Unfall mit Kettensäge Forstamt probt nahe Viernau den Ernstfall

2020 lief die jährliche Rettungsübung im Forstamtsbereich Schmalkalden nicht wie gewünscht. Die Fehler sollen sich nicht wiederholen, als diesmal die Piepser Alarm schlagen.

Viernau - Es regnet leicht und über dem Heidelberg zwischen Viernau und Bermbach hängen am Dienstagmittag dichte Nebelschwaden. Feuchtigkeit kriecht in die Kleidung der Forstleute, die dort auf ihr Opfer warten. „Kein Wetter für Waldarbeit heute“, sagt Motorsägenmann Ralf Nummer, doch zum Arbeiten sind sie nicht rausgefahren.

Die jährliche Rettungsübung nach einem fiktiven Waldarbeiterunfall steht an und die nimmt keiner auf die leichte Schulter. Vor allem nicht seit dem vergangenen Jahr. Nachdem die Übung jahrelang im Breitunger Revier stattfand, bogen die Rettungskräfte zur Premiere im Haselgrund gleich in Viernau falsch ab. Mehr und mehr wertvolle Minuten verstrichen, die ein Unfallopfer das Leben kosten können. Das soll sich nicht wiederholen, sagt Forstamtsleiter Dominik Hessenmöller. Er weiß, dass die Übung damals viele aufgeweckt hat. Die Vorbereitungen seien besser diesmal, so gebe es digitale Karten auf den Autos.

Mittlerweile ist das Opfer eingetroffen. Forstamtspraktikant Jakob König erklärte sich bereit, den verunfallten Waldarbeiter zu spielen. Übungsmanager Levin Kley von der Niederschmalkalder Schnelleinsatzgruppe (SEG) hat ihm eine pulsierende Schnittverletzung der Halsschlagader verpasst. Immer wieder wird Kley Kunstblut nachkippen, um das Ausmaß der Wunde deutlich zu machen, während er die Ersthelfer nicht aus den Augen lässt.

Zwei Waldarbeiter dürfen jetzt durch unwegsames Gelände zum Patienten. Von dort aus hat sie Revierleiter Alexander Leyh alarmiert. Sie sprechen das Unfallopfer an und beginnen mit der Erstversorgung. Irgendwie muss die Kettensäge zurückgeschlagen haben, analysieren sie. Außerdem schmerze das Becken, sagt der neben einem Baumstumpf im Dickicht liegende König. Ein dritter Waldarbeiter ist in sein Auto gestiegen und fährt zum Rettungspunkt am Waldesrand, wo er den Rettungswagen empfängt und zur Unfallstelle führt.

Wenig später trifft auch der Notarzt aus Schmalkalden und drei Mann der Steinbach-Hallenberger Feuerwehr ein. Sie halfen, den Patienten mit ihrer Rettungstrage aus dem Wald zu bringen, wird sie Kreisbereitschaftsleiter Marco Amborn in wenigen Minuten loben.

Nach dem Ausrutscher im Vorjahr lief trotz feuchtem Waldboden diesmal auch sonst alles wie am Schnürchen. Ab der Rettungswache Steinbach-Hallenberg brauchte der Rettungswagen gerade zehn Minuten, der Notarzt rund 20 Minuten aus Schmalkalden. Das sei völlig in Ordnung, so Amborn. Notarzt Tony Fuß lobt die Professionalität der Niederschmalkalder SEG für die vorbereiteten Zugänge für die Schmerzversorgung und die Diagnose einer möglichen Beckenfraktur. Das, was die Ehrenamtlichen da an den Tag legen, sei deutschlandweit nahezu einzigartig. Auch die Waldarbeiter Hendrik Radicke und Christian Wolf haben in der Erstversorgung Nerven bewiesen, so dass auch Forstamtsleiter Hessenmöller und dessen Sicherheitsfachkraft Axel Kellermann in diesem Jahr zufrieden waren.

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