Erfurt - Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) ist am Sonntag in die USA gereist. Er will dort Wirtschaftskontakte ausbauen und für die Feierlichkeiten «500 Jahre Reformation» sowie das Jubiläum «100 Jahre Bauhaus» im Jahr 2019 werben, wie die Staatskanzlei in Erfurt mitteilte. Ramelows Ziele der einwöchigen Reise sind Städte wie Rochester, Detroit, Chicago und New York. Er wird dort mit Politikern, Wissenschaftlern, US-Unternehmern und Kirchenvertretern zusammentreffen.
Der Regierungschef wird begleitet von Landtagsabgeordneten sowie Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) und einer 40-köpfigen Wirtschafts- und Wissenschaftsdelation. Beim Ausbau der Wirtschaftskontakte geht es vorrangig um Optoelektronik und die Automobilzuliefer-Industrie.
Die USA ist laut Staatskanzlei der wichtigste Handelspartner Thüringens außerhalb Europas. Thüringen hat nach Angaben von Tiefensee 2016 erstmals Waren im Umfang von mehr als einer Milliarde Euro in die USA exportiert. «Das ist einer neuer Ausfuhrrekord und hat wesentlich zum derzeitigen Höhenflug der Thüringer Exportwirtschaft beigetragen», erklärte der Minister. «Dennoch ist der amerikanische Markt für uns kein Selbstläufer», gab Tiefensee angesichts der «America-first»-Strategie des US-Präsidenten Donald Trump zu bedenken.
Es müsse dem eine Investitions- und Exportoffensive entgegengesetzt werden, um die langjährigen guten Beziehungen in die USA weiter auszubauen. Dies wolle die Thüringer Delegation auf Ebene der Bundesstaaten erreichen. Ziel sei es, sowohl neue Geschäftskontakte zu knüpfen als auch neue Forschungs- und Hochschulkooperationen anzuschieben. In der ältesten und wichtigsten Industrieregion im Nordosten der USA, die stark vom Automobilbau geprägt sei, seien der technologische Wandel und die Zukunft der Autoindustrie ein Thema.
355 Thüringer Unternehmen haben derzeit Exportbeziehungen in die USA, 30 haben Niederlassungen oder Anteile an Unternehmen in den USA. Die Jenoptik AG beispielsweise habe erst vor wenigen Tagen die Eröffnung eines neuen Produktionsstandortes für Messtechnik und Laserstrahlen in Rochester Hills nördlich von Detroit bekanntgegeben, hieß es. dpa
Die USA sind zudem größter Auslandsinvestor im Freistaat. Seit 1990 haben die USA mit 2,2 Milliarden Euro Investitionen etwa 11 000 Arbeitsplätze geschaffen.