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Die Retter von Schloss Bockstadt

Über zwei Jahrzehnte stand Schloss Bockstadt leer und seit 2015 zum Verkauf. Jetzt hat es neue Besitzer. Sie wollen das Denkmal sanieren, erhalten und auch selbst drin wohnen. Freies Wort hat sie in Bockstadt getroffen.



Ein Schloss im Dornröschenschlaf: der ehemalige Meininger Architekt und Hofbaurat Karl Behlert (1870 - 1946) hat das Herrenhaus von 1900 bis 1904 im schottischen Landhausstil für den Freiherrn Hermann-August von Münchhausen errichtet. Fotos (7): Steffen Ittig
Ein Schloss im Dornröschenschlaf: der ehemalige Meininger Architekt und Hofbaurat Karl Behlert (1870 - 1946) hat das Herrenhaus von 1900 bis 1904 im schottischen Landhausstil für den Freiherrn Hermann-August von Münchhausen errichtet. Fotos (7): Steffen Ittig   » zu den Bildern

Bockstadt/Eisfeld - Friedlich, heimelig, idyllisch. Natur und Ruhe pur. Das zeichnet das kleine Dorf Bockstadt aus. Umgeben von Feldern, Wiesen und Wäldern. In diesem Ort seinen Lebensabend verbringen, in einem geschichtsträchtigen Gebäude, umgeben von einem Park: das soll für etwas besser situierte Senioren bald Wirklichkeit werden.

Hier, wo Freiherr Herrmann-August von Münchhausen 1888 ein Rittergut erwarb und mit englischen Vollblütern die damals erfolgreichsten Rennpferde züchtete, die umgerechnet Millionen von Euro an Preisgeldern einbrachten, genau hier soll in den nächsten zwei Jahren eine Senioren-Residenz entstehen. In einem heute als Denkmal geschützten Schloss, das der aus Amerika gekommene Freiherr - Nachfahre des legendären Lügenbarons Hieronymus Carl Friedrich von Münchhausen - ab 1900 in vier Jahren Bauzeit errichten ließ. Und zwar im schottischen Landhausstil.

"Ich glaub, mich tritt ein Pferd." Dieses Sprichwort mag wohl einigen der rund 150 Einwohner von Bockstadt in den Sinn gekommen sein, als Freies Wort jüngst darüber berichtete, dass ein neuer Investor Schloss Bockstadt gekauft hat und es zur Senioren-Residenz umbauen will. Schon wieder so einer, der dem Lügenbaron Konkurrenz machen will? Diese Frage beschäftigt den Eisfelder Ortsteil, in dem auch Bürgermeister Sven Gregor wohnt. Er und die Dorfbewohner haben bisher schlechte Erfahrungen mit allen bisherigen Schloss-Investoren gemacht. Leute, die große Pläne hatten. Die viel versprochen haben. Die aber nichts davon in die Tat umsetzten.

So wie der Geschäftsmann Hans-Dieter Böhm, der das Schloss 1995 von der damaligen Gemeinde Bockstadt erworben hatte und es zu einem Altenheim für betreutes Wohnen herrichten wollte. Die Realisation dieser Pläne ist damals schon in der Anfangsphase steckengeblieben und nie zu Ende geführt worden. Immerhin: ein Fahrstuhlschacht sei von ihm und einem weiteren Mitarbeiter im Schloss gebaut worden, berichtet Manfred Donner. Der Vater des heutigen Eisfelder Hauptamtsleiters Mike Donner hat damals im Schloss als Hausmeister, Projektleiter und Verwalter gearbeitet. Weil es in der Folge aber keine Fördermittel mehr gegeben habe, so Manfred Donner, sei das Altenheimprojekt letztlich aufgegeben worden und gescheitert.

