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Ilmenau

Auf Morgen-Tour für die Zeitungsleser

Hartmut Schmidt ist Freies-Wort -Zusteller in Wümbach. "Rad-Atze" feiert 2021 sein 20-jähriges Jubiläum. Doch er will noch länger dabei bleiben.



Sechs Tage in der Woche ist Hartmut Schmidt zu nachtschlafender Zeit auf den Beinen, um Freies-Wort -Abonnenten vor dem Frühstück ihre Zeitung in den Kasten zu stecken. Foto: Dolge
Sechs Tage in der Woche ist Hartmut Schmidt zu nachtschlafender Zeit auf den Beinen, um Freies-Wort -Abonnenten vor dem Frühstück ihre Zeitung in den Kasten zu stecken. Foto: Dolge  

Wümbach - Der 65-jährige Hartmut Schmidt gehört zu jenen Einwohnern, die Ilmenaus Ortsteil Wümbach mit am besten kennen. Er ist Zeitungszusteller in seinem Wohnort. Geboren wurde er im Dezember 1954 in Ilmenau, aber eigentlich fühlt er sich als ein "Krabsch", als ein Langewiesener, lebte er doch lange in der benachbarten Heinse-Stadt.

Von Beruf ist Hartmut Schmidt, den viele Bekannte und Freunde nur "Atze" nennen, gelernter Elektronik-Facharbeiter. Aber auch die Berufsbilder Laster-Fahrer oder Fahrrad-Monteur sind ihm nicht fremd. Daher stammt auch sein Kosename "Fahrrad-Atze". Sogar den Job eines Fenster-Monteurs kennt Hartmut Schmidt, immerhin habe er "fast die ganze Weimarer Straße" mal mit neuen Fenstern ausgerüstet, wie er trocken feststellte.

Seit 1997 ist Wümbach sein Zuhause, dort steht sein traditionell mit Schiefer gedecktes Haus. Aber so traditionell "Atze" ist, so ist er auch neuen Ideen gegenüber aufgeschlossen. Schon seit 1999 sorgt eine kleine Warmwasseraufbereitungsanlage auf dem Südost-Dach seines Häuschens für Warmwasser im Haus. Praktisch und handwerklich beschlagen ist "Rad-Atze" ohnehin jederzeit. Sogar eine kleine Reparaturwerkstatt für Fahrräder hatte er im benachbarten Langewiesen einmal zwei Jahre lang betrieben, ehe er sich voll auf den Job eines Zustellers "warf. Damals stand ich vor der Entscheidung: Entweder Zeitungen austragen oder arbeitslos werden. Da habe ich dann lieber Zeitungen ausgetragen"! Mit Unterbrechung ist Hartmut Schmidt seit 2001 für Freies Wort unterwegs. Später kamen eine weitere Tageszeitung und zwischendurch diverse andere Zeitungen hinzu. "Kern-Presse-Erzeugnis" war und ist aber Freies Wort .

Für den 65-Jährigen bedeutet die Arbeit als Zusteller eine Sechs-Tage-Woche, die von Montag bis Sonnabend mit Aufstehen um drei Uhr in der Früh beginnt. Erste Aufgabe des Tages nach dem Kaffee ist das Sortieren der Zeitungen entsprechend seiner Strecke und der Reihenfolge der Häuser. Genau gezählt hat er schon eine Weile nicht mehr, aber Zusteller "Atze" kommt auf rund 90 Adressen für seine Zwei-Stunden-Tour nur in Wümbach. Es ist in dem kleinen Ort ein einsamer Job. Leute begegnen dem Frühaufsteher eher selten. Einer seiner Nachbarn und Abonnenten fährt so früh immer mit dem Fahrrad auf die Arbeit, weiß er inzwischen; ein anderer Wümbacher nimmt sein Freies Wort direkt aus seiner Hand mit ins Auto auf die Fahrt zur Arbeit.

Mehr Begegnungen als mit den Wümbacher Bürgern und Zeitungslesern hat Hartmut Schmidt mit deren Hunden. "Da kennen mich inzwischen einige nun doch schon", lacht er. Überrascht waren er ebenso wie die Rotte Wildschweine kürzlich in der Feldstraße an der Druckerei vom gegenseitigen Treffen. "Nichts passiert", sagt Atze beruhigend, "wir waren beide nur über den anderen erschrocken."

Die falsche Zeitung oder das falsche Druckerzeugnis ist deshalb trotzdem nicht gleich im Briefkasten gelandet. "Klar passiert das schon mal so früh am Morgen, aber sehr selten", sagte er dazu: "Das macht bei mir unter einem Prozent der Zustellungen aus, eher so 0,1 Prozent. In diesem Jahr gab es dazu noch keine Beschwerde."

Aber auch das Gegenteil, Lob und Anerkennung sind selten. Nur ab und zu hängt mal ein kleiner Beutel mit Schokolade oder Kaffee für den Zusteller am Briefkasten. "Nicht einmal am 4. September", sagte "Atze": "Aber ich glaube auch so, dass nur die Wenigsten wissen, dass dieser Tag der Internationale Tag der Zusteller ist." Spaß, Zufriedenheit und sogar ein bisschen Erfüllung bringt das Zustellen "Atze" trotzdem. Dabei bleiben will er, "solange es mir gut geht. Mein 25-Jähriges als Zusteller will ich schon noch feiern können", sagt er.

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Gerd Dolge

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Veröffentlicht am:
21. 04. 2020
18:20 Uhr

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21. 04. 2020
18:20 Uhr



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