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Hildburghausen

Hildburghäuser Kirche entgeht knapp Feuerkatastrophe

In der Radweg- und Pilgerkirche St. Wigbert in Häselrieth hat am Samstag ein Kind an 47 Stellen Feuer entfacht. 25 Einsatzkräfte der Hildburghäuser Stadtwehr löschten zügig - niemand ist zu Schaden gekommen.



feuer kirche haeselrieth
Feuerwehrmänner sind mit einer Wärembildkamera auf der Suche nach möglichen Glöutnestern in der Kirche St. Wigbert in Häselrieth. Ein Kind hatte am 30. Mai 2020 in dem Gotteshaus mit Teelichtern gekokelt.   Foto: katja.wollschlaeger » zu den Bildern

Häselrieth - Zu einem Einsatz in einer Kirche der Stadt - und dann noch zu einem solchen - ist der Hildburghäuser Stadtbrandmeister Marcel Koch noch nie gerufen worden. "Am Samstag gegen 13.45 Uhr ging der Alarm los - Rauchentwicklung in der Kirche Häselrieth." Mit diesen Informationen fuhr ein Fahrzeug der Feuerwehr Hildburghausen auf schnellstem Weg zum Einsatzort. Die Polizei kam den Wehrleuten schon entgegen, informierte über die verrauchte Kirche und darüber, dass ein Kind mehrere Brände gelegt hatte.

Marcel Koch forderte Verstärkung an - und schnell konnten die ersten Trupps, ausgerüstet mit Atemschutztechnik und Wärmebildkamera das verrauchte Kircheninnere untersuchen. Brandherd für Brandherd fanden und löschten sie. "Wir haben auf Wasser verzichtet, sondern mit CO2-Löschern gearbeitet", sagt Koch. Eine Technik, bei der die durch die Löscharbeiten entstehenden Schäden in der denkmalgeschützten Kirche minimiert werden können, da mit einem Gas gearbeitet wird, das den Sauerstoff verdrängt - und so den Flammen sozusagen die Luft zum Lodern nimmt. "Das Feuer wird also erstickt", erklärt der Stadtbrandmeister. Dazu werde die Brandstelle gleich gekühlt, da das Kohlendioxid eine Temperatur von minus 74 Grad Celsius habe. Füße der Bänke beispielsweise hatte das Kind angezündet, aber auch am Altar, an den Türen und Sitzauflagen hatte es gezündelt. Das Christuskreuz hatte ebenfalls Feuer gefangen.

Ingo Kronacher, Vorsitzender des Gemeindekirchenrats, hatte den Rauch entdeckt. Bei einem Kontrollgang sozusagen. "Die St. Wigbert-Kirche ist eine offene Kirche, das heißt, von Mai bis Oktober ist sie täglich von 8 bis 22 Uhr offen - für Menschen, die beten oder eine Kerze anzünden wollen. In Abständen sehe ich nach dem Rechten", erzählt er. So war’s wohl auch am Samstag. Doch da stimmte etwas nicht. Es war nicht etwa ein Vorhang aus Weihrauch, den Ingo Kronacher kurz nach dem Mittag im Gotteshaus sah und roch. Er alarmierte umgehend die Polizei. Und er begann zu löschen, bevor die Feuerwehrleute eintrafen.

Die 25 Einsatzkräfte hatten etwa eine Stunde zu tun, bis alle 47 Brandstellen gefunden und gelöscht waren. Weitere Zeit kostete es, das Kirchenschiff vom Rauch zu befreien. Doch auch damit war die Arbeit noch nicht beendet. "Wir haben von 15.30 bis 22 Uhr eine Brandwache eingerichtet", informiert Koch, der selbst dazu gehörte. Im Stundentakt kontrollierten die Wehrleute das Gebäudeinnere mit der Wärmebildkamera, um mögliche Glutnester zu entdecken. Eine Sicherheitsvorkehrung.

Ingo Kronacher beschreibt den Schreck, den er bekam. Doch er hat gleich aufgeatmet: "Das Wichtigste für mich ist, dass niemand zu Schaden gekommen ist. Und auch der Kolonie der Großen Mausohren, einer Fledermausart, die im Dachstuhl überm Kirchenschiff zu Hause ist, geht’s gut. Das haben wir gleich kontrolliert", sagt der Vorsitzende des Gemeindekirchenrats auf Nachfrage. "Alles andere kann man reparieren."

Vor Ort waren auch Beamte der Kriminalpolizei. Sie haben die Ermittlungen aufgenommen. "Ich werde nun Kontakt zur Familie des Kindes suchen, um zu versichern, dass wir nicht verärgert sind. Ich bin einfach nur froh, dass niemand zu Schaden gekommen ist."

Am Sonntag hat er noch einmal in der Kirche nachgeschaut. "Alles riecht noch stark nach Rauch." Und es muss aufgeräumt werden. Am Dienstag treffe sich der Gemeindekirchenrat - und da werde darüber gesprochen, wie es nun weitergehe. "Bis dahin wird die Kirche geschlossen bleiben. Doch ich gehe davon aus, dass sie in absehbarer Zeit wieder für Besucher geöffnet werden wird." Die St. Wigbert Kirche zu Häselrieth soll "Offene Kirche" bleiben - "trotz der Brandstiftung", sagt Kronacher - und fügt eines an: "Wir vertrauen auf Gott!" ks

Übrigens: Ab September gibt es in der Kirchgemeinde Häselrieth das Angebot, ein Freiwilliges Soziales Jahr zu absolvieren - die "Offene Kirche" soll ein Arbeitsbereich sein. Interessierte können sich in der Kirchgemeinde St. Wigbert Häselrieth melden.

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Redaktion
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Veröffentlicht am:
31. 05. 2020
13:01 Uhr

Aktualisiert am:
31. 05. 2020
15:08 Uhr

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31. 05. 2020
13:01 Uhr

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31. 05. 2020
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