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Vom Wunderkind zur Powerfrau

Clara Schumann hat ein ganzes Jahrhundert geprägt. Sie vereinte viele Talente, vor allem aber war sie eine gefeierte Pianistin. Heute vor 200 Jahren wurde sie in Leipzig geboren.



Clara Wieck im Alter von 17 Jahren - Zeichnung von Elwine von Leyser (1836). Foto: Picture Alliance
Clara Wieck im Alter von 17 Jahren - Zeichnung von Elwine von Leyser (1836). Foto: Picture Alliance  

Außerordentliche Kraft, Begabung und Kreativität sind ihre Markenzeichen. Clara Schumann war Pianistin, Komponistin, Lehrerin und Herausgeberin, sie war auch Mutter und Ehefrau. Beschrieben wird sie als willensstarke Persönlichkeit, die für ihre Ideale gelebt hat. Die gebürtige Leipzigerin ist die wohl berühmteste Pianistin des 19. Jahrhunderts. "Sie war eine bedeutende Künstlerin, die den männlichen Künstlerkollegen in nichts nachstand", sagt der Geschäftsführer des Leipziger Schumann-Vereins, Gregor Nowak.

Besuch in Liebenstein

Vom 14. bis 28. August 1840 weilte Clara Wieck - noch vor ihrer Hochzeit mit Robert Schumann - in Bad Liebenstein. "Die Gegend ist hier herrlich, der Ort selbst still, da nur 30 bis 40 Badegäste hier sind. Ich will auch kalte Wellenbäder und Tuschbäder gebrauchen, das kann zum wenigsten doch nicht schaden", schreibt sie gleich nach ihrer Ankunft am Morgen des 15. August an ihren Verlobten. Beide tauschten täglich Briefe aus. Sie reiste aus Leipzig kommend über Jena und Weimar - wo sie bereits vor der Großherzogin Maria Pawlowna musiziert hatte - in den Thüringer Wald. Die Fahrt von Eisenach mit der Postkutsche muss Clara Wieck schwer beeindruckt haben: "Mir war doch etwas unheimlich hierher zu fahren, so ganz allen und Abends, es hätte mich in den Thälern und Schluchten doch leicht jemand überfallen können", bekennt sie Robert. In Liebenstein wohnt sie in einem "Bauernhäuschen" und ist mehrfach zu Gast auf dem Altenstein bei der Meininger Herzogsfamilie. Der Meininger Herzog sei der "populärste Fürst den es gibt". Im Altenstein spielte sie zum "Thee" - allerdings auf einem "höchst erbärmlichen alten englischen Instrument", wie sie ihren Tagebüchern anvertraut. Sie ärgert sich so darüber, dass sie zu Hause in Tränen ausbricht. Allerdings seinen "die Leute" - also das Herzogspaar - "höchst liebenswürdig". Am 28. August 1840 verlässt sie Liebenstein in Richtung Eisenach. lau

 

Clara war ungewöhnlich begabt, hatte mit nur neun Jahren ihren ersten öffentlichen Auftritt im Leipziger Gewandhaus. Sie galt als pianistisches Wunderkind. Von ihrem Vater Friedrich Wieck erhielt sie eine harte Ausbildung. Bereits in jungen Jahren soll Clara über ein erstaunliches Repertoire verfügt haben. Sie glänzte auch mit eigenen Kompositionen und war eine der führenden Beethoven-Interpretinnen ihrer Zeit.

 

Schon als Kind lernte sie ihren späteren Ehemann Robert Schumann kennen, der bei ihrem Vater Klavierunterricht nahm. Mit 16 verliebte sie sich in den neun Jahre älteren Komponisten.

Experiment Künstlerehe

Friedrich Wieck soll Robert Schumann geschätzt, aber als Schwiegersohn nicht akzeptiert haben. Clara und Robert mussten eine Heiratserlaubnis per Gericht erwirken. 1840 - kurz vor Claras 21. Geburtstag - gaben sie sich das Ja-Wort und bezogen ihre erste gemeinsame Wohnung in der Leipziger Inselstraße, im heutigen Schumannhaus.

"In Leipzig nahm ein Experiment seinen Anfang", sagt Nowak - das Experiment einer Künstlerehe, in der beide Partner gleichberechtigt sind. Robert hätte sich so nie entwickelt ohne Clara und umgekehrt. Dabei hätten beide um ihre Talente gerungen. Als Mann sei Robert in seiner Zeit verhaftet gewesen.

