An den wenigen Stellen, die noch nicht renoviert wurden, ist der Unterschied deutlich zu erkennen. «So sah es früher aus», sagt Michael Diegmann. Das Haus, von Einheimischen einfach «El Capitolio» genannt, war bis vor kurzem einer von eigentlich unzähligen verkommenen Prachtbauten Havannas.
Diegmann (41) ist einer von bis zu 400 Menschen, die an der Restaurierung des früheren Parlamentssitzes und Wahrzeichens der kubanischen Hauptstadt arbeiten. Der Unternehmer aus Dingelstädt im Eichsfeld-Kreis ist mit seiner Firma MD Projektmanagement seit fast zwei Jahren im Einsatz. Mit einem Trupp von gerade mal acht Mann kümmert er sich um die «Verschönerung» der Außenfassaden.
«Wir geben dem Kapitol ein neues Gesicht», sagt er. Ihre Arbeit ist zwar einfach erklärt, vor ihnen sind aber viele andere an der Aufgabe gescheitert. Diegmanns kubanische Feintechniker reinigen die einzelnen Steine der Fassade Zentimeter für Zentimeter mit Heißwasserdampf, anschließend werden sie sorgfältig mit einem Spezialmörtel restauriert. Die Mischung, die extra für die Mauern des Kapitols entwickelt wurde, soll die Steine später auch besser vor der tropischen Feuchtigkeit schützen, erläutert Diegmann.
Das Kapitol ist gerade wahrscheinlich die wichtigste Baustelle Havannas. Der klassizistische Bau wurde im Jahr 1929 fertiggestellt, seitdem gilt er als Architekturjuwel in der an schönen Kolonialbauten nicht gerade armen Karibikmetropole. In den vergangenen Jahrzehnten verfiel der Prachtbau aber, wie so viele andere imposante Bauten der Stadt.
2011 wurde das Gebäude für das Publikum geschlossen. Damals begannen die überfälligen Renovierungsarbeiten. Im Februar 2013 kündigte Staatschef Raúl Castro sogar an, dass das Haus bald wieder die Nationale Versammlung beherbergen soll. Ein Datum dafür wurde offiziell noch nicht genannt. Zumindest soll das Kapitol laut ursprünglichem Plan 2016 komplett saniert sein.
Diegmanns Arbeit wurde den Kubanern 2007 bekannt. In jenem Jahres besuchte er mit seinem ehemaligen Geschäftspartner von der Thüringer Firma Bordstein-Ries eine Handelsmesse in Havanna. Die Behörden interessierten sich für ihre Arbeit und luden beide ein, ihr Können an einem anderen Wahrzeichen Havannas unter Beweis zu stellen - der berühmten, etwa acht Kilometer langen Uferpromenade Malecón.
Von 2008 bis 2012 restaurierte Bordstein-Ries mit Erfolg einen Teil des Malecóns. Diegmann kehrte ein Jahr später mit seiner neuen Firma nach Havanna zurück.