Neue Besitzer, neue Ideen

Genau das soll sich nicht wiederholen, sondern diesmal ganz anders laufen. Nämlich erfolgreich. "Das Schloss ist ideal und optimal, zwar nicht für ein herkömmliches Altenpflegeheim, aber für ein Wohnstift, für eine Senioren-Residenz", sagt der neue Investor Michael Klose. Der Schreiner und Zimmerer stammt aus Mittenwald an der deutsch-österreichischen Grenze. 18 Jahre lang hat er seinen eigenen Handwerksbetrieb geführt. Gemeinsam mit seiner Lebenspartnerin, der Konditorin Katrin Kutzer, die aus dem bayrischen Bad Rodach kommt, hat er für das Schloss ein ehrgeiziges Konzept entwickelt. Damit sollen die 45 Räume auf einer Gesamtfläche von 2.450 Quadratmetern multifunktional und optimal genutzt werden.

Mit Café und Restaurant

In dem geschichtsträchtigen Herrenhaus, das in einem 60 Hektar großen Park mit Teichanlage liegt, werden künftig nicht nur Senioren in gemieteten Apartments ihren Lebensabend verbringen. Teile des Schlosses sollen in einem Gastronomiebereich mit Café und einem Restaurant auch öffentlich zugänglich werden.

Rund 2,5 Millionen Euro will Michael Klose in die Sanierung des Denkmals sowie in den Um- und Ausbau investieren. Inklusive neuer Heizung und komplett neuer Versorgungsleitungen. Vom Charakter und Stil der Innenarchitektur mit edlen Holztreppen, Holzfenstern, Deckenstuck und Parkettfußböden soll alles, was irgendwie machbar ist, erhalten bleiben. "Kein aggressives Sandstrahlgerät, sondern ein schonend arbeitendes Trockeneisstrahlgerät wird zum Einsatz kommen", sagt Maler und Lackierer Tommy Koch aus Garmisch-Patenkirchen. Dessen Firma ist für die Innengestaltung verantwortlich und setzt dabei auf umweltschonende Materialien. "Als Farbe verwenden wir Biosilikat", sagt er, "eine der umweltfreundlichsten Farben, die es gibt". Folgende Bereiche sollen laut Michael Klose in einer Bauzeit von etwa zwei Jahren in den Schlossetagen entstehen:

 

Seniorenstift/Seniorenresidenz

Etwa 17 barrierefreie Wohnapartments unterschiedlicher Größe (ein bis zweieinhalb Zimmer) für jeweils ein oder zwei Senioren. Geeignet für Menschen, die sich noch weitgehend selbst versorgen können. Auf Wunsch wird eine Küchenzeile zur Selbstversorgung mit eingebaut. Möglich ist aber auch eine Vollpension oder Vollverpflegung durch die Café- und Restaurantküche. Fast alle Apartments bekommen auch einen Balkon.

Zwei Personalapartments

Darin sollen zwei Betreuer und Pflegekräfte der Seniorenresidenz untergebracht werden.

Privatwohnung für Betreiber

Michael Klose und Karin Kutzer wollen später ihre derzeitigen Wohnsitze in Mittenwald und Bad Rodach aufgeben und in der obersten Etage des Schlosses leben und wohnen.

Cafe und Restaurant

In der unteren Etage sind ein Café und Restaurant mit dahinterliegender Küche samt Lagerräumen vorgesehen. Café und Restaurant sollen nicht nur den Bewohnern der Seniorenresidenz offen stehen, sondern ebenso Einheimischen, Tagesausflüglern, Wanderern und Touristen.

 

Um 2000 bis 2500 Euro Monatsmiete soll ein Standardapartment nach der Kalkulation von Michael Klose kosten. Die Investition müsse sich amortisieren und Gewinn abwerfen. Über den Kaufpreis des Schlosses, der von einem Suhler Makler 2015 mit 1,5 Millionen Euro angegeben war, möchte er nicht reden. "Wir stecken viel Geld in das Projekt rein und müssen davon leben", so Klose. "Wir wollen bodenständig bleiben und keine Millionäre werden, sondern ein Denkmal, ein ehrwürdiges Schloss vor dem Verfall retten und erhalten."

Autor

Rolf Dieter Lorenz
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
07. 09. 2019
00:00 Uhr

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Autor

Rolf Dieter Lorenz

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Veröffentlicht am:
07. 09. 2019
00:00 Uhr



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