Es geht nicht um Luxus - es geht ums Geld. Die Mitarbeiter wollen wie auch bisher an die Tarifvereinbarungen der Branche gebunden sein.

Dass die Thüringer Tarife schon nicht übertrieben seien, macht einer der Köche deutlich: "Alle Jahre wieder wird an die deutsche Einheit erinnert, aber hier liegen die Gehälter noch immer 400 bis 500 Euro unter denen im Westen." Und der Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) in Thüringen, Jens Löbel, ergänzt: "Die Niedriglöhne sind am Ende auch die Ursache von Altersarmut."

Passend dazu sollen am Donnerstag die landesweiten neuen Tarifverhandlungen für die Branche in Thüringen beginnen. Falls hier ein Abschluss mit Gehaltserhöhungen herauskommt, wären die Panorama-Mitarbeiter nicht mehr automatisch dabei. Die Ahorn-Hotelgruppe, die im Dezember das Panorama vor einer drohenden Schließung durch den vorherigen Besitzer gerettet hatte, ist nicht tarifgebunden - auch andere Häuser wie das Berghotel in Friedrichroda (Kreis Gotha) oder das Hotel am Fichtelberg in Sachsen nicht.

"In den 33 Jahren, in denen ich hier bin, war das Panorama immer tarifgebunden, als Interhotel wie als Treff-Hotel oder bei den H-Hotels", sagt eine Mitarbeiterin. Und Gewerkschaftsvertreter Löbel weist darauf hin, dass es angesichts des Fachkräftemangels unverständlich sei, dass sich ausgerechnet das größte Hotel in Oberhof der Tarifbindung entziehe. Gerade auch mit der angekündigten Ansiedlung eines Luxus-Familienhotels in Oberhof könnte sich die Nachfrage nach gut qualifizierten Mitarbeiter der Branche am Rennsteig deutlich steigern. Schon jetzt, so berichten Mitarbeiter, seien in allen Bereich des Hauses Stellen ausgeschrieben. Und es ist auch bekannt, dass viele vor allem jüngere Leute der Branche in den Westen oder auch nach Österreich gegangen sind, wo sich mehr Geld verdienen lässt.

Laut Tarifvertrag liegt der Stundenlohn eines Kochs in Thüringen derzeit bei 10,08 Euro. Die Gewerkschaft fordert in den Tarifverhandlungen mindestens 12,40 Euro, um zu "armutsfesten" Gehältern in der Branche zu kommen.

Von Seiten der Gewerkschaft hieß es, man habe die Geschäftsführung schon vor einem Monat aufgefordert, Gespräche über die Anerkennung der Tarifverträge im Thüringer Gastgewerbe aufzunehmen, doch es sei nichts passiert. Demgegenüber wird in einer Pressemitteilung, die die Geschäftsführung am Nachmittag verschickt, mitgeteilt, dass der Gewerkschaft am Montag drei Terminvorschläge für solche Gespräche übermittelt worden seien. An dem Tag war auch die Ankündigung des Warnstreiks durchgesickert. Die Aussicht auf Gesprächstermine führte am Dienstag schon dazu, dass der Warnstreik bereits nach einer statt den geplanten zwei Stunden beendet wurde.

In der Mitteilung von Geschäftsführer Michael Bob wird beteuert, dass mit der Übernahme des Hotels durch die Ahorn-Gruppe 80 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer vor dem Verlust ihrer Arbeitsplätze bewahrt worden seien, dazu auch viele Arbeitsplätze bei Dienstleistern und Lieferanten aus der Region. Die Gästezahl sei aufgrund des nicht mehr zeitgemäßen Zustandes und baulicher Mängel rückläufig, deshalb habe man sofort nach der Übernahme mit der Modernisierung verschiedener Bereiche begonnen. Die "neue positive Entwicklung innerhalb der Belegschaft in Bezug auf sichere Arbeitsplätze zu guten Konditionen wird beeinträchtigt", heißt es in der Mitteilung.

Das einstige Interhotel Panorama war Anfang Dezember von der Gruppe H-Hotels zur Ahorn-Gruppe gewechselt, nachdem zuvor über Schließungs-Pläne der Eigentümer spekuliert worden war. Der Besitzerwechsel war in der Region deshalb mit großer Erleichterung aufgenommen worden. jwe