Vor E-Mail und Whatsapp Weihnachtsgrüße per Postkarte

Der Hildburghäuser Burkhard Knittel sammelt schon seit seiner Jugendzeit Postkarten. Darunter sind neben Heimatmotiven auch solche zu bestimmten Anlässen. Burkhard Knittel hat Freies Wort einen Blick in sein Album gewährt und zeigt einige wunderschöne Weihnachtskarten.

Verschicken Sie noch Weihnachtspost? So richtig klassisch, mit einer Grußkarte per Post? Vor mehr als 100 Jahren, rund um die Jahrhundertwende konnten Weihnachtsgrüße nicht per E-Mail oder Whatsapp verschickt werden, die Menschen übermittelten ihre Grüße per Bildpostkarte. Von 1900 bis 1920 war die Postkarte das Kommunikationsmittel Nummer eins. In Deutschland stellten eine Vielzahl Verlage Postkarten her. Große Verlage gab es zum Beispiel in Dresden, Leipzig, in München, Breslau und Greiz, weiß Burkhard Knittel. Der Hildburghäuser sammelt fast ausschließlich deutsche Postkarten – auf mehreren Gebieten wie Denkmäler, Bildnisse von Königshäusern, Herzögen, Fürsten. Der 70-Jährige hat als Jugendlicher Gefallen daran gefunden, als er auf dem heimischen Dachboden ein paar schöne Karten fand. Er sammelte vor allem Karten mit Heimatbezug – von der Stadt Hildburghausen, dann vom Landkreis, auch Glückwunschkarten und Karten zu bestimmten Anlässen wie zum Beispiel den Weihnachtsfeiertagen oder dem Jahreswechsel. In einen großen Ordner hat Knittel viele solcher Karten einsortiert .

Die Blütezeit der Postkarte war von 1890 bis 1930, sagt Knittel, die schönsten stammen nach seiner Einschätzung aus der Zeit von 1890 bis 1915. Damals wurden sie noch in großer Zahl mit aufwendigen Druckverfahren, wie der Lithografie oder dem Lichtdruck hergestellt. Insbesondere – aber nicht nur – bei Glückwunschkarten wurde ein ganzes Arsenal an verschiedenen Techniken genutzt: Prägedrucke lassen einzelne Stellen der Karten erhaben erscheinen und geben der Karte eine neue Haptik. Das verwenden metallischer Farben und Lacke sorgt dafür, einzelne Bereiche hervorzuheben und die Karte als besonders wertig erscheinen zu lassen. Auf anderen Karten ist eine Beschichtung aufgetragen, die Seidenpapier imitieren soll und der Karte einen feinen Schimmer verleiht.

In Burkhard Knittels Fundus finden sich eine ganze Reihe von Weihnachtspostkarten aus der Zeit zwischen Jahrhundertwende und Erstem Weltkrieg. Bei den Motiven gibt es auch damals schon eine sehr große Vielfalt. Neutrale Motive sind darunter: winterliche Landschaften, Kinder, die im Schnee spielen, Märchenszenen. Natürlich finden sich auch christliche Motive mit Engeln in verschiedenen Variationen, Szenen von der Geburt Christi, Maria und das Jesuskind oder der Verkündigungsengel. Und selbstverständlich darf auch der Weihnachtsmann nicht fehlen. Der erscheint als der Gabenbringer mal zu Fuß, mal mit der Postkutsche, später aber auch mit dem Auto oder dem Luftschiff. Klassisch grüßt er mit Mantel, Rauschebart und Mütze von den Karten, aber interessanterweise trägt der Weihnachtsmann auch noch grüne, violette oder blaue Mäntel.

Auch in der Kriegszeit sind Weihnachtspostkarten verschickt worden. Viele Karten mit soldatischen Motiven aus der Zeit des Ersten Weltkriegs finden sich in Knittels Sammlung. Darunter auch beispielsweise eine gedruckte Weihnachtsgrußkarte aus dem Kriegsgefangenenlager im englischen Wakefield.

Eine weitere Kuriosität in Knittels Sammlung ist etwa auch die Postkarte, die 1899 mit dem Signum „Zur Erinnerung an die letzte Christnacht des XIX. Jahrhunderts“ versehen wurde und die einen Poststempel vom 25.12.1899 aus Bethlehem trägt.

Trotz – oder vielleicht auch wegen – der vielen elektronischen Kommunikationsmöglichkeiten, kommt das Verschicken von Postkarten wieder mehr in Mode, weiß der Sammler. Auch im Hause Knittel landen Postkarten nicht nur in Ordnern, sondern auch mit Briefmarke und Stempel versehen im Briefkasten: „Meine Frau schreibt schon seit vielen Jahren Karten zu Weihnachten“, sagt Burkhard Knittel.

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