Wochen später an der Bundesstraße 4 bei Plaue gefunden. "Das spricht dafür, dass der Täter nicht viel Zeit für sich hatte. Er ging nicht überlegt vor. Es spricht für eine hektische Situation, in der er das Opfer schnell loswerden wollte und deshalb hier abgelegt hat und verschwunden ist", so Fabig.

Gleicher Modus operandi

Alle Ermittlungen zum Fall blieben über Jahre hinweg ohne Erfolg. Jetzt aber hat sich eine neue Zeugin bei der Polizei gemeldet. Sie lebte zur damaligen Zeit in Ilmenau, ist mittlerweile nach Nordrhein-Westfalen gezogen. Auch sie wurde im Oktober 1990 vergewaltigt, hat das aber nie in den Zusammenhang mit dem Fall Cornelia G. gebracht. "Der Modus operandi deutet eindeutig auf denselben Täter hin. Auch sie wurde mit einem Messer bedroht", so Lars Fabig. Auch dass die neue Zeugin ebenfalls im Bereich der Pörlitzer Höhe vergewaltigt wurde, spricht für denselben Täter.

Dass sich Zeugen erst so viel später melden, ist nicht ungewöhnlich. Insbesondere dann nicht, wenn sie selbst Opfer eine Vergewaltigung waren. "Das ist sehr typisch. Die Opfer haben ein Schamgefühl, geben sich mitunter auch selbst die Schuld an der Tat", erklärt Lars Fabig. "Sie haben Angst vor einer öffentlichen Diffamierung."

Seit sich die Zeugin bei der Polizei gemeldet hat und erneut über den Fall berichtet wurde, haben sich noch weitere Zeugen gemeldet. "Deren Aussagen werden derzeit bewertet", so Fabig. Dennoch sucht man weiterhin den Weg in die Öffentlichkeit. Heute soll der Fall auch in der ZDF-Sendung Aktenzeichen XY vorgestellt werden. "Wie am Beispiel der Zeugin deutlich wird, können eventuelle weitere Opfer mittlerweile im ganzen Bundesgebiet verstreut leben", so Fabig. Daher werde die Öffentlichkeit über Thüringen hinaus gesucht.

Dass die Polizei nicht damals schon die große Öffentlichkeit gesucht und den Täter damit womöglich in die Enge getrieben hat, lag wohl an der besonderen Zeit. "Die Jahre 1990/91 waren auch für die Polizei sehr schwierig", so Lars Fabig. Mittlerweile gäbe es aber kaum noch Akten aus der damaligen Zeit. Er möchte die Arbeit seiner Kollegen vor 30 Jahren daher nicht bewerten.

Die Kriminalpolizei Gotha jedenfalls sucht in diesem Zusammenhang nun weitere Opfer von Sexualstraftaten aus dem Bereich Ilmenau in den Jahren 1989 bis 1991. Diese sollen sich mit den Ermittlungsbehörden in Verbindung setzen, damit diese Hinweise zur Aufklärung des Mordfalles dienen. Es werden des Weiteren Personen um Hinweise gebeten, die Angaben zum damaligen Verbrechen an Cornelia G. machen können, sich bislang aber noch nicht dazu geäußert haben. Die Kriminalpolizeiinspektion Gotha nimmt Hinweise, auch vertraulich, unter den Rufnummern (0 36 28) 92 01 66, (0 36 21) 78 14 24 und (0 36 77) 60 11 24 entgegen.

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Danny Scheler-Stöhr

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Veröffentlicht am:
17. 03. 2020
19:19 Uhr

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Danny Scheler-Stöhr

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17. 03. 2020
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