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Sport gewinnt Höhe

Porsche rückt den Macan näher an den 911er. Ein Exemplar mit Akku aber sucht man vergebens.



Porsche rückt den Macan näher an den 911er   » zu den Bildern

Man mag den Trend bedauern, doch wer hier zu Lande ordentlich Autos verkaufen will, muss Hochbeiniges im Programm führen. Das gilt selbst für ausgewiesene Sportwagenbauer. Da mögen alle noch so sehr vom 911er schwärmen und anderen Flachflitzern – das Geld für derlei Legenden verdienen sie bei Porsche mittlerweile mit Viertürern.

Ganz besonders mit dem Macan, von dem sie dort mehr verkaufen als von jedem anderen Modell. Ursprünglich gedacht für jene, denen der Cayenne zu ausladend daherkommt und der Carrera zu unpraktisch ist. Die gelegentlich mal neben der Spur sein wollen oder müssen – aber trotzdem so etwas schätzen wie feine Zuffenhäuser Provenienz.

Wer Hand an einen solchen Bestseller legt, haben sie sich dortselbst wohl gedacht, sollte mit höchster Behutsamkeit zu Werke gehen. Und doch ist der Neue nur oberflächlich betrachtet bloß der Alte mit LED-Licht und durchgehendem Leuchtenband am Heck.

Unterm Blech nämlich hat eine kleine Revolte stattgefunden. Porsche wrackt auch hier den Diesel ab, und so sorgt im Macan ein Vierzylinder-Turbo (245 PS) für Vorschub, im Macan S ein beatmeter Drei-Liter-Sechs-pötter (354 PS). Beide Motoren verfügen über Partikelfilter und gehen wunderbar agil zu Werke, der größere logischerweise deutlich souveräner. Ausgefallen indes ist der komplette Umsturz hin zu Macan mit Stecker. Das hätte die Plattform zwar hergegeben – nur wäre die Performance weit hinter der zurückgeblieben, die man bei Porsche für angemessen hält.

Stattdessen haben sie den Macan eher Richtung 911er getrimmt. Und das nicht nur wegen der breiteren Hinterräder. Die vorderen Federgabeln sind aus leichterem Alu, spezielle Felgen führen die Reifen präziser, das Doppelkupplungsgetriebe sortiert die sieben Gänge einen Wimpernschlag schneller, der Allrad ist noch feiner austariert, und die Bremse reagiert dank steiferem Pedal und kürzerem Weg noch feinfühliger. Anders gesagt: Der Macan hat reichlich Reserven, wo die mit Abstand meisten seiner Lenker längst an ihren Grenzen sind.

Dem kleinen Rest, der in letzte Winkel der Querdynamik vorstoßen will, sei das Luftfahrwerk samt einstellbarer Dämpfung ebenso empfohlen wie "Torque-Vectoring Plus", Keramik-Bremse (nur für Macan S) – und selbstverständlich das Sport-Chrono-Paket samt Fahrmodus-Drehregler im Original GT-Lenkrad. Da kann man die elektronische Assistenz schrittweise in die Pause schicken und auf Kopfdruck auch 20 Sekunden lang "Volle Kanne Macan" genießen. Doch Vorsicht: Macht erstens süchtig, kostet zweitens extra und drückt, drittens, Verbräuche zwischen acht und neun Litern in den Bereich der reinen Utopie.

Durchaus kein Wunder ist hingegen, dass sich bei so viel Technik der schönste Platz links vorne befindet. In passgenauem Sitz, auf Wunsch schallschutzverglast und umgeben von feinem Holz und edlem Leder. Mittig im Blick den noch immer analogen Drehzahlmesser, flankiert von gestochen scharfen Displays und einem neu gestalteten 10,9-Zoll-Touchscreen im Leinwand-Format samt Sprachsteuerung und serienmäßiger Online-Navigation. Und: Erstmals gibt’s eine beheizbare Frontscheibe ohne Drähte.

In diesem Leitstand erinnert – vom Überblick abgesehen – erst einmal wenig an ein SUV. Eher an einen Kombi auf Stelzen. Hinter der zweiten Reihe öffnen sich 500 Liter Laderaum, die sich durch Umklappen auf anderthalb Kubikmeter blähen lassen – und achtern dürfen noch bis zu 2,4 Tonnen an den Haken.

Auch für abseits des Asphalts ist der Macan ordentlich gerüstet. Zwar reicht er nicht an die Qualitäten des großen Bruders heran, bei 19 Zentimetern Bodenfreiheit (luftgefedert bis zu 23) und 30 Zentimetern Wattiefe darf einem aber schon einiges an Ungemach unter die 21-Zöller kommen.

Wer sich in Bescheidenheit übt, schrammt gerade noch an 60 000 Euro Einstiegspreis vorbei. Allerdings warten seitenweise Verlockungen, die am Ende dann sogar sechsstellige Beträge ermöglichen. Im Prinzip gibt es kaum etwas, was es nicht gibt.

Nur beim autonomen Fahren bremsen sie bei Porsche ein wenig. Selbstverständlich wahrt der Macan Abstand, Spur, Tempo und beherrscht bis Tempo 65 sogar selbstständig Stop & Go im Stau – ansonsten aber lenkt der Chef hier noch weitestgehend selbst. Zum Glück. Wer wollte so ein Auto schon irgendeinem Automaten überlassen?

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Wolfgang Plank

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Veröffentlicht am:
14. 12. 2018
16:17 Uhr

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