Erfurt - Ein Aufmarsch von Hooligans und Rechtsextremen in Erfurt ist am Samstag auf Proteste von mehreren Hundert Menschen gestoßen. Nach Angaben der Polizei versammelten sich am Nachmittag rund 300 Gegendemonstranten vor dem Theater.
"Es werden immer mehr", sagte eine Sprecherin. Die Polizei schirmte beide Gruppen mit einem starken Aufgebot ab. Eine Kundgebung der hooligannahen Vereinigung "Gemeinsam-Stark Deutschland" auf dem Domplatz mit rund 270 Teilnehmern hatte wegen der Proteste zuvor deutlich später als geplant begonnen. Eingespielte klassische Musik in ohrenbetäubender Lautstärke übertönte die Hooligan-Redner.
Die Polizei hatte die Straßen um den Domplatz in der Altstadt hermetisch gesichert. Vom Hauptbahnhof, wo am Vormittag laut Polizei 200 Menschen gegen die Veranstaltung protestiert hatten, marschierten die von Polizeifahrzeugen eskortierten Hooligans zum Domplatz. Entlang der Aufmarschroute waren Absperrgitter aufgebaut, im Stadtgebiet kam es zu Verkehrsbehinderungen.
Laut Stadtverwaltung waren neun Aktionen mit mehr als 1000 Teilnehmern gegen den Aufmarsch der gewaltbereiten Fußballfans angemeldet.
Für die Thüringer Polizei war es binnen zwei Tagen der zweite Großeinsatz nach den Einsätzen wegen rechtsextremer Aufmärsche in Erfurt und Saalfeld am Freitag. In Weimar wurden am Freitag bei einem Überfall von Rechtsextremen auf die Maikundgebung der Gewerkschaften mehrere Menschen verletzt.
Bei einem Aufmarsch mit Rechtsextremisten und Hooligans war es im Oktober in Köln zu heftigen Ausschreitungen gekommen.
In Thüringen gehören nach Erkenntnissen des Innenministeriums bis zu zehn Prozent der gewaltbereiten Fußballfans zum rechten Spektrum. dpa