Thüringer Erfindern und Tüftlern mangelt es nicht an klugen Ideen, bei der Zahl der angemeldeten Patente können sie jedoch derzeit im Bundesvergleich nicht mithalten. Nach Angaben des Deutschen Patent- und Markenamtes wurden im Freistaat 2013 insgesamt 536 Patente angemeldet, etwa zehn Prozent weniger als im Vorjahr. Im Bundesvergleich liegt Thüringen damit auf dem zehnten Platz - hinter Sachsen auf Platz sieben und Berlin auf Platz acht. Gemessen an der Anzahl der Patente auf 100 000 Einwohner jedoch liegt Thüringen mit jeweils 25 Anmeldungen noch vor Sachsen und den anderen Ostländern. Patente aus Thüringen haben mitunter Weltformat, das ergab eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa.

Das zeigt das Beispiel von Karl-Heinz Brandenburg, dem Mitentwickler des MP3-Formats für digitale Musik. Am 9. April 2014 wurde der Erfinder offiziell in die «Internet Hall of Fame» in Hongkong aufgenommen. «Thüringen hat meines Erachtens eine ziemlich gute Infrastruktur für Erfinder», sagte Brandenburg. «Schwankungen wie in der Patentstatistik sollte man nicht überbewerten, ein gewisses Auf und Ab ist ganz normal. Gute Ideen müssen eben manchmal ein paar Jahre reifen.»

Dass es an solchen Ideen nicht mangelt, betont auch der Leiter des Landespatentzentrums Thüringen (Paton), Christoph Hoock. So haben es Photodioden aus Thüringen bis in die Wetterstation des Mars-Rovers «Curiosity» geschafft, die bei der Expedition für die Messung der UV-Strahlung auf dem Planeten verantwortlich sind. Ganz nah am täglichen Gebrauch ist hingegen «Biwasta» - eine vom Erfinder Knut Domhardt entwickelte Waschstation, mit der herkömmliche Waschanlagen zu Fahrradwaschanlagen aufgerüstet werden können.

Auch auf der Hannovermesse waren mehrere Erfindungen aus Thüringen zu besichtigen. Die Technische Universität Ilmenau zeigte ein Verfahren, mit dem die Verwertung organischer Materialien unter Einsatz von Hochspannung optimiert wird. Neben der effizienten Gewinnung von Bio-Treibstoffen werde damit auch die industrielle Fertigung von ätherischen Ölen, Zucker und Stärke vereinfacht, sagte Hoock.

Im Bundesvergleich sind nach wie vor die südlichen Bundesländer Spitze bei den Patentanmeldungen. «Es gibt nicht nur ein Ost-West-Gefälle, sondern auch ein Nord-Süd-Gefälle», erläuterte der Patentamtsleiter. «Bayern und Baden-Württemberg haben zusammen fast zwei Drittel aller deutschen Patentanmeldungen. Nimmt man Nordrhein-Westfalen dazu, sind es drei Viertel.» Zum Vergleich: Mit 14 829 Anmeldungen hatte Bayern 2013 fast dreimal so viele neue Patente wie Thüringen.

«Thüringen ist bei der Entwicklung innovativer Ideen gut aufgestellt», sagt der Sprecher des Wissenschaftsministeriums, Gerd Schwinger. Weil die Industrie noch nicht so ausgeprägt sei wie etwa in Bayern, gebe es auch weniger Forschungsabteilungen, die Patente einreichen könnten. Das Land sei auf einem guten Weg. «Das ist aber ein Prozess, der nicht über Nacht passiert.»

Vor allem sei es wichtig, dass Erfinder auf dem Boden der Tatsachen blieben, sagte Brandenburg. «Ich erlebe es immer wieder, dass der tatsächliche Wert einer Erfindung völlig überbewertet wird.» Selbst bei großen Firmen spiele oft nur ein Bruchteil der Patente die Kosten für die Anmeldung wieder ein.

Nur bei den Patentanmeldungen durch Hochschulen sind die neuen Bundesländer auf einem vergleichbaren Niveau mit wirtschaftsstärkeren Ländern im Westen. «Hauptgrund dürfte sein, dass es in vielen Universitäten im Osten noch eigene Patentstellen mit eigenen Patentassessoren gibt, wie etwa an der TU Ilmenau», sagte eine Sprecherin des Bundespatentamts. Die meisten Patentanmeldungen gab es 2013 in der Automobilbranche, gefolgt vom Maschinenbau und elektronischen Bauteilen. dpa