Theaterpremiere Kontrastprogramm: Vergangenheit und Gegenwart

Eine Momentaufnahme aus „Julius Caesar“: Brutus (links, Lukas Umlauft) und Stefan Willi Wang (Casius). Foto: foto@jochenquast.de/Jochen Quast

„Julius Caesar“ und „Die Politiker“: Zu einem Premieren-Doppelabend lädt das Meininger Staatstheater am heutigen Freitagabend, 19.30 Uhr, ins Große Haus ein

Meiningen - Wer sind eigentlich die Politiker und wer ist das Volk? Gibt es in einer Demokratie diesen immer wieder heraufbeschworenen riesigen Unterschied? Diesen Fragen geht das Schauspielensemble heute Abend in der Doppelabend-Premiere „Julius Caesar“/ „Die Politiker“ nach. Der große Elisabethaner William Shakespeare und der Gegenwartsdichter Wolfram Lotz behandelten diese Thematik auf unterschiedlichste Weise in ihren Stücken. Shakespeare blickt dabei hinter die Kulissen eines blutigen Machtkampfs, dessen Opfer Caesar wird. Sein Mord durch die Verschwörer, unter denen auch sein Freund Brutus ist, führt zu der wohl bekanntesten Redeschlacht auf dem Theater. Das Volk zeigt sich als gefährlicher Wechselbalg, kaum jubelt es Brutus zu, der den Anschlag auf Caesar mit der Sorge um die Republik rechtfertigt, schon schlägt es sich auf die Seite des Demagogen und Aufhetzers Marc Anton. So weit die Shakespearesche Interpretation.

Wolfram Lotz hat aus den Verunsicherungen der Gegenwart heraus seinen Text „Die Politiker“ geschrieben. Bleibt das Volk bei Shakespeare eine manipulierbare Masse, erhebt es bei Lotz selber die Stimme. In seiner verspielten, ebenso komischen wie bitteren und hochmusikalischen Wortkaskade verwischen jedoch die Grenzen, und Volk und Politiker finden auf poetischer Ebene zueinander.

Es war einst eine „Julius Caesar“-Inszenierung, die den Weltruhm der Meininger 1874 beim ersten Gastspiel in Berlin begründete. Heute stellt das Meininger Theater bei dieser Produktion in Regie von Frank Behnke den Inhalt in Kombination mit einem Gegenwartstext zur Diskussion.

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