Tatsächlich erzählt Clara in ihren Tagebüchern davon, dass sie in ihrem ersten Ehejahr weniger zum Üben gekommen sei, um ihren Mann beim Komponieren nicht zu stören. Aber sie habe sich durchgesetzt, sagt Nowak, konzertierte schon bald, sei auch gereist. Zum Teil begleitete Robert sie bei den Gastspielen. Es habe ihn allerdings gekränkt und geschmerzt, dass er dann nicht der Mittelpunkt gewesen sei, erzählt Nowak. Doch wenn Clara allein auf Reisen gegangen sei, habe er keine Note schreiben können.

Clara Schumann war überzeugt: "Meine Kunst lasse ich nicht liegen, ich müsste mir ewig Vorwürfe machen." Das war sozusagen ihr Lebensmotto. In einer Zeit, in der Ehefrauen den Haushalt geführt haben, ging sie ihrem Beruf nach, setzte auf ihr Talent. Und: Sie machte in ihren Konzerten zudem Roberts Werke bekannt.

Robert Schumann litt zunehmend unter psychischer Schwäche und Krankheiten, er starb mit 46 in der Nervenheilanstalt in Endenich, heute ein Ortsteil von Bonn. Clara musste mit 36 Jahren allein den Lebensunterhalt für sich und ihre sieben Kinder verdienen. Schon vorher hatte sie erheblich dazu beigetragen. Sie überlebte ihren Mann um 40 Jahre. "Sie wissen, dass Gott mir ein Talent geschenkt hat, mit dem ich hoffen dürfte meine Kinder durch die Welt zu bringen", schrieb sie in einem Brief. "Von Oktober bis zum Frühjahr hat sie konzertiert", erzählt Nowak. Im Sommer war sie bei ihren Kindern.

Noch ohne Agentur

Mehr als 60 Jahre lang stand sie auf der Bühne. "Sie muss unfassbar emanzipiert gewesen sein", sagt Nowak. Damals habe es - außer in England - noch keine Konzertagenturen gegeben. Clara Schumann musste ihre Konzerte meist selbst managen, hat sich nicht nur um ihre Programme gekümmert, sondern auch um Saalmieten, Werbung und Honorarverhandlungen. Später bekam sie Unterstützung von ihren Töchtern Marie und Eugenie.

Sie habe viele Rollen probiert, aber in erster Linie sei sie Künstlerin gewesen, betonte die Pianistin Ragna Schirmer im Mai anlässlich der Herausgabe ihrers neuen Albums "Madame Schumann". Musik sei für sie Berufung und Erfüllung gewesen. Schirmer ist eine "Clara-Spezialistin", sie hat ihre Werke, Tagebücher und Programmzettel intensiv studiert, ihre Wiederentdeckung vorangebracht.

Nach Stationen in Dresden und Düsseldorf mit ihrem Ehemann sowie in Berlin und Baden-Baden zog Clara Schumann 1878 nach Frankfurt/Main und wurde als erste weibliche Professorin am Hoch‘schen Konservatorium berufen. Nowak: "Bei ihrer Anstellung hat sie Bedingungen vorgeben können, so berühmt und begehrt war sie."

Neben dem Unterricht betätigte sie sich als Herausgeberin der Kompositionen Robert Schumanns, förderte ihre Veröffentlichung im Musikverlag Breitkopf & Härtel. Sie publizierte auch seine Schriften und Tagebücher.

Ihr letztes öffentliches Konzert gab sie am 12. März 1891 im Alter von 71 Jahren. Sie starb am 20. Mai 1896 nach einem zweiten Schlaganfall in Frankfurt/Main. Leipzig feiert Clara Schumanns 200. Geburtstag am 13. September mit einer neuen Dauerausstellung: Im früheren Wohnhaus wurde ein "Paarmuseum" für Clara und Robert eingerichtet. Es erzählt von der Schaffensgemeinschaft der beiden Musiker - gleichberechtigt.

Autor

Katharina Rögner
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Veröffentlicht am:
12. 09. 2019
19:36 Uhr

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Katharina Rögner

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Veröffentlicht am:
12. 09. 2019
19:36 Uhr



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