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Bad Salzungen

Biblische Kirchenmusik aus der Werkstatt

Es war ein rundum gelungenes Auftaktkonzert der erstmals stattfindenden Festivalreihe "Tage alter Musik in Bad Salzungen" in der Werkstatt der Raumausstattung Berghold.



Kirchenmusik an einem ungewöhnlichen Ort: Das Auftaktkonzert der neuen Reihe "Tage alter Musik in Bad Salzungen" mit Hartmut Meinhardt am Cembalo und Sänger Joachim Stegmann fand in der Werkstatt der Raumausstattung Berghold statt. Fotos (2): Annett Spieß
Kirchenmusik an einem ungewöhnlichen Ort: Das Auftaktkonzert der neuen Reihe "Tage alter Musik in Bad Salzungen" mit Hartmut Meinhardt am Cembalo und Sänger Joachim Stegmann fand in der Werkstatt der Raumausstattung Berghold statt. Fotos (2): Annett Spieß   » zu den Bildern

Bad Salzungen - Fein nuancierte Cembaloklänge und faszinierender Gesang scheinbar jenseits des Irdischen neben gusseisernen Handwerksmaschinen und Regalen voller Schubladen, bauchiger Flaschen und Werkzeuge, dazu eine Vielzahl gespannt lauschender Zuhörer, die in der Pause die idyllische Atmosphäre des lauschig-grünen Innenhofs der Friedrich-Eckardt-Straße Nr. 9 bei Häppchen, entspannten Gesprächen und Sommerwein genossen. Das rundum gelungene Auftaktkonzert der erstmals stattfindenden Festivalreihe "Tage alter Musik in Bad Salzungen" in der Werkstatt der Raumausstattung Berghold wird wohl noch lange als besonderes Highlight im Gedächtnis der Gäste bleiben.

Mehrere Tage lang wurde im Familienbetrieb eifrig geräumt, geputzt und geschmückt, dazu viele Stühle organisiert, die dennoch nicht ausreichten, was dank weit geöffneter Fenster für die Zuhörer draußen jedoch nicht schlimm war. Der Fokus des Konzerts war auf Kirchenmusik und Psalmvertonungen von der Zeit der Spätrenaissance bis zum Barock gelegt. Der zarte, feenhafte Klang des Cembalos, gespielt von Kantor Hartmut Meinhardt, und der klare, ätherische Countertenor von Joachim Stegmann verliehen dem lateinischen "Magnificat" Steffano Bernardis (1575-1637), dem "Lobgesang Mariens", mit dem der Abend eröffnet wurde, berührende Tiefe. Heinrich Schütz (1585-1673), von Zeitgenossen "Vater der Musik" genannt, vertonte als hochreligiöser Protestant viele Psalme. Beim Werkstattkonzert sang Joachim Stegmann "Ich danke dem Herrn" und "Was hast du verwirket?" mit gläubigem Gefühl, nachdenklich und bewegend. Der aus Weimar stammende und heute in Berlin lebende Musiker absolvierte nach seiner Schulzeit am Musikgymnasium "Schloss Belvedere" zunächst eine Ausbildung zum Orgel- und Harmoniumbauer und studierte anschließend Musik in Weimar und Jena. Seit 2010 arbeitet er als Dozent für Gesang und Sprecherziehung an der Universität Erfurt und ist als freiberuflicher Sänger international unterwegs. Seine Stimme ist einzigartig, steht außer allem Gewohnten, beeindruckt immens und verleiht der historischen Musik, in der Countertenöre oft vorkamen, neue Lebendigkeit und Kraft.

Kantor Hartmut Meinhardt, der die Festivalreihe ins Leben rief, entführte die Zuhörer mit Johann Jakob Frobergers (1616-1667) "Suite XIII d-Moll" in italienische Musikgefilde. Beeinflusst von seinem römischen Lehrmeister Girolamo Frescobaldi, schuf der in Stuttgart geborene Komponist eine Vielzahl von Stücken für Orgel und Klavier. So erklang sein Prelude in der Werkstatt mit höfisch-zierlichem Anschlag, gefolgt von einer lebhaften Courante und der im Kontrast dazu sehnsuchtsvoll hell auf dem Cembalo wispernden Sarabande. Eine heiter wogende Gigue beendete das Instrumentalstück. Auch mit Johann Sebastian Bachs (1685-1750) "Partita Nr. 3 a-Moll" aus dem "Notenbüchlein für Anna Magdalena" brillierte der Kantor. Voller konzentrierter Virtuosität vibrierten die Cembalo-Tonfarben hier in gläsern-hypnotischer Schönheit.

Einen besonderen Höhepunkt im anspruchsvollen Programm, in dem auch zwei Sonaten von Domenico Scarlatti (1685-1757), "Schönster Herr Jesu" aus dem Evangelischen Gesangbuch und Johann Philipp Kriegers (1649-1725) Vertonung aus dem Alten Testament "Singet fröhlich Gotte" erklangen, stellte auf jeden Fall die "Stabat Mater" von Antonio Vivaldi ( 1678-1741) dar. Das in zehn Hymnen unterteilte Stück ließ Joachim Stegmanns markante Stimme in filigranen Koloraturen emporsteigen, die innigen, getragenen Wiederholungen des Gesangs der Maria als leidenschaftlich-biblische Verstärkung. Mit viel Applaus wurden die beiden Musiker am Ende des Abends bedacht. Der Förderverein Kirchenmusik um seine Vorsitzende Beate Albrecht hatte tatkräftig mitgeholfen, das Konzert zu organisieren und sorgte in der Pause für leckere Häppchen. Dazu bot Uwe Müller Wein aus seiner "Refuge" an.

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Annett Spieß
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Veröffentlicht am:
08. 07. 2019
00:00 Uhr

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Autor

Annett Spieß

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Veröffentlicht am:
08. 07. 2019
00:00 Uhr



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