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Raus aus dem Netz!

Weil Eltern Fotos in sozialen Netzwerken posten, sind bereits 90 Prozent der Unter-Zweijäh­rigen im Internet präsent. Das Deutsche Kinderhilfswerk schlägt nun Alarm



 

Die Polizei in Hagen ging bereits im Mai 2015 in die Offensive: "Auch ich habe eine Privatsphäre" hieß der Slogan, mit dem die Beamten damals auf ein akutes Thema aufmerksam machen wollten. "Hören Sie bitte auf, Fotos Ihrer Kinder für jedermann sichtbar bei Facebook und Co zu posten", appellierten die Polizisten an Eltern, die ihren Nachwuchs ungeschützt vorzeigten. Der Beitrag der Polizei – damals selbst auf Facebook veröffentlicht – wurde bereits in den ersten Stunden zehntausendfach geteilt und verbreitete sich in den Tagen danach rasend schnell im Netz. Genutzt hat es scheinbar wenig. Jetzt, zwei Jahre später, fühlt sich nämlich auch das Deutsche Kinderhilfswerk in der Pflicht.

Nach deren Berechnung sind fast vier Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland von der Veröffentlichung ihrer Bilder oder Informationen über sie in sozialen Medien betroffen. Einer amerikanischen Studie zu folge sollen sogar 90 Prozent der Unter-Zweijährigen im Netz präsent sein. Und zwar weil ihre Eltern, Onkel, Tanten oder Cousinen Fotos von ihnen bei Facebook, Instagram oder anderen Netzwerken posten.

Das größte Problem: In vielen Fällen sind die Fotos in öffentlichen Profilen eingestellt und damit für jeden einsehbar. Außerdem lassen sie sich problemlos abspeichern und weiterverbreiten ohne dass der Besitzer das überhaupt bemerkt. Im Extremfall können Bilder von badenden Kindern zum Beispiel in Pädophilen-Foren und im Darknet ausgetauscht werden.

Doch auch ohne das Worst-Case-Szenarien zu bemühen, kann das Posten von vermeintlich süßen Kinderfotos schon in ein paar Jahren gar nicht mehr so lustig sein. Nämlich dann, wenn der bis dahin erwachsene Nachwuchs Kinderbilder von sich im Netz entdeckt. Waren diese früher sicher im Fotoalbum der Eltern verwahrt und sorgten höchstens beim Rumreichen am Kaffeetisch für Lacher, kann nun die halbe Welt daran teilhaben. Was auf lange Sicht mit den Daten und Fotos im Internet passiert, kann derzeit niemand sagen. Nur eines scheint sicher: Das Netz vergisst nie.

Beim Kinderschutzbund mahnt man daher an, die Persönlichkeitsrechte eines jeden zu wahren – egal wie alt dieser ist. Eltern sollten ihre Kinder immer vorher fragen, ob sie ein Foto posten dürfen. Ab dem Grundschulalter seien solche Themen diskutierbar, so die Experten.

Die Kritik am laxen Umgang mit Kinderbildern im Netz beschränkt sich übrigens nicht nur auf das Posten von Beiträgen. Wer Fotos seiner Kinder als Profil- oder Titelbild nutzt, sollte sich darüber im Klaren sein, dass diese jederzeit und von jedem über Facebook angesehen werden können.

 

So! geht’s richtig:
Fotos von Kindern in der Badewanne gehören überhaupt nicht ins Internet. Wer den Nachwuchs trotzdem bei Facebook zeigen will, sollte die Einstellungen des Beitrags überprüfen und diesen nur für Freunde freigeben. Ein kleiner Globus hinter dem Beitrag bedeutet, dieser ist öffentlich und damit für jeden einsehbar.
Wer sich unsicher ist, was er mit wem teilen will: Experten raten, Fotos der eigenen Kinder nur jenen Menschen zur Verfügung zu stellen, denen man den Nachwuchs auch im echten Leben anvertrauen würde.

 

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Steffi Wolf

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Veröffentlicht am:
23. 11. 2017
19:00 Uhr

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23. 11. 2017
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