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Hyundai Nexo: Tröpfchenweise Zukunft

Der Hyundai Nexo macht seinen Strom selbst. Das spart Ladezeit - falls man eine Wasserstoff-Tankstelle findet.



Hyundai Nexo: Tröpfchenweise Zukunft   » zu den Bildern

Wer sich um den Antrieb der Zukunft Gedanken macht, darf etwas getrost vergessen: die deutsche Politik. Angefangen bei der Kanzlerin haben sich alle, die etwas zu sagen haben, ruckzuck auf das Akku-Auto geeinigt. Parole: Kein Auspuff - also umweltfreundlich. Der Rest? Egal. Hauptsache unter irgendwelchen Grenzwerten. Thema durch.

Nun muss man sich in Korea um die große Koalition nicht scheren. Bei Hyundai gehen sie die Sache einfach deutlich professioneller an. Auch dort bauen sie E-Fahrzeuge – mit und ohne Stecker, aber denken eben weiter. Und darum setzt der Konzern seit 20 Jahren auch auf die Brennstoffzelle. Kein anderer Hersteller treibt die Technologie so konsequent voran.

Nicht nur in der Theorie. Mit dem Nexo bringt Hyundai nach dem ix35 Fuel Cell das zweite Wasserstoff-Auto, das man ganz normal kaufen und ganz normal fahren kann. Selbst bei minus 30 Grad. Und womöglich sieht der 4,67 Meter lange Fünftürer genau deshalb ganz normal aus. Jedenfalls über dem Blech. Darunter sitzt High-Tech pur. Um die Hinterachse drei Karbon-Tanks mit gut sechs Kilo Wasserstoff, vorne eine Chemiefabrik. Sie wandelt das Gas mit dem Sauerstoff der Luft in Strom um. Übrig bleibt Wasserdampf, mehr nicht. Die Zukunft kommt tröpfchenweise.

Zu spüren ist von alledem kein bisschen. Der Nexo fährt wie jedes andere E-Auto. Lautlos und voll Drang nach vorne. Dem gewickelten Motor ist es egal, ob Saft aus Batterien kommt oder aus dem eigenen Kraftwerk. Nur Fahrers Gefühl ist besser, weil man nicht ständig auf den Akku-Stand schielen muss. Gut 750 Kilometer schafft der Nexo maximal, 666 sind’s nach dem aktuellen WLTP-Test. Im Klartext: 600 Kilometer fahren ohne zu grübeln.

Kann man hinterm Lenkrad auch gut am Stück, weil das Technologie-Flaggschiff jede Menge Komfort und Sicherheit bietet. Da thront man erhaben und kann den Blick schweifen lassen über ein Breitwand-Display, zu dem digitales Cockpit und Touchscreen imposant verschmelzen. Die Materialien sehen zwar irgendwie nicht nach Premium aus, dafür kann man sich mit dem guten Gewissen trösten, auch hier nachhaltig unterwegs zu sein: mit Zuckerrohrfasern in den Teppichen und Mais in den Verkleidungen von Türen und Dachsäulen. Nicht ohne Grund sprechen sie im Konzern vom "Future Utility Vehicle". Was Hyundai allerdings getrieben hat, dem Nexo einen Kommandostand in Kellerwandstärke zwischen die Sitze zu knallen, wüsste man schon gerne…

Sei’s drum. Für die Fahrtrichtung genügt ein Knopfdruck. Die 163 PS treiben den Nexo trotz knapp zwei Tonnen Gewicht unter zehn Sekunden auf Tempo und rauf bis 179. Gegen allzu viel Widerstand helfen versenkbare Türgriffe und ein verkleideter Unterboden. Die wahren Werte indes zeigen sich, wenn man vom Pedal geht. Eine Hochvolt-Batterie unter dem Kofferraumboden speichert – in der Stärke einstellbar – all die Energie, die sonst beim Bremsen, Ausrollen oder bergab verschwendet würde, und kann zuschießen, wenn Volllast gefordert ist.

Problem der schicken Fahrt: Das deutsche Tankstellen-Netz ist mit grobmaschig sicher nicht böswillig beschrieben. Aktuell kommt Wasserstoff aus gerade mal 44 Zapfsäulen – Ende des Jahres sollen es allerdings doppelt so viele sein, im Sommer 2019 schon 100. Zumindest entlang der Autobahnen und in vielen Städten kann man dann nachfüllen.

Das geht übrigens kinderleicht und genauso schnell wie bei Benzin oder Diesel. Aufsetzen, verriegeln, fertig. Den Rest erledigt der Automat – was auch besser ist bei 700 bar Druck. Weil den auch die Tanks aushalten müssen – und zur Sicherheit deutlich mehr – sind die Wände der zigfach Crash-getetsteten Glasfaser-Gehäuse 4,5 Zentimeter dick. Dazu kommen eine feuerfeste Ummantelung, Dichtheits-Sensoren und Notstopp-Ventile. Ein gewöhnlicher Sprit-Tank ist dagegen fast schon ein Risiko-Bauteil.

Das alles hat seinen Preis – und zusammen mit den rund 60 Gramm Platin, die in den Brennstoffzellen verbaut sind, erklärt sich ein wenig, warum der Wagen 69 000 Euro kostet. Kleiner Trost: Fast alles ist da schon an Bord. So hält der Nexo Tempo, Abstand und Spur, späht in Querverkehr und tote Winkel, wirft im Notfall selbsttätig den Anker – und parkt alleine ein und wieder aus. Sogar auf Knopfdruck und ohne dass jemand am Steuer sitzen müsste. Und knapp 1,5 Kubikmeter Laderaum stehen auch zur Verfügung.

Einziges Extra ist das 3500 Euro teure Premium-Paket. Dann sitzt man in belüfteten Sitzen unter üppiger Überkopf-Verglasung und kann sein Auto aus der Vogelperspektive sehen. Der Clou indes findet im Display statt: Setzt man den Blinker, erscheint dort das rückwärtsgewandte Bild der Außenspiegelkameras. Auch so ein Blick in die Zukunft …

Autor

Wolfgang Plank

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Veröffentlicht am:
07. 09. 2018
12:15 Uhr

Aktualisiert am:
10. 09. 2018
14:45 Uhr

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