Saalburg-Ebersdorf - Die Bässe wummern, der Sand vibriert am Ufer des Bleilochstausees. Scheinwerfer blitzen und blinken. Zehntausende Techno-Fans tanzen unter sternenklarem Himmel - viele von ihnen die ganze Nacht durch. Das ostthüringische Saalburg-Ebersdorf ist alle Jahre wieder drei Tage lang ein Anziehungspunkt für Fans elektronischer Musik: Nach Angaben der Veranstalter ist das Techno-Festival «SonneMondSterne» das größte seiner Art in Deutschland. Die 35 000 Karten waren laut Festival-Sprecher Markus Ohm bereits ein halbes Jahr vorher ausverkauft. Am Sonntag ist das Musikspektakel zu Ende gegangen.

Im Ortsteil Saalburg ist eine kleine Zeltstadt entstanden. Die in Grün, Gelb oder Blau gehaltenen Schlafgelegenheiten stehen dicht an dicht an einem Berg - mit Blick auf den Stausee. Dazwischen Autos und Wohnwagen. «Wenn es schlecht kommt, brauchen wir bei der Abreise drei Stunden, um wieder auf die Straße zu kommen», glaubt Martin aus Dresden. Der 26-Jährige sitzt am Samstagabend mit Freunden an seinem Zelt. Nebenan kegelt eine Gruppe aus Stuttgart. Sie versucht, mit einem Ball eine Wasserflasche zu Fall zu bringen.


Die Stimmung ist ausgelassen, außerhalb des Festivalgeländes wie auch auf der Tanzfläche. Sieben Bühnen sind entlang des Ufers aufgebaut. Mehr als 150 Künstler treten auf, darunter Szene-Größen wie Paul Kalkbrenner, Sven Väth und David Guetta. Das Festival feiert mittlerweile die 20. Auflage. «Beim ersten Mal waren es 2000 zahlende Besucher und 1500, die so über den Zaun gehüpft sind», erinnert sich Ohm. Mit 35.000 Fans sei nun das Maximum erreicht. «Uns geht es auch um Komfort.» Die Fans sollen genügend Platz beim Tanzen haben.

Platz wird auch für die Zeltstadt gebraucht. «Bis zu 65 Hektar sind es», schätzt Bürgermeister Volker Ortwig (FDP). Die Kleinstadt im Saale-Orla-Kreis profitiere vom Festival. «So viel Werbung für uns könnten wir selbst finanziell nicht stemmen.» 900 Menschen wohnen in Saalburg, das überwiegend vom Tourismus lebt. «Rundherum sind alle Hotels und Zimmer ausgebucht», erzählt Ortwig. Diesmal heiratete sogar ein Pärchen auf dem Festival. Es habe sich bei «SonneMondSterne» kennengelernt, so der Bürgermeister.

Während die einen tanzten und mitunter reichlich Alkohol schluckten, hielten andere ein waches Auge auf die Sicherheit. Nach den jüngsten Anschlägen in Deutschland und Frankreich hatten die Veranstalter die Besucher zu mehr Wachsamkeit aufgerufen. «Auf ein Rucksack-Verbot haben wir verzichtet», sagt Ohm. «Kopfschmerzen und graue Haare» habe er nach den Vorfällen bekommen, erzählt Bürgermeister Ortwig. Er genehmigte das Festival. Immer wieder wurden Taschen kontrolliert.

Auch Drogenfahnder haben beim Festival jedes Jahr viel zu tun. Bis zum frühen Sonntagmorgen wurden laut Polizeisprecher Eddy Krannich 302 solcher Delikte festgestellt und damit deutlich mehr als im vergangenen Jahr. Die Beamten stellten dabei die ganze Bandbreite an Drogen sicher, vor allem aber Cannabis, Ecstasy und Amphetamine. Es habe sich hauptsächlich um geringe Mengen gehandelt.

Krannich: «Alles in allem war die Veranstaltung friedlich.» Neben den Drogenfunden seien etwa 60 weitere Straftaten registriert worden, wie Beleidigungen, Sachbeschädigungen und Körperverletzungen.

Alle Hände voll zu tun haben am Samstagabend die Sanitäter um Einsatzleiter Hartmut Jacobi. Mehr als 1000 Einsätze seien es bis dahin bereits gewesen, erzählt er. 50 Besucher seien ins Krankenhaus gebracht worden. «Keiner von ihnen war schwer verletzt», sagt Jacobi.

Wenige Fußminuten vom Festival-Gelände entfernt erweist sich Matthias Elster als letzte Hoffnung für Tanzwütige mit leerem Handy-Akku. An Mehrzwecksteckdosen stecken einige Typen von Ladegeräten. Während er die Bratkartoffeln in der Pfanne brät, schimpft er: «Zweieinhalb Wochen vor und nach dem Festival kommen keine Touristen.» Elster repariert Motorboote. «Entweder machen wir sechs Wochen zwangsweise Urlaub oder wir beteiligen uns.» 18 Stunden am Tag hat sein Imbiss geöffnet. «Die Leute, die zu uns kommen, sind aber in Ordnung.»

Ähnlich sieht es Dauer-Camperin Helke Janicke (72) aus Jena, deren Wohnwagen in Sichtweite zu den Bühnen steht. Seit 20 Jahren hört sie sich das Festival an. «Ich glaube, dass es leiser geworden ist.» Es könne aber genauso gut daran liegen, «dass ich schlechter höre».