Die Spendenaktion der Gehrener Feuerwehr und des Feuerwehrvereins lief schnell auf Hochtouren, wo dann Sabine Krannich, Mitarbeiterin der Stadt für Seniorenbetreuung im benachbarten Haus der Begegnung, die Annahme und Organisation übernommen hatte. "Das ging beinahe automatisch vor sich", sagt Sabine Krannich, die Katja Stieler und Kristin Micka vom Feuerwehrverein seit langem kennt. Den letzten Ausschlag gab dann Bürgermeister Ronny Bössel, der sie beauftragte, sich um Unterbringung der Familie Schneider und um die Spenden zu kümmern. Sogar Sabine Krannich war ein wenig von der großen Welle der Hilfsbereitschaft der Gehrener überrascht.
Enorme Hilfsbereitschaft
Diese Überraschung stapelt sich jetzt in Form von Kisten und Kartons auf den Treppen und Fluren im kleinen Häuschen von Sabine Krannich. "Mit Ulrike stehe ich natürlich ständig in Kontakt, damit wir mit den Spenden zielgerichtet helfen können. Mit Sachen in den richtigen Größen zum Beispiel." Die Hilfsbereitschaft der Menschen nicht nur aus Gehren war enorm. So boten ihnen Bekannte aus einem Ilmenauer Autohaus, Norbert und Yvonne Zeise, eine Unterkunft in ihrer Arbeitswohnung in Unterpörlitz an. "Wir hatten eigentlich nur nach einem Auto für die nächsten drei Wochen gefragt", erzählt Bruno Schneider. "Aber als sie erfuhren, worum es ging, haben sie uns das Auto für diese Zeit gleich kostenlos überlassen und uns auf die Wohnung aufmerksam gemacht. Es ist schön, dass es solche Hilfe gibt. Jetzt können wir langsam wieder nach vorn schauen", so beide übereinstimmend. Mutter Irmgard ist inzwischen bei ihrer Tochter in Unterpörlitz untergekommen.
Nach vorn schauen, dass heißt für sie vor allem, wieder ihrer Arbeit nachzugehen und dann über weitere Schritt nachzudenken. Schon am siebten Tag nach dem Brand ging die gelernte Finanzkauffrau Ulrike Schneider wieder ihrer Arbeit in einer Spielothek nach und auch ihr Mann Bruno, ein selbstständiger Elektroinstallateur, machte sich nach einer Woche wieder auf zu einer seiner Baustellen in Mainz. "Wenn ich im Geschäft bleiben will, und das will ich, muss ich zurück auf diese Baustelle und muss die anderen Projekte weiter vorbereiten", stellt er trocken fest.
Ein schlimmes Jahr
Im Gasthaus "Zum Steinbruch" kamen Ulrike und Bruno Schneider in der Brandnacht jedenfalls erst einmal zur Ruhe. Schlafen konnten sie nicht. Ihre Gedanken arbeiteten unentwegt. Das große Feuer ihres Hauses war für sie eine Art Schlusspunkt hinter einem schlimmen Jahr. "Von August des vergangenen Jahres bis zum Januar hatten wir in der Verwandtschaft sechs Todesfälle zu betrauern. Darunter im Januar meine Schwiegermutter Erika, die im Dachgeschoss unseres Hauses gewohnt hatte", erzählt Bruno Schneider nachdenklich.
"Wir sind keine Typen, die aufgeben", sagt ungewohnt burschikos seine Frau. Ein klein wenig Mut machte ihnen dabei auch die Mitteilung der Kriminalpolizei, dass der Auslöser des Brandes ein technischer Defekt gewesen war, und die Versicherung ankündigte, entsprechend der Hausrat-, der Gebäude- und der Auto-Versicherung dafür aufzukommen.
Einer der nächsten Gedanken galt allerdings schon wieder dem Haus, dem abgebrannten wie einem vielleicht neuen. Das alte Haus hatten sie im Jahr 2000 gekauft und innerhalb von zwei Jahren umgebaut und saniert: "Jede freie Minute hat Bruno am Haus gebaut, jede freie Minute, er hat sich nichts gegönnt", blickt Ehefrau Ulrike zurück. "Es stand zuvor viele Jahre leer und war schon richtig zugewachsen. Die Brennnesseln standen zwei Meter hoch", so Ulrike Schneider, "Ich glaube, die Stadt war schon ein wenig froh, als wir das alte Haus übernommen hatten." Seinen Erstbezug hatte es im Jahr 1908, das Ehepaar Schneider machte aus ihm wieder ein Schmuckstück. Ins Erdgeschoss zog Bruno Schneiders Mutter Irmgard, ins Dachgeschoss zog Ulrike Schneiders Mutter Erika, das Geschoss dazwischen bezogen sie beide.
"Das war die Stelle, die unser Zuhause war. Dort hatten wir früh die Sonne", erinnert sich Ulrike Schneider versonnen und ihr Mann berichtete von Bekannten, die ihm sagten: "Sobald Du mit dem Haus loslegst, sag' Bescheid. Ich bin dabei." Drei bis vier Wochen wollen das Ehepaar Schneider noch warten, ehe sie wieder loslegen und wissen, was werden soll. Mut macht ihnen dabei ein kleiner Spendenbrief aus der Grundschule: Philipp aus der Klasse 1a schrieb, dass er für sie sein Sparschwein geschlachtet hat: "Schlimm, was Euch passiert ist, aber Ihr baut das Haus ja wieder auf!"