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Hildburghausen

Schwester Agnes heißt jetzt Ria und fährt Auto

"Schwester Agnes" war vor 44 Jahren ein Straßenfeger. In dem Film spielte sich eine Gemeindeschwester in Millionen Zuschauerherzen. Nun ist sie zurück - in Themar gibt es die erste Gemeindeschwester im Regiomed-Verbund.



Ria Saft ist eine "Nicht-ärztliche Praxisassistenz" in Themar. Ihre Patienten in den vielen Dörfern der Umgebung erinnern sich bei ihrem Besuch aber viel mehr an die "Schwester Agnes" aus dem DDR-Fernsehen. Foto: Regiomed
Ria Saft ist eine "Nicht-ärztliche Praxisassistenz" in Themar. Ihre Patienten in den vielen Dörfern der Umgebung erinnern sich bei ihrem Besuch aber viel mehr an die "Schwester Agnes" aus dem DDR-Fernsehen. Foto: Regiomed   Foto: Regiomed » zu den Bildern

Themar - Der länderübergreifende Klinik-Verbund Regiomed in Themar erinnert sich an alte DDR-Zeiten und hat seine erste Gemeindeschwester eingestellt. "Schwester Agnes" aus dem DDR-Fernsehen lässt grüßen. Allerdings heißt sie heute Ria Saft und trägt keinen Schwestern-Titel mehr, sondern heißt Nicht-ärztlichen Praxisassistenz (NäPa). Ihr Stützpunkt ist das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) in Themar. Und währen die Filmheldin Agnes Kraus auf einer Suhler-Schwalbe durch das Erzgebirge knatterte, darf Ria Saft im kleinen VW durch das Werratal brausen.

Eine Helferin mit Berliner Schnauze und Humor

Eine Gemeindeschwester, die sich gern mal in Dinge einmischte, die sie eigentlich so gar nichts angingen - Agnes Kraus verkörperte die "Schwester Agnes" Defa-Film.

Die Erstausstrahlung erfolgte anlässlich des Internationalen Frauentags am 8. März 1975 im DDR-Fernsehen und sorgte bei den Zuschauern für Begeisterungsstürme.

Schwester Agnes ist im Film eine alleinstehende Frau Mitte Fünfzig und seit mehr als dreißig Jahren eine engagierte Gemeindeschwester mit Witz und Berliner Schnauze. Sie wohnt und arbeitet in dem fiktiven Dorf Krummbach in der Oberlausitz, wo sie mit ihrer weißen Schwalbe zu den Patienten fährt und sie betreut. Sie hilft, wo sie nur kann und ist mitunter auch deswegen bei ihren Patienten so beliebt. Durch ihr gutmütiges, aber zuweilen auch einmischendes Wesen macht sie sich nicht nur Freunde. Beispielsweise will sie das Problem knappen Wohnraums im Ort am Gemeinderat vorbei lösen. Als sie deswegen mit dem neuen Bürgermeister aneinandergerät, begibt sie sich unter dem Vorwand, krank zu sein, in einen Streik und droht schließlich mit einem Versetzungsgesuch in einen anderen Ort. Das ruft den Unmut der Krummbacher Bürger hervor, die ihre Schwester Agnes nicht verlieren wollen.

Schwester Agnes wurden daher in den letzten Jahren mehrere vergleichbare Gemeindeschwester-Modellprojekte nach ihr benannt. So zum Beispiel AGnES in Leipzig oder agneszwei in Brandenburg.

 

Ria Saft ist von Haus aus medizinische Fachangestellte im Regiomed MVZ Themar und hat eine Weiterbildung zur Nicht-ärztlichen Praxisassistenz absolviert. Von ihrem Einsatz profitieren nun ganz besonders die älteren Patienten der Region, verspricht Anna Schaller von der Regiomed-Zentrale in Coburg.

 

Etwa 300 Kilometer fährt Ria Saft im Monat - Tendenz steigend. Dabei versorgt sie nicht nur Patienten in Themar: Ihre Einsatzgebiete liegen von Schmeheim über Grub und Eichenberg bis nach St. Bernhard und Siegritz, um nur einige zu nennen. Die 200-stündige Fortbildung hat sie schon im Jahr 2015 erfolgreich abgeschlossen, aber erst seit wenigen Tagen darf sich seit diesem Jahr über ein neues Praxisfahrzeug freuen.

