Trotz hoher Corona-Zahlen TU Ilmenau will Präsenzlehre aufrecht erhalten

Eleonora Hamburg

Studierende der TU Ilmenau fordern eine Testpflicht für alle Teilnehmer von Präsenzlehrveranstaltungen. Zudem wünschen sie sich mehr Online-Alternativen in der Lehre.

Ilmenau - Trotz der steigenden Infektionszahlen plant die Technische Universität Ilmenau momentan keine Rückkehr zur Online-Lehre. „Unser Ziel ist es, den Präsenzbetrieb aufrecht zu erhalten“, sagte TU Ilmenau-Präsident Professor Kai-Uwe Sattler bereits am 18. November im Interview mit dem Studentenradio HSF. Bei einem Treffen des universitären Krisenstabs am Mittwoch bekräftigte er dies nochmals.

Der Studierendenrat (StuRa) der TU Ilmenau schaut derweil mit Sorge auf die Infektions- und
Hospitalisierungsinzidenzen als auch auf die Zahl der Personen in Quarantäne, die „immer weiter drastisch ansteigen“, wie der Leiter des Referates Hochschulpolitik des StuRa, Marc Schlagenhauf, mitteilte. „Studierende, welche aktuell in Quarantäne sind oder Kontakte weitestgehend meiden wollen oder müssen, verpassen aktuell in Fächern, welche nur in Präsenz stattfinden, zwangsweise prüfungsrelevante Inhalte“, beschrieb er die Situation.

Mit einer Liste an Forderungen wandte sich der StuRa diese Woche an das Präsidium der TU Ilmenau. An erster Stelle steht dabei, für jedes Modul ein äquivalentes Hybrid- oder Onlineangebot zur  Verfügung zu stellen. Einzige Ausnahme: Veranstaltungen wie zum Beispiel Laborpraktika, welche  ausschließlich in Präsenz stattfinden können. „Hybrid- oder Onlineangebote sind eine notwendige Maßnahme, um den Studienfortschritt der Studierenden nicht weiter zu riskieren“, so Schlagenhauf. „Wenn Studierende frei entscheiden können, ob sie in Präsenz oder Online an der Lehre teilnehmen können, würde sich die Lage deutlich entspannen.“

Auch die Juso Hochschulgruppe fordert aufgrund von steigenden Inzidenzen und Impfdurchbrüchen die Abkehr von reinen Präsenzveranstaltungen. „Präsenz ist in Seminaren, Übungen und Praktika häufig sinnvoller, teilweise auch notwendig. Zumindest Vorlesungen sollten aktuell allerdings durch Aufzeichnungen und Live-Streams ersetzt werden“, sagte Lukas Staab, Sprecher der Juso Hochschulgruppe.

Der StuRa berichtet zudem von unzureichenden Kontrollen der 3G-Regel und der Eintragung in die Kontaktnachverfolgung bei Lehrveranstaltungen. Studierenden säßen zum Teil in
kleinen Seminarräumen ohne den Mindestabstand einzuhalten und ohne ausreichend Lüftung, in denen die geltende Maskenpflicht nicht flächendeckend durchgesetzt werde. Auch die Juso Hochschulgruppe Ilmenau bestätigte diese Problematik und vermeldete, dass eine 3G-Überprüfung nur noch selten, in einigen Veranstaltungen sogar gar nicht mehr durchgeführt werde. Bereits Anfang des Monats berichtete der überparteiliche Dachverband von Studierendenvertretungen in Deutschland, fzs, dass der 3G-Status bundesweit an Hochschulen nicht gewissenhaft genug überprüft werde. Diesbezüglich verweist die TU Ilmenau auf den Hörsaalpass (Freies Wort berichtete), der den Status eines jeden Studierenden dokumentiert, sowie auf geltende Abstandsregeln. „Alle Lehrkräfte wurden mehrfach dazu angehalten, auf die Einhaltung der Abstandsregeln hinzuwirken. Wenn nicht immer alle Studierenden sich daran halten, ist das Präsidium der falsche Adressat der Kritik“, sagte ein Sprecher der Universität. Vielmehr müsse auf die eigenen Kommilitoninnen und Kommilitonen hingewirkt werden, bestehende Schutzregelungen einzuhalten. 

Nach einer Sitzung des Krisenstabs reagierte die TU Ilmenau auf die Situation und verschärfte die Corona-Regeln. So gilt demnächst in allen Lehrveranstaltungen eine generelle Pflicht zum Tragen einer FFP2- oder medizinischen Gesichtsmaske. Zudem sind Selbsttests nur noch 48 Stunden lang gültig. Eine Reduzierung der Präsenzlehre sei derzeit jedoch nicht in Planung, teilte ein Sprecher der TU Ilmenau mit. Denn: Das Infektionsschutzkonzept der Universität habe sich als sehr wirksam herausgestellt. „Angesichts nur sehr weniger gemeldeter Infektionsfälle und keinerlei Infektionsketten - wir wenden ein elektronisches Erfassungssystem an, dass uns die Rückverfolgung von Infizierten erlaubt - halten wir derzeit daran fest, dass das Wintersemester 2021/22 in der Regel in Präsenzlehre stattfindet.“ Dies sei aber kein Dogma: Lehrveranstaltungen, die sich ebenso gut online abhalten lassen, würden de facto schon jetzt nicht in Präsenz abgehalten. Für Veranstaltungen mit über 100 Teilnehmern sei grundsätzlich Onlinelehre vorgesehen. Die weitgehende Präsenzlehre erscheine angesichts einer Impfquoten bei Studierenden und Beschäftigten von über 85 Prozent weitestgehend sicher.

„Die Äußerungen des StuRa gegen Präsenzlehre spiegeln unserer Meinung nach nicht die Meinung der gesamten Studierendenschaft wider. Die Universitätsleitung erhält durchaus auch Rückmeldungen von Studierenden, die nicht wieder in den reinen Online-Modus zurückkehren wollen. Insbesondere für Studienanfänger hielten wir dies auch für sehr nachteilig“, teilte die TU Ilmenau mit.

„In den vergangenen Monaten war die Universität ein sehr sicherer Ort“, sagte TU Ilmenau-Präsident Kai-Uwe Sattler im Interview mit dem HSF. Zudem verwies er auf den Bildungsauftrag, der durch Online-Lehre alleine weniger gut erfüllt werde. „Wir sehen das an den Prüfungsergebnissen und an dem Studienerfolg allgemein“, erklärte er. Sollten sich jedoch Infektionsketten bilden, werde man entsprechend reagieren. Die Präsenzlehre werden dann eingestellt, sollte der TU Ilmenau der Lehrbetrieb seitens des Landes oder des Kreises untersagt werden, sagte der TU Ilmenau-Sprecher. Dies sei jedoch nach derzeitigem Stand nicht zu erwarten.

Für den StuRa reichen die verschärften Regeln in der Lehre nicht aus. Die Studierendenvertretung fordert, dass Teilnehmer bei allen Präsenzveranstaltungen ein negatives Testergebnis, unabhängig vom Impf- oder Genesenenstatus, vorweisen müssen. „All diejenigen, die weiterhin in Präsenz an der Lehre teilnehmen, sollten alle Maßnahmen - 3G-Regeln plus Testung aller sowie AHA+L+A-Regeln (Abstand, Hygiene, Alltagsmaske, Lüften und App) - zum Schutz von sich und anderen umsetzen“, so Marc Schlagenhauf.

 

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