Um zwölf wird es windig. Aus den einzelnen Böen, die bis dahin durchs Saaletal bei Hollstadt gerauscht sind, wird mittags eine steife Brise. Kurzärmlig krabbeln Silvio Krech und seine Männer deshalb auch im Sommer nur selten unter einer Autobahn herum. Sie tragen Arbeitsschutzanzüge mit breiten Reflektorstreifen; vier Meter über ihren Köpfen zischen Autos und Lastwagen mit Tempo 80 Richtung Schweinfurt.
Hier unten, unter dem breiten Bauch der Brücke, hören sie den Verkehr auf der A 71 nur noch gedämpft. Hier unten schlagen Krech und seine drei Kollegen mit Hämmern gegen hellgrauen Beton. Plink-plink-plink-plink, ein helles Geräusch, wenn mit der Brücke alles in Ordnung ist. Plong-plong-plong, wenn sich eine Hohlstelle unter der glatten Oberfläche verbirgt. Plong-plong-plink, Krech tauscht den Hammer gegen einen gelben Fettstift, zieht eine Linie um den schadhaften Bereich, schraffiert ihn mit vier schnellen Linien und malt die Buchstaben HS daneben.