Leipzig/Suhl - Am Schluss war das Maß voll: Wie am Mittwoch bekannt wurde, beendet der MDR seine Zusammenarbeit mit dem Kabarettisten Uwe Steimle und stellt die Reihe „Steimles Welt“ zum Jahresende ein. Man sehe „keine Basis mehr für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit“, teilte der Sender mit.

Grund seien wiederholte öffentliche Vorwürfe gegen den Sender, schrieb MDR-Programmdirektor Wolf-Dieter Jacobi auf Twitter. Die MDR-Sendung „Steimles Welt“, die vier Mal im Jahr ausgestrahlt wird, werde daher nicht fortgesetzt.

Der 56-Jährige habe wiederholt die Unabhängigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks infrage gestellt, so Jacobi. Im Interview der rechtsnationalen Junge Freiheit habe er dem MDR 2018 vorgeworfen, er verbreite staatlich gesteuerte Propaganda. Den ZDF-Journalisten Claus Kleber nannte er den „Karl-Eduard von Schnitzler der BRD“.

„Der MDR hat schon damals öffentlich klargestellt, dass diese Aussage für ihn nicht akzeptabel ist“, teilte Jacobi mit. In einem persönlichen Gespräch rief ihn Intendantin Karola Wille zur Mäßigung auf. Danach hatte Steimle das Vorgehen des Senders seinerseits scharf kritisiert. Er sei „entsetzt und traurig“, dass sich der MDR nicht schützend vor ihn stelle, sagte er vor drei Wochen. Der Sender erklärte, man habe „trotz inhaltlich durchaus fragwürdiger Äußerungen“ Steimles an ihm festgehalten. Nach den neuerlichen Vorwürfen sei „nun der Punkt erreicht, der eine weitere Zusammenarbeit unmöglich macht“, so der MDR.

Als Schauspieler ist der blonde Dresdner als Kommissar Jens Hinrichs im „Polizeiruf 110“ bekannt. Zum Süden Thüringens hat Steimle einen engen Bezug: Vater und Großeltern stammen aus Suhl. Dort hat er oft Ferien verbracht und bezeichnet sich deshalb selbst oft als „halben Thüringer“. Mit der Hauptrolle im Ende 2012 erschienenen Kinofilm „Sushi in Suhl“ setzte er dem legendären Wirt des Japan-Restaurants aus DDR-Zeiten, Rolf Anschütz, ein Denkmal. In „Steimles Welt“ thematisierte er das Waffenhandwerk in Suhl, für die überarbeitete Auflage des ersten „Konsummarken“-Bandes der Suhler Verlagsgesellschaft schrieb er 2018 das Vorwort.

Seit langem wird dem Schauspieler eine Nähe zur Pegida-Bewegung, zu rechtspopulistischen oder gar rechtsextremen und antisemitischen Werten vorgeworfen. In der Tat positioniert sich Steimle gegen den rot-grünen Mainstream im Kabarett. In Auftritten pflegt er das Rollen-Image des ostalgischen Sachsen („Günther Zieschong“), reitet auf der „Das wird man ja noch sagen dürfen“-Welle und berührt dabei, wohl bewusst, auch demokratische Tabus.

Zu den Grenzüberschreitungen gehörte ein T-Shirt mit der Aufschrift „Kraft durch Freunde“, mit dem er posierte – eine Anspielung auf die NS-Freizeitorganisation „Kraft durch Freude“. Die rechtsextreme Terrorzelle „Revolution Chemnitz“ nannte er verniedlichend „Olsenbande“, Flüchtlinge wurden in seiner Sendung unbewiesen und unwidersprochen als Fischdiebe und Altarschänder dargestellt. Als Mitunterzeichner der „Gemeinsamen Erklärung 2018“ gegen „Masseneinwanderung“ ließ Steimle sich später streichen. Von Deutschland sprach Steimle im Reichsbürger-Jargon als „besetztes Land“, von den Sachsen als „vielleicht letzte Deutsche überhaupt“, die gegen die „Marionette Merkel“ kämpfen. 2018 war ihm die Schirmherrschaft über die Ökumenische Friedensdekade entzogen worden.

„Ich teile und befürworte rechtes Gedankengut nicht, beteuerte Steimle immer wieder. „Ich bin maßlos enttäuscht“, sagte er am Mittwoch. „Meine Sendung war ein Farbtupfer, bildete unsere Lebenswirklichkeit ab. Ich habe meine Arbeit immer ordentlich gemacht. Die Entscheidung erinnert an fatale Zeiten. Man hat seit Wochen einen Grund gesucht, um mich loszuwerden.“ er