Volleyball Präsentation mal anders

Ein Ball für die Fans: Anica Kutlesic führt sich bei der VfB-Anhängerschaft mit einem kleinen Geschenk ein. Fotos: Gerhard König Foto: Gerhard Koenig/Gerhard Koenig

Der VfB Suhl will sich nicht mehr kleinmachen. Die Vereinsführung ist sich sicher, dass das mit der neuen Mannschaft auch gar nicht nötig ist.

„Wir wollen keine finanziellen Luftschlösser bauen, sondern nachhaltig an die Sache herangehen“, erklärte Alexander Mantlik, warum sich die Vereinsführung vorerst dazu entschieden hat, nur elf Spielerinnen für die neue Saison zu verpflichten. Die Atmosphäre, in der Mantlik das verkündete, war eine entspannte, eine gelöste.

Ganz bewusst hatten die Verantwortlichen von Volleyball-Bundesligist VfB Suhl Lotto Thüringen diesen Rahmen an der Bergbaude Benshausen gewählt, um ihr neues Team erstmals der Öffentlichkeit vorzustellen. Kein Luxus-Hotel, dafür ein kleiner, fast familiär anmutender Rahmen war es stattdessen.

Cheftrainer Laszlo Hollosy habe ein bestimmtes Budget für die Zusammenstellung des Spielerinnenetats zur Verfügung, sagte Mantlik später gegenüber unserer Redaktion, und dieses Budget sei in dieser ein wenig niedriger als in der vergangenen Saison. „Aber ich will die Tür nicht komplett zumachen. Wenn es nötig wird, werden wir kurzfristig reagieren“, so Mantlik.

Aber wie sieht sie denn nun aus, die neue Mannschaft, mit der der VfB nun nicht nur Bundesliga, sondern auch auf europäischer Bühne im Challenge Cup spielen will. Da fragen wir am besten VfB-Teammanager Jens Haferkorn, der sie mit seinen weit verzweigten Kontakten ganz wesentlich mit zusammengestellt hat. Aber der Reihe nach. Jens Haferkorn ...

über Außenangreiferin Eva Hodanova

„Es ist ein Wahnsinn, dass wir sie nach Suhl holen konnten. Sie ist rundum ein Volltreffer für Suhl. Wir waren schon vor drei, vier Jahren an ihr dran, damals hatten wir aber das Geld nicht. Jetzt konnten wir sie von Ligakonkurrent Aachen weglotsen. Sie ist genau das, was wir im Außenangriff gebrauchen können.“

über Libera Yurika Bamba

„Sie könnte der künftige Publikumsliebling sein. Sie hat vorher in Ungarn beim ehemaligen Stuttgarter Trainer Giannis Athanasopoulos gespielt, der sie auch behalten wollte, das Management des Clubs aber nicht. Laszlo hat natürlich immer ein Auge auf die ungarische Liga und hat dann Druck gemacht, denn Yurika ist sozusagen seine Wunsch-Libera. Man muss sie einfach mal spielen sehen. Der Wahnsinn.“

über Annahme/Außenspielerin Juliette Fidon-Lebleu

„Wir sind richtig verzaubert von ihr. Sie ist eine tolle Spielerin mit einer tollen Persönlichkeit und diejenige, die Agnes Pallag im Außenangriff total ersetzen kann. In Polen hat sie 2020/21 eine Riesensaison gespielt, in Griechenland letztes Jahr dann aber nicht so schöne Erfahrungen gemacht. Eigentlich ist sie so etwas wie eine Starspielerin, auch wenn sie inzwischen als Kapitänin der französischen Nationalmannschaft zurückgetreten ist.“

über Mittelblockerin Roosa Laakkonen

„Sie war die erste, die wir im Auge hatten. Mit ihr bekommt Laszlo eine solide Blockspielerin. Ich habe sie zu einem guten Preis bekommen. Sie ist die erste Finnin beim VfB, aber sie kennt Deutschland, hat ja auch schon in der Bundesliga gespielt.“

über Mittelblockerin Jelena Delic

„Sie kann mal ein großer Star werden. Ich habe ihren Werdegang verfolgt. In der serbischen Nationalmannschaft hat sie mit Weltmeisterinnen zusammen gespielt. Jelena hat eine ungarische Managerin, Laszlo kannte sie also. Über sie und ihre Landsfrau Anica Kutlesic kann ich sagen, dass sie nicht wegen des Geldes hier sind, sondern weil sie sportlich weiterkommen wollen. Deshalb haben sie sich vor ihrer Vertragsunterschrift beim VfB auch intensiv mit Laszlo über seine Arbeitsweise und Ziele unterhalten.“

über Mittelblockerin Anica Kutlesic

„Wir hatten sie uns schon früher ausgeguckt und als sie uns angeboten wurde, haben wir zugeschlagen. Ihre Verpflichtung war der schnellste Deal, den ich je gemacht habe. Mit ihrem Manager habe ich mich auf einem Parkplatz in Oberhof getroffen, binnen zehn Minuten war die Sache erledigt. Anica spricht ein wenig Deutsch, ihr Bruder wohnt in Nürnberg.“

über Zuspielerin Yina Liu

„Ihre Verpflichtung hatte sich im letzten Jahr schon angedeutet. Es ging von ihr aus, dass sie zu uns wollte. Sie war total Feuer und Flamme für unser Projekt, und wir haben schnell gemerkt, dass sie ein guter Mensch ist. Ihre Familie – Mutter, Vater, Schwestern – ist absolut volleyball-verrückt, ihr Vater hat ja auch für die chinesische Nationalmannschaft gespielt.“

über Außenangreiferin Julia Brown

„Sie war schon in Straubing eine der Besten. Sie ist ebenfalls ein Kämpfertyp und möchte in jedem Training besser werden.“

Die Autorin vervollständigt: Zu diesen acht Neuzugängen kommen natürlich die „alten“ Hasen Danielle Harbin und Jelena Sunjic (beide Diagonalangreiferinnen) sowie Stamm-Zuspielerin Vedrana Jaksetic, die auch in diesem Jahr wieder Kapitänin sein wird. Allesamt gehen sie bereits in ihr drittes Jahr beim VfB Suhl.

Zusammen mit ihnen, da sind sich Haferkorn, Mantlik und Hollosy sicher, kann der Verein die Doppelbelastung stemmen. Als Juliette Fidon-Lebleu bei der Vorstellung in Benshausen an der Reihe war, kam auch Mantlik ins Schwärmen. „Dass sich eine solche Spielerin für uns entscheidet zeigt auch, dass wir wieder wer sind und uns nicht mehr kleinmachen müssen.“

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