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Hildburghausen

Handwerker auf der Walz zeigen ihr Können am alten Schloss

Das traditionelle Handwerk vollbringt Leistungen, die einzigartig sind. Wandernde Gesellen haben in Schloss Weitersroda einen Beweis dafür geliefert.



Die Handwerksgesellen Réne Schwabe und Paul Scholz haben ein massives Burgtor für Schloss Weitersroda geschaffen. Fotos: privat
Die Handwerksgesellen Réne Schwabe und Paul Scholz haben ein massives Burgtor für Schloss Weitersroda geschaffen. Fotos: privat   » zu den Bildern

Weitersroda - Erstmals seit mehr als 60 Jahren verfügt Schloss Weitersroda wieder über ein Tor. Es wurde in mehr als dreimonatiger Arbeit geplant, erbaut und eingerichtet durch Gesellen auf der traditionellen Wanderschaft. "Dieses Tor ist, mit Verlaub, eine denkmalpflegerische Sensation - und eine Machtdemonstration traditioneller Handwerkskunst", freut sich Schlossherr Florian Kirner alias Prinz Chaos II.

Die Bauleitung lag bei Réne Schwabe. Durchgehend mit am Start war Paul Scholz. Die Schmiedearbeiten wurden möglich durch den Schmied von Steinach, Jens Kleinen. Kamerud Colin und viele andere Wandergesellen haben wochenlang mitgebaut.

Etwa ein Festmeter vier Jahre abgelagertes Eichenholz wurden in einem Festival der Geometrie mithilfe der ausgefuchstesten Holzverbindungen verbaut. Mehr als 300 Eisennägel und alle Beschläge sind per Hand und vor Ort geschmiedet worden.

Einen besonderen Triumph stellt für Kirner dar, dass die jahrhundertealten Einfassungen der Drehbalken wieder verwendet werden konnten. Sie waren erstaunlich gut in Schuss. Kleinere Steinmetzarbeiten waren allerdings nötig.

Umso aufwendiger waren die Lager, um die Torflügel - jeder ist alleine mehr als 400 Kilo schwer - in stabile und leichtläufige Schwingung zu versetzen. Dafür wurden zwei extra Verschleisslager aus Kupfer gegossen. Als übrigens der erste Torflügel von zwölf Leuten aus der Werkstatt gegenüber an den Ort seiner Bestimmung getragen und eingesetzt worden war, legte Baumeister Réne Schwabe die Wasserwaage auf, und siehe da: der untere Torbalken lag perfekt in der Waagrechten.

"Fabelhaft unterstützt wurde der Bau durch regionale Handwerksbetriebe: die Tischlerei Hahnke, Meister Beyersdorf, Holz Keller - sowie die Bäckerei Schneider. Man kann nur sagen: Handwerk, Handwerk, Handwerkskunst!", schwärmt der Schlossherr. Er wünscht sich: "Schluss mit dem Pfusch, mit dem Schnell-Schnell. Hört endlich auf, Zeug zu verbauen, das kein Baumaterial ist, sondern der Sondermüll der Zukunft." Die Menschen sollten sich stattdessen am Können von Hunderten jungen Handwerkern freuen, die heute durch Deutschland wandern und Tausende in ganz Europa, die auf diese Weise ihre feinen, alten Künste erlernen.

Er fordert auch dazu auf, die leicht zu erkennenden Gesellen per Anhalter mitzunehmen, sie mit Respekt und Würde zu behandeln und damit die Verbreitung dieser alten Tradition zu unterstützen.

"Danke für einen Corona-Lockdown, den ich mit diesen fantastischen Menschen verbringen durfte", erklärt Kirner. Seinen Dank für dieses sensationelle Tor spreche er nicht nur für sich, die aktuellen Schlossbewohner und sicher auch für das Dorf Weitersroda aus - sondern auch für alle kommenden Generationen, die sich an diesem Kunstwerk freuen werden.

Der Begriff Wanderjahre (auch Wanderschaft, Walz, Tippelei, Gesellenwanderung) bezeichnet die Zeit der Wanderschaft zünftiger Gesellen nach dem Abschluss ihrer Lehrzeit. Sie war seit dem Mittelalter bis zur Industrialisierung eine Voraussetzungen der Zulassung zur Meisterprüfung. Die Gesellen sollten vor allem neue Arbeitspraktiken, fremde Orte und Länder kennenlernen sowie Lebenserfahrung sammeln. Ein Wandergeselle muss heute in der Öffentlichkeit immer seine Kluft tragen. Da ein Fremder oftmals auf die Unterstützung der Bevölkerung angewiesen ist, hat er sich ehrbar und zünftig zu verhalten. Seit 2015 gehört die Walz auf Antrag der Bundesrepublik bei der Unesco zum immateriellen Kulturerbe der Menschheit.

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Veröffentlicht am:
24. 05. 2020
17:42 Uhr

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24. 05. 2020
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