Tischtennis-Regionalliga Zella-Mehlis macht die Waschbären nass

Zu zweit ist einfach nichts zu holen – auch nicht für Kazimierz Wiszowaty und Tomasz Urbanski (rechts). Foto: frankphoto.de/Karl-Heinz Frank

Vor einem Jahr noch chancenlos, jetzt gleich im ersten Spiel ein Sieg. Der TTC Zella-Mehlis hat seine allerersten Punkte in der Tischtennis-Regionalliga geholt – gegen eine Münchner Waschbären-Truppe.

Zella-Mehlis - Am Wochenende ist der neu gegründete Tischtennisclub (TTC) Zella-Mehlis in die neue Saison in der 4. Liga gestartet. Und viel besser hätte der Start für den Neuling nicht verlaufen können. Gegen die erfahrene Münchener Truppe der SpVgg Thalkirchen, die seit dem Aufstieg 2017 in die Regionalliga unter dem Spitznamen „Raccoon Rackets“ (Waschbär-Schläger) aufschlägt, hieß es am Ende 6:4 für die spitznamenlosen Südthüringer.

Dabei betonte Vereinschef Marc Wünsche noch vor dem Spiel, dass man der leichte Außenseiter sei. Um das Ziel Klassenerhalt zu schaffen, müsse man vor allem bei Heimspielen stark sein und die kleinen Chancen, die sich bieten, nutzen, so Wünsche.

Danach sah es bei den Doppeln zunächst nicht aus. Wasylkowski/Krebs fanden nie richtig ins Spiel und mussten ihren Gegner zu einem klaren 3:0 gratulieren. Urbanski/Wiszowaty verloren nach gewonnenem ersten Satz die folgenden drei, alle nur mit zwei Punkten Unterschied.

Was aber folgte, waren bärenstarke Einzelleistungen. Es startete die Zella-Mehliser Nummer eins Nestor Wasylkowski gegen Daniel Weber. Für den 29-jährigen Polen ist es bereits das dritte Jahr in Zella-Mehlis. Wasylkowski bewies von Anfang an, dass er auch in dieser Spielzeit zu den besten Spieler der Liga gehören möchte. Er holte einen 3:0-Sieg.

Am Nebentisch kam es zur ersten Überraschung des Abends. Denn Zella-Mehlis’ neu verpflichteter Altmeister Kazimierz Wiszowaty schlug mit viel Ballgefühl und Spielübersicht die Nummer eins der Gäste, Michael Dudek, mit 3:1.

Die Last-Minute-Verpflichtung scheint sich schon jetzt als Glücksgriff zu erweisen. Erst zwei Tage vor Ende der Wechselfrist hatten die Zella-Mehliser den 53-jährigen Polen aus Breslau entdeckt.

Die Kaderplanung, erzählt Marc Wünsche, sei im zweiten Corona-Jahr eine der schwierigsten Aufgaben gewesen. Um gut auf die neue Saison vorbereitet zu sein, mussten die Planungen idealerweise schon im Februar beginnen. Doch wie sollte man etwas planen, wenn niemand weiß, was in der Zukunft überhaupt sportlich möglich ist? Erst recht, wenn die Spieler nicht um die Ecke wohnen, sondern aus dem Ausland einreisen müssen. Und obwohl die Saison erst im September beginnen sollte, sei an der Wechselfrist mit dem finalen Stichtag 31. Mai nicht gerüttelt worden, moniert Marc Wünsche. „Das war eine schwierige Zeit.“ Und entsprechend lange dauerte die Suche nach geeigneten Spielern.

Im Fall von Kazimierz Wiszowaty scheint sie sich gelohnt zu haben. Nach seinem 3:1-Sieg hatte der Gastgeber in der Zella-Mehliser Dreifelderhalle zum 2:2 ausgeglichen und legte im zweiten Paarkreuz nach.

Tomasz Urbanski zeigte eine starke Leistung und schlug Matthias Ziermeier klar mit 3:0. Am Nebentisch spielte Südthüringens Top-Talent Alexander Krebs gegen Christian Cavatoni, dessen unangenehm zu bespielender Noppenbelag schon für Diskussionsstoff in Internetforen sorgte. Krebs konnte sich aber gut auf die Spielweise von Cavatoni einstellen und erkämpfe sich eine 2:1-Satzführung. Cavatoni glich aus und es kam zum Entscheidungssatz. Krebs behielt die Nerven und sicherte dem TTC den vierten Punkt und sich selbst den ersten Regionalliga-Einzelsieg seiner noch jungen Karriere.

TTC-Nummer eins Nestor Wasylkowski fuhr mit einem 3:0 gegen Dudek den nächsten Punkt ein. Somit hatte Zella-Mehlis das Unentschieden sicher. Der erste Punkt in der Regionalliga war also geschafft.

Und es wurde noch mehr: In den letzten beiden Spielen des Tages traten Urbanski gegen Cavatoni und Krebs gegen Ziermeier an. An beiden Tischen sah es zunächst nicht gut aus, Urbanski kam mit dem Noppenspiel von Cavatoni nicht direkt zurecht und lag schnell mit 0:2 zurück. Doch der Pole kämpfte sich unter dem tobenden Applaus der rund 75 Fans zurück bis in den fünften Satz – unterlag dort allerdings.

Somit waren alle Augen auf Alexander Krebs gerichtet. Auch im letzten Spiel der Begegnung sah es zunächst nicht gut aus, bis TTC-Coach Marc Wünsche in einer Auszeit die Taktik umstellte. Das Ergebnis: Der 16-jährige Schmalkalder löste es bravourös und holte den Siegpunkt für den TTC, dem mit dem 6:4 der erste Sieg in der Regionalliga gelang.

 

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