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VW ID. R: Fahr zur Hölle!

Auf die Spitze haben sie die Elektromobilität bei VW schon getrieben. Und zwar auf die Spitze schlechthin. Beim legendären Bergrennen am Pikes Peak 2018 war der ID. R in 7:57,148 Minuten für 19,99 Kilometer mit 156 Kurven schneller als je ein Auto zuvor. Der Rekord dort sollte zeigen, was gehen kann mit Motoren, die keine Kolben haben, sondern Wicklungen.



VW ID. R  

Doch ins Museum wollen sie den ID. R nicht stellen. Im Gegenteil. Für den Sommer haben sie in Hannover, wo VW Motorsport seinen Sitz hat, eine weitere Bestmarke ins Visier genommen: den Rundenrekord für elektrisch angetriebene Fahrzeuge auf der Nürburgring-Nordschleife. From Hill to Hell könnte man sagen. Die Grüne Hölle mit ihren 20,83 Kilometern und 75 Kurven
gilt als die schwierigste Rennstrecke der Welt.

Fahrer wird auch bei diesem Vorhaben Pikes-Peak-Sieger Romain Dumas sein. Streckenkenntnis ist für ihn sicher kein Problem. Eher schon die extreme Beschleunigung und die enormen Kurvengeschwindigkeiten. Doch bis zum Sommer bleibt noch genug Zeit im Simulator.

Der ID.R ist eine futuristische Flunder. So windschnittig, dass es für Türen nicht mehr gereicht hat. Man muss übers Dach einsteigen. Wie in einen Kampfjet. Und so ähnlich geht es dann auch zu: Zwei Elektromotoren mit zusammen 680 PS und 650 Nm Drehmoment jagen das 1100 Kilo schwere Gefährt in 2,25 Sekunden auf Tempo 100. Der Start sieht aus, als hätte jemand an einem Katapult das Halteseil gekappt.

Bei VW Motorsport haben sie lange getüftelt. Man könnte spielend auch 2000 PS mobilisieren – mit einem Monstrum an Batterie. Doch das wäre womöglich nicht klug. Jedes gesparte Gramm ist wertvolle Zeit. Bei Strom zählt das Optimum aus Leistung und Gewicht. Kleiner Vorteil: Die volle Ladung muss der Akku nicht an Bord haben. Etwa 20 Prozent erzeugt der Flachmann unterwegs beim Bremsen. Ganz wie ein Serien-Stromer auch.

Selbstverständlich simulieren sie in Hannover die Rekordfahrt längst am Computer. Wieder und wieder. Und sie sind zuversichtlich unter 6:45,90 Minuten zu bleiben. Aufgestellt hat die Marke der Brite Peter Dumbreck am Steuer eines NIO EP9 im Jahr 2017 – sie entspricht einem Schnitt von knapp 185 Stundenkilometer. Vorausgesetzt natürlich, der Ring spielt mit. Das Wetter in der Eifel ist ein Glücksspiel.

Der ID. R ist der sportliche Vorbote einer ganzen Baureihe rein elektrischer Fahrzeuge, die Volkswagen ab 2020 auf den Markt bringen will. Und so sehen sie die Einsätze als klares Bekenntnis zur Elektro-Mobilität. "Ein Rundenrekord auf der Nordschleife" sagt VW-Motorsport-Chef Sven Smeets, "gilt als Ritterschlag für jedes Fahrzeug."

Seit ein paar Tagen steht der ID. R in der Werkstatt. Für die Jagd am Nürburgring muss kräftig umgebaut werden. Der Wagen braucht mehr Bremse und weniger Abtrieb. Im Unterschied zum US-Klassiker zwischen Start bei 2862 Metern und Ziel auf 4302 windet sich die Nordschleife lediglich zwischen 320 und 617 Meter über Meereshöhe durch die Eifel. Bei dem Luftdruck dort und dem deutlich höheren Tempo würde sich der ID. R sonst festsaugen.

Bleibt die Frage, ob der Flachflitzer womöglich sogar 5.19,55 Minuten knacken kann. Das ist die schnellste Zeit, die je am Ring gefahren wurde. Timo Bernhard hat sie vergangenes Jahr mit dem Le-Mans-Porsche 919 Hybrid in den welligen Asphalt gebrannt. Ein Schnitt jenseits der 200. Bei VW Motorsport schweigen sie dazu derart hart­näckig, dass es beinahe verdächtig ist…

Bei unseren Recherchen erhalten wir Unterstützung von Herstellern und Agenturen. Dies hat keinen Einfluss auf den Inhalt der Berichterstattung.

Autor

Wolfgang Plank

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Veröffentlicht am:
01. 02. 2019
15:53 Uhr

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