Die älteren Bürger des Landkreises dürften noch die sogenannte Gemeindeschwester kennen, die in der früheren DDR einen wichtigen Beitrag zur hausärztlichen Versorgung leistete. Das Konzept der Nicht-ärztlichen Praxisassistenz geht in eine ähnliche Richtung, ist jedoch mit einer Gemeindeschwester nicht gleichzusetzen.

"Das Aufgabengebiet ist doch etwas anders", erklärt Ria Saft. Zu ihren täglichen Aufgaben gehören Blutentnahmen, Verbandswechsel, Injektionen, Impfungen und Urinkontrollen - immer im Auftrag des behandelnden Arztes. Und natürlich bleibt zwischendurch auch immer mal wieder Zeit für das eine oder andere persönliche Gespräch.

Als NäPa hat Ria Saft den direkten Draht zu den Patienten, kennt deren Lebensumstände und weiß, was es zu berücksichtigen gilt. Das erleichtert nicht nur ihr die Arbeit. Auch die Patienten profitieren von den Hausbesuchen und dem persönlichen Kontakt. Besonders für betagte oder bettlägerige Patienten stellen die Besuche von Ria Saft eine wichtige Ergänzung zum Gang in der Praxis dar.

Nähe statt Technik

Durch die schlechte Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln auf dem Land ist es gerade für ältere Menschen oftmals sehr schwierig und mit großem Aufwand verbunden, regelmäßige Arzttermine wahrzunehmen. "Das ist eine Problematik, die durch das Aussterben der Hausärzte auf dem Land in den letzten Jahren noch weiter verschärft wurde", erklärt Anna Schaller. Zwar wird versucht, dieser Herausforderung mit Konzepten wie der Telemedizin zu begegnen, doch gerade der persönliche Austausch und Nähe kommen hierbei oft zu kurz.

"Gerade bei unseren älteren Patienten hier auf dem Land machen wir oft die Erfahrung, dass es in vielen Fällen helfen kann, wenn ein persönlicher Kontakt entsteht und sich jemand Zeit nimmt, vor Ort ist und mit dem Patienten redet - sozusagen "High-touch statt High-tech (hochberührend statt hochtechnisiert)", so Dr. Maria Cernakova, die Ärztliche Leiterin des MVZ Themar. "Genau hier setzt die Nicht-ärztliche Praxisassistenz an."

Dabei erfolgt die Behandlung und Betreuung in enger Abstimmung mit dem behandelnden Mediziner. Die moderne Gemeindeschwester erfüllt eine unterstützende Funktion, ersetzt jedoch nicht den Weg zum Arzt. Wer Besuch von der Praxisassistenz bekommt, das entscheidet der Arzt. Und umgekehrt erkennt eine erfahrene Assistenz, welcher Patient von ihr zu Hause versorgt werden kann und wann ein Besuch in der Praxis erforderlich ist.

"Ich freue mich, dass wir im Regiomed-Verbund die Möglichkeit haben, Mitarbeiter durch solche Weiterbildungen zu fördern", sagt Simone Müller, Bereichsleiterin der Ambulanten Versorgung. "Wir sind stolz darauf, dadurch nun als regionaler Gesundheitsverbund im kleinen Städtchen Themar die große Berliner Politik umsetzen zu können." Mit der Etablierung einer Nicht-ärztlichen Praxisassis-tenz leiste das MVZ in Themar einen wichtigen Beitrag zur medizinischen Versorgung in der Region.

Die wohnortnahe Patientenversorgung zählt zu den wichtigsten Zielen des Gesundheitsverbunds in kommunaler Hand. Dieser Herausforderung begegnet man im MVZ Themar mit einem engagierten Team aus Ärzten und Medizinischen Fachangestellten. Für viele ältere Patien-ten sind weite Wege wie die Fahrt nach Hildburghausen oder Meiningen unvorstellbar. Daher ist es wichtig, diese vor Ort medizinisch betreuen und versorgen zu können.

"Ziel ist es, den Bürgern in der Region trotz des Wandels dauerhaft eine gute und umfassende ärztliche Versorgung in kommunaler Trägerschaft bieten zu können", sagt Anna Schaller. oa

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Veröffentlicht am:
07. 02. 2019
13:10 Uhr

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07. 02. 2019
13:10 Uhr



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