Thüringen Zur Wolfsabwehr - Projekt setzt auf Herdenschutzhunde bei Ohrdurf

Die Diskussion um die Ohrdrufer Wölfin und ihre sechs vermeintlichen Wolfs-Hybriden polarisieren die Thüringer. Es gab offenbar schon Morddrohungen gegen Jäger. Foto: dpa

Die Zahl der Wölfe mit festem Revier in Thüringen ist überschaubar. Die Zahl der Schafe, die von den streng geschützten Wölfen gerissen wurden, dagegen deutlich höher. Nun soll erprobt werden, ob eine weitere Tierart Entspannung in die Situation bringen kann.

Sogenannte Herdenschutzhunde können Schafe vor Wölfen schützen. Wie die Tiere auch Schäfer in Thüringens Wolfsgebiet bei Ohrdruf unterstützen können, das soll nun mit einem Pilotprojekt herausgefunden werden. Die Naturforschende Gesellschaft Altenburg soll das vom Umweltministerium geförderte Vorhaben umsetzen. Starttermin für das auf drei Jahre angelegte Projekt ist der 1. Juli, wie ein Sprecher des Umweltministeriums erklärte.

«Für uns ist klar: Wir brauchen ein gutes Gleichgewicht zwischen dem Schutz von Wölfen und von Herdentieren», sagte Umweltministerin Anja Siegesmund. Die Grünen-Politikerin betont immer wieder die Bedeutung von Weidetierhaltung für den Erhalt von artenreichen Kulturlandschaften. Mit dem neuen Angebot solle die Hemmschwelle für den Einsatz von Herdenschutzhunden gesenkt werden. «Wir wissen jetzt schon: Dort wo Herdenschutzhunde in Thüringen bereits im Einsatz sind, melden uns die Schafhalter bislang hundertprozentigen Erfolg. Das wollen wir jetzt im Ohrdrufer Gebiet deutlich hoch fahren.» Erste Schäfer seien dort dazu nun bereit.

Gut ausgebildete Herdenschutzhunde seien ein wirksames Mittel, um Herden vor Wolfsübergriffen zu schützen, wie Erfahrungen aus anderen Ländern und Bundesländern belegen. «Ein sicherer und erfolgreicher Einsatz von Herdenschutzhunden will aber gelernt sein und stellt eine neue Herausforderung für WeidetierhalterInnen dar», erklärte Ministeriumssprecher Tom Wetzling.

Mit dem Pilotprojekt könnten die Schäfer zunächst zu Möglichkeiten und Bedingungen vor der Anschaffung von Herdenschutzhunden beraten werden. «Dann schließt sich die Integrationsphase an, in der die Hundeteams in die jeweiligen Herden und Betriebe kommen.» Verlaufe das Projekt im jeweiligen Betrieb gut, könnten die Tiere im Betrieb bleiben.

Zunächst seien etwa 115 000 Euro für das Projekt vorgesehen. Bei den ins Auge gefassten Herdenschutzhunderassen handelt es sich um Pyrenäenberghund und Maremmano Abbruzzese. Das Umweltministerium fördert bereits Maßnahmen zum Schutz von Nutztieren vor Wölfen. So werden etwa Kosten für Schutzzäune und bereits auch Anschaffung von Herdenschutzhunden übernommen.

Auf dem Truppenübungsplatz bei Ohrdruf lebt seit einigen Jahren eine Wölfin. In der Vergangenheit hat sie nachweislich immer wieder auch spezielle Herdenschutzzäune überwunden, Schafe gerissen und den deren Haltern größeren wirtschaftlichen Schaden beschert. Durch ihr Verhalten ist die eigentlich streng geschützte Wölfin per Ausnahmegenehmigung auf die Abschussliste gekommen. Aktuell darf sie aber nicht geschossen werden, da sie vermutlich Junge hat. Seit einiger Zeit hat sich ein Wolfsrüde zu ihr gesellt.

Zudem läuft auch noch ein juristischer Streit um den Abschuss. Unter anderem argumentieren Vertreter des Naturschutzbundes (Nabu) und BUND Thüringen, dass noch nicht alle Alternativen zu einem Abschuss ausgeschöpft worden seien. Die Naturschützer verweisen etwa immer wieder darauf, dass Herdenschutzhunde dort eingesetzt werden sollten. dpa

 

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