Erfurt - Der Anteil an Ganztagsschülern an Thüringer Schulen ist in den vergangenen Jahren kaum gestiegen. Das geht aus einer Erhebung der Bertelsmann-Stiftung hervor, die am Dienstag veröffentlicht wird. Demnach gingen in den Klassen eins bis zehn zwar 86 182 Mädchen und Jungen im Schuljahr 2015/2016 auf eine Ganztagsschule. Das waren etwas über die Hälfte (51,5 Prozent) der Schüler und damit 0,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Vor sieben Jahren hatte der Anteil jedoch schon bei 52,6 Prozent gelegen. Seitdem schwankte die Quote zwischen 51 und 52 Prozent, wie die Studie zeigt.

In den Grundschulen war der Anteil der Schüler im Ganztagsbetrieb mit 85,3 Prozent relativ hoch. In Förderschulen blieben laut der Studie in Thüringen alle Schüler auch am Nachmittag. Auf Schulen, die mehrere Abschlüsse ermöglichen, war dafür nur jeder fünfte (21,9 Prozent) ein Ganztagsschüler. Am geringsten fällt ihr Anteil an Gymnasien aus. Mit nur 9,6 Prozent ist Thüringen an dieser Schulart das bundesweite Schlusslicht.

Dabei sieht die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Thüringen in Ganztagsschulen Möglichkeiten zur Verbesserung der Bildungschancen - besonders für Kinder und Jugendliche aus bildungsfernen Verhältnissen.

In ganz Deutschland gingen nach Studiendaten 39,3 Prozent der Schüler auf eine Ganztagsschule. Den höchsten Anteil erreichte Hamburg mit 91,5 Prozent, den niedrigsten mit 16 Prozent Bayern.

Um bis 2030 für jedes Kind in Deutschland einen Ganztagsschulplatz anbieten zu können, braucht es laut den Forschern der Studie pro Jahr 300 000 zusätzliche Plätze. Dafür müssten rund 20 Milliarden Euro in die Schulen investiert werden. dpa