Inzwischen werden bei den öffentlichen Sitzungen des Gremiums sogar Fotos aus dem Inneren des völlig ausgebrannten Wohnmobils, in dem die Leichen von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt gefunden wurden, gezeigt und analysiert. Am 4. November 2011 waren die aus Jena stammenden toten Rechtsterroristen entdeckt worden. Sie starben durch Kopfschüsse.

Ist die Detailversessenheit parlamentarische Aufklärungsarbeit, die auch öffentlich präsentiert werden muss? Zwölf Monate nachdem Thüringen als erstes Bundesland einen zweiten NSU-Untersuchungssauschuss eingesetzt hat, ist die Antwort nicht nur des Thüringer Landtagspräsidenten Christian Carius eindeutig: «Ja!» Und er ergänzt, was alle Ausschussmitglieder unterschreiben: «Das sind wir den Opfern und ihren Angehörigen schuldig.»

Der Landtag hatte den Ausschuss Ende Februar 2015 eingesetzt und seinen Auftrag definiert. Anders als bei der Einsetzung des ersten Thüringer NSU-Untersuchungsausschusses erfolgte der Beschluss nicht einstimmig. Aus den Reihen der CDU stimmte ein Abgeordneter nicht dafür, drei CDU-Parlamentarier enthielten sich.

Der erste Thüringer Untersuchungsausschuss zum Terror-Trio Mundlos, Böhnhardt und Beate Zschäpe hatte von 2012 bis 2014 gearbeitet - und einen mehr als 1800 Seiten dicken Abschlussbericht vorgelegt. Trotzdem seien noch Fragen offen, sagt CDU-Politiker Carius. Solche, die oft im Detail lägen. «Wir wollen jedoch alles aufklären», sagt er. Dabei gehe Gründlichkeit vor Tempo, findet Carius.

Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe waren in den 1990er Jahren in Thüringen aufgewachsen. Sie hatten sich in der Region um Jena radikalisiert und waren dann 1998 in den Untergrund gegangen. Erst Ende 2011 tauchten sie wieder auf: Mundlos und Böhnhardt tot in einem Wohnwagen in Eisenach, Zschäpe stellte sich der Polizei. Sie steht derzeit in München vor Gericht.

Auch juristische Fragen sind es, wegen der Vertreter der Nebenklage im NSU-Prozess in München das Weitermachen des Thüringer NSU-Ausschusses würdigen. Der Nebenklage-Anwalt Mehmet Daimagüler sagt, die Arbeit des Ausschusses sei wichtig für die demokratische Hygiene. «Sie zeigt: Wir setzen auch auf Länderebene das um, was die Bundeskanzlerin während der Trauerfeier für die NSU-Opfer 2012 versprochen hat: schonungslose Aufklärung.» Das werde in Thüringen konsequenter umgesetzt als in anderen Bundesländern.

Die Aufklärungsarbeit der Abgeordneten werde gebraucht, weil es nach Meinung von Daimagüler einen weiteren NSU-Prozess geben werde. «Ich glaube, man kann schon jetzt festhalten, dass die These, der NSU sei eine isolierte Zelle gewesen, widerlegt ist», sagt der Anwalt. Deshalb werde mit einem Urteil im Prozess gegen Zschäpe auch die juristische Aufarbeitung des NSU-Komplexes bestimmt nicht abgeschlossen sein.