Erfurt - Als draußen die Protestierenden ihre Schilder mit der durchgestrichenen Moschee darauf in die Luft halten und ein Lautsprecher ihre anti-islamische Parolen verstärkt, weil im Inneren eines großen Zeltes die Grundsteinlegung für Thüringens ersten Moschee-Neubau gefeiert wird, da spricht Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow in diesem zugigen Innenraum über das Judentum. Vor etwa 150 Jahren, sagt der Linke, sei in Deutschland an vielen Orten eine ähnlich hasserfüllte Stimmung zu spüren gewesen. Als damals Synagogen gebaut worden seien. Einige Jahrzehnte später, sagt Ramelow vor all den Muslimen im Inneren dieses Zeltes, habe diese Stimmung dann zur industriellen Vernichtung von Juden geführt; zur Shoa, jenes Zivilisationsbruchs, der 1938 mit den Novemberpogromen eine grausame Wegemarke erreicht hatte. Erst vor wenigen Tagen war deutschlandweit an den 80. Jahrestag dieser ebenso zerstörerischen wie oft tödliche Übergriffe Juden und auf jüdisches Leben erinnert